Burgtheater - Thomas Königstorfer: „Ich freue mich riesig“

Wien (APA) - Der Vertrag von Thomas Königstorfer, seit 2013 kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, wurde nach einer Ausschreibung,...

Wien (APA) - Der Vertrag von Thomas Königstorfer, seit 2013 kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, wurde nach einer Ausschreibung, aus der er als bestqualifizierter Kandidat hervorgegangen ist, verlängert. Nach den Aufräumarbeiten angesichts der bisher größten finanziellen Krise des Hauses, wird er bald vor der Aufgabe stehen, die Pläne des neuen Intendanten Martin Kusej zu finanzieren.

APA: Herr Königstorfer, Sie bekommen als kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters einen neuen Fünfjahresvertrag und können bis 2023 weiterarbeiten. Hat sich die Aufarbeitung der finanziellen Hinterlassenschaften von Matthias Hartmann also auch für Sie ausgezahlt?

Thomas Königstorfer: Ich freue mich natürlich riesig, es ist aber auf der anderen Seite aber auch und wesentlich eine Anerkennung für das, was die Menschen hinter den Kulissen diese letzten vier Jahre geleistet haben. Ich sehe das als Kompliment an die ganze Mannschaft.

APA: Das Haus schuldenfrei übergeben zu wollen, ist angesichts der jüngeren Vergangenheit eine ziemliche Ansage. Heißt das, dass Karin Bergmann jetzt noch ordentlich sparen muss, damit Martin Kusej wieder aus dem Vollen schöpfen kann? Klingt ein bisschen unfair.

Königstorfer: Wir waren zum Ende des letzten Spieljahres wirtschaftlich wieder im positiven Eigenkapital, das heißt, wir waren nicht mehr im „Reorganisationsbedarf“. Die Patronatserklärung der Holding wurde zurückgenommen. Wir werden mit den Ergebnissen des heurigen Spieljahres absehbar - und da klopfe ich auf Holz - auch den Bilanzverlust aus dem Jahresabschluss weghaben, und es werden auch keine Bankschulden mehr enthalten sein. Das sind die Rahmenbedingungen zum jetzigen Zeitpunkt. Der Konzern und damit auch das Burgtheater hat eine Basisabgeltung, die wohl erhöht wurde, aber für die nächsten Jahre gleich bleibt. Wir haben aber alle die Personalkostenvalorisierung, die bei uns an der Burg grob gesprochen jährlich 750.000 Euro ausmacht. Das sind irgendwann drei Millionen Euro Kosten zusätzlich - bei gleichbleibender Basisabgeltung. Die kommenden drei Jahre sind so geplant, dass wir mit diesen Mitteln auskommen. Das Ziel muss also sein, dass wir mit den Jahren 2017/18 und 2018/19 auch die letzte Kollektivvertragserhöhung 2019/20 gegenfinanzieren können. Die Planung zielt darauf ab, dass wir über diese drei Jahre ausgeglichen bilanzieren. Daher müssen wir zuerst ins Plus kommen, um Ende 2019/20 auf null zu stehen.

APA: Wird Martin Kusej also nicht mehr künstlerisches Budget haben als Karin Bergmann?

Königstorfer: Grundsätzlich geht der Konzern davon aus, dass in allen Häusern die künstlerischen Budgets eine konstante und sich fortsetzende Entwicklung haben werden. Wir haben gesagt, wir machen keine Jux-Kalkulationen eines Vorbereitungsbudgets, wir schauen uns zuerst an, wer Direktorin oder Direktor wird. Wie setzen uns daher nun mit Martin Kusej zusammen, dann erarbeiten wir: Wie sieht sein Start aus, und was kostet das? Dann wissen wir vielleicht in einem halben Jahr auch mehr, wie sich die laufenden Prozesse bis dahin entwickelt haben, und dann überlegen wir uns, wie kann der Start finanziert werden. Es wäre am Tag der Bestellung unseriös zu sagen, er wird 500.000 Euro brauchen oder fünf Millionen, und die Burg oder die Holding oder die Republik zahlt das.

APA: Matthias Hartmann hat offenbar gleich sein teurer Start in die finanzielle Krise geritten. Sie werden nun rechtzeitig „Stop“ rufen?

Königstorfer: Ich glaube, da gibt es auch das entsprechende Verständnis dafür. Und dass es nicht null sein wird, wissen wir wohl alle. Aber wie viel es ist, und wer es zahlt, ist zu entwickeln.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)