Der mit den zwei Streifen
Wem ein Porsche 911 Turbo noch nicht exklusiv genug ist, dem hilft die hauseigene Exklusive Manufaktur mit einer Sonderserie weiter.
Von Stefan Pabeschitz
Stuttgart –Fahrzeugveredelung war lange ein belächelter bis gefürchteter Bereich, inzwischen pflegen die Premiumersteller die Individualisierungsschiene erfolgreich selbst. Bei Porsche kümmert sich die Exklusive Manufaktur um das, was im internen Sprachgebrauch etwas tiefstapelnd „Sonderfahrzeuge“ heißt. Darunter fallen die Verwirklichung von Kundenwünschen und marktspezifische Sondereditionen ebenso wie limitierte Kleinserien.
Die neueste Auflage einer solchen ist der 911 Turbo S Exklusive Series, den schon die Farbe Goldmetallic als Auto für introvertierte, scheue Menschen ausschließt. In zahllosen Details präsentiert Porsche seine Handarbeitsklasse und wo derzeit die Grenzen des Machbaren liegen. Etwa mit den teillackierten Karbonteilen, mit denen das eigentliche Material von vorderer Haube und Dach als sportlicher Doppelstreifen präsentiert wird – ohne dass dabei auch nur die geringste Lackstufe spürbar ist. Allein dem Kofferraumdeckel gönnt man 240 Stunden für sein Werden.
Der Doppelstreifen ist das zentrale Designthema, er findet sich auch als Hintergrund der Perforation im Alcantara-Dachhimmel wieder, ebenso auf den Sitzen. Dann noch beim passend dazu angebotenen Taschenset und dem Uhrband des eigens für diese Auto-Kleinserie gestalteten Chronografen – es gibt somit auch einen Porsche fürs Handgelenk. Die Detailverliebtheit geht sogar so weit, dass der dank gläsernen Uhrbodens sichtbare Anker in Felgendesign farblich abgestimmt wird: Ein Kunde, der vollständig hochglanzschwarze Räder wählt, findet auch einen ebenso lackierten Anker in seiner Uhr. Das Standard-Rad ist übrigens schwarz-gold. Lackiert? Mitnichten – der auf das goldmetallic aufgebrachte, schwarze Decklack wird mit einem Präzisionslaser wieder abgebrannt, um die feinen goldenen Linien möglichst exakt freizulegen. Die Farbe schimmert auch auf allen Dekorteilen im Innenraum durch: dank eines in das Karbon eingearbeiteten Kupferdrahtes in passendem Ton.
Auch bei der Leistung legt der Exklusive Series 911 eins drauf: Statt 580 scharren hier 607 Hengste unter dem Heckdeckel, dazu 750 Newtonmeter Drehmoment – macht 9,6 Sekunden für den Sprint. Auf 200 km/h, versteht sich – der erste Hunderter liegt bei schlanken 2,9 Sekunden an. Wie leicht bedienbar diese Kraft gemacht wurde, verblüfft: Im Über-911 lässt es sich auch reuelos im Schritttempo herumschlendern – er will auch kein GT3 RS sein, auf der höchst variablen, Porsche-eigenen Werteskala eher das Gegenteil davon.
Wer akut auf den Geschmack gekommen ist, muss jetzt stark sein: Die limitierte Sonderserie von 500 Stück ist schon ausverkauft. Hierzulande waren 316.535 Euro dafür fällig, was immerhin drei Österreicher nicht abschrecken konnte. Für alle anderen heißt es: Geduld haben und/oder sparen – die nächste Kleinserie kommt bestimmt.