VW e-Golf

Ohne Hub, mit mächtig Schub

Klassische Silhouette, zukunftsträchtiger Antrieb: Der e-Golf verbindet traditionelle Stärken mit einem Elektroantrieb.

Kolben haben im e-Golf von Volkswagen keinen Platz, stattdessen geben ein 136 PS starker Elektromotor und ein vergrößerter Lithium-Ionen-Speicher ihr Bestes im facegelifteten Kompaktwagen.

Von Markus Höscheler

Ellbögen –Es ist seltsam, ein ganz neues Modell zu fahren, das eigentlich schon als Auslaufmodell gehandelt wird. Eben erst hat Volkswagen den Kompaktwagen Golf umfassend überarbeitet – und damit auch die Elektroversion e-Golf. Und gleichzeitig arbeitet der Konzern an den verschiedenen Elektrofahrzeugen, die unter dem Kürzel I.D. firmieren werden. Verschiedene Karosserieformen sind geplant, auch ein Kompaktwagen mit größerer Reichweite – also ein Fahrzeug, das dem e-Golf das „Überleben“ wohl schwermachen wird. Bis es aber so weit ist, wohl erst 2019, kann und muss sich der e-Golf neben dem e-Up als reiner Stromer behaupten.

Genau dabei macht er seine Sache geschickt, setzt auf die klassischen Errungenschaften des ewigen Bestsellers Golf und verknüpft sie mit der Mobilität der Zukunft, die mit höherer Wahrscheinlichkeit einen hohen Elektrifizierungsgrad aufweisen wird. Was der e-Golf einerseits beherrscht, ist das baureihentypische Komfortgefühl: Kein anderes Fahrzeug kann in diesem Segment diese nahezu perfekt abgestimmte Mischung aus ausgewogenem Fahrwerk, hoher Materialgüte, selbsterklärendem Instrumentarium und passabler Raumgröße offerieren. Das Design mag manchen zu langweilig wirken, insgesamt ist die Formensprache aber eine zeitlose, was Wertbeständigkeit und eine gesunde Distanz zum schwankenden Zeitgeist signalisiert.

Aber ein wenig Zeitgeist ist es dann doch, der sich in den e-Golf eingeschlichen hat. Er folgt dem Ruf nach einem Reisen ohne klassischen Verbrennungsmotor, nach einer Befreiung von Feinstaub, Stickoxiden und Kohlendioxid – und so ermöglichte es die Konzernspitze den Technikern, anstelle von Otto- und Dieselaggregaten einen Elektromotor einzubauen, außerdem einen Lithium-Ionen-Speicher, der dank der jüngst erfolgten Modifikation mit einer Kapazität von 35,8 Kilowattstunden fast schon aufgeigen kann, da er eine Bruttoreichweite von 300 Kilometern offeriert. Im Praxisbetrieb ist eher von zwei Dritteln auszugehen, wobei hier vieles von der Außentemperatur und der abgerufenen Klimaleistung abhängt. Wer bei der augenblicklichen Hitzewelle einen kühlen Innenraum einfordert, büßt auf einen Schlag zwischen 30 und 50 Kilometer Reichweite ein. Zumindest ist es das, was das volldigitale Instrumentarium des e-Golf in hochaufgelöster Form darstellt. Es gibt dank der wählbaren Eco-Plus-Fahrweise noch die Möglichkeit, ein paar Kilometer Reichweite mehr zu erzielen – aber die sind schnell dahin, wenn das ab Leerlauf zur Verfügung stehende maximale Drehmoment von 290 Newtonmetern bei jedem Ampelstart dazu animiert, das „Gas“pedal kräftig durchzudrücken. Das Kraftdargebot ist so immens, dass die Vorderräder bei aufgebrochenen Asphaltflächen gelegentlich nicht mit Traktion dienen können und das elektronische Stabilitätsprogramm stil- und wirkungsvoll eingreifen muss.

Wer ein Fahrzeug zum sorgenfreien Pendeln benötigt, über einen Ladezugang verfügt, klassische Tankstopps meiden möchte, emissionsfreies Fahren bevorzugt und mit einem gesunden Budget gesegnet ist, den wird der Testwagenpreis (42.536,80 Euro) wohl nicht schrecken.