Griechenland stöhnt weiter unter Hitze

Athen (APA/dpa) - Als ob man bei 200 Grad Umluft den Kopf in einen Backofen steckt - so fühlt sich in Athen der erste Schritt auf die Straße...

Athen (APA/dpa) - Als ob man bei 200 Grad Umluft den Kopf in einen Backofen steckt - so fühlt sich in Athen der erste Schritt auf die Straße an. Der Asphalt flimmert, das Atmen fällt schwer, die Luft brennt auf der Haut. Schon am frühen Morgen liegt die Temperatur bei über 30 Grad. Die berühmt-berüchtigte Superhitze aus Afrika, auf griechisch „Kavsonas“ genannt, sucht das Land ungefähr alle zehn Jahre heim.

Wie gelähmt schleichen die meisten Touristen über den Syntagma-Platz im Athener Stadtzentrum. Manche schützen sich mit Regenschirmen vor der stechenden Sonne, andere tragen wagenradgroße Sonnenhüte. Am härtesten im Nehmen sind offenbar die Briten. Steve aus Brighton bestellt schnell noch ein Bier, bevor er sich seines T-Shirts entledigt. „Ist doch großartig, wegen des Wetters bin ich doch hier“, erklärt er.

Griechen sind am Syntagma schon längst nicht mehr anzutreffen - bei der Hitze ohne gewichtigen Anlass das Haus zu verlassen, kommt ihnen absurd vor. Wer konnte, hat die Hauptstadt am Wochenende Richtung Meer verlassen. Auch an den Stadtstränden Athens suchen die Menschen bereits in den frühen Morgenstunden nach Abkühlung. Bis mittags muss der Sprung ins Wasser erledigt sein, danach wird es einfach nur noch gefährlich, sich draußen aufzuhalten, nicht zuletzt wegen der überhöhten Ozon-Werte.

Aber auch wenn das Thermometer bereits am Freitag auf über 45 Grad kletterte, nimmt sich der diesjährige „Kavsonas“ im Vergleich noch zahm aus: Er soll nur vier Tage andauern. Im Jahr 1987 starben beim selben Wetter-Phänomen in Griechenland geschätzte 4.000 Menschen. Zehn Tage währte die Hitzehölle damals, zu einer Zeit, als Klimaanlagen noch als seltener Luxus galten. Stadtwohnungen wurden zur Todesfalle - Kliniken und Leichenhallen waren bald überfüllt, vor allem ältere und kranke Menschen zählten zu den Opfern.

Heute ist man besser vorbereitet. Schon im Voraus veranlasste die Athener Stadtverwaltung, dass klimatisierte Gemeindehallen tagsüber für Schutzsuchende geöffnet sind. Notrufnummern wurden eingerichtet, um Alleinstehenden Hilfe zu bieten. Die Stromgesellschaft versicherte, man sei dem erhöhten Verbrauch der mittlerweile unzähligen Klimaanlagen gewachsen. Über Radio, Fernsehen und Internet wurden die Menschen zudem über Maßnahmen informiert: Viel trinken, leichte Kleidung tragen, körperliche Arbeit sowie Alkohol vermeiden und bei übermäßigem Schwitzen Elektrolyte zu sich zu nehmen.

Die höchste Temperatur landesweit herrschte am Freitag mit 45,3 Grad in Elefsina, rund 30 Kilometer nordwestlich von Athen. Ausgerechnet: Dort sind Löschflugzeuge stationiert, die im Sommer gegen Waldbrände ankämpfen. Weil die Flieger bei mehr als 38 Grad nicht starten können, wurde die Flotte bis zum Samstagmorgen abgezogen und unter anderem auf die Inseln Samos und Skyros verlegt, um einsatzfähig zu bleiben. Denn die Feuergefahr ist bei der heißen, trockenen Luft stark erhöht.

Selbst auf griechischen Inseln wie Santorin oder Mykonos gibt es vor der Hitze kein Entkommen. Die tief dunkelrote Wetterkarte wird den Griechen und den Touristen noch bis zu diesem Montag erhalten bleiben - erst dann soll es Entspannung geben und die Temperatur schlagartig um zehn Grad auf schlappe 35 Grad sinken. Bis dahin jedoch werden sich tagsüber weiterhin nur Touristen auf die Straßen trauen. Lediglich auf die Akropolis können sie nicht unbegrenzt kraxeln: Zum Schutz der Angestellten und auch der Touristen selbst bleibt das Wahrzeichen Athens in den allzu heißen Mittagsstunden wegen Hitze geschlossen.