Familienzwist überschattete Trauerfeier für Helmut Kohl in Straßburg
Straßburg (APA/AFP) - „In Liebe, deine Maike“ - mit diesen Worten auf dem Kranz vor dem aufgebahrten Sarg hat sich die Witwe des deutschen A...
Straßburg (APA/AFP) - „In Liebe, deine Maike“ - mit diesen Worten auf dem Kranz vor dem aufgebahrten Sarg hat sich die Witwe des deutschen Altkanzlers Helmut Kohl von ihrem Mann verabschiedet. In der ersten Reihe mit schwarzem Hut und schwarzer Sonnenbrille saß Maike Kohl-Richter am Samstag bei dem europäischen Trauerakt in Straßburg - Kohls beide Söhne hingegen fehlten.
Der Familienzwist, der seit dem Tod von Kohl am 16. Juni neu aufgebrochen war, wurde damit für alle Welt noch einmal deutlich. Kohls ältester Sohn Walter hatte sich einen Staatsakt in Deutschland für seinen Vater gewünscht, am Brandenburger Tor, dem Symbol für den Mauerfall. Und Kohls Beerdigung in seiner Heimatstadt Ludwigshafen, neben Walters Mutter und Kohls erster Frau Hannelore. Doch die Witwe lehnte beides ab, forcierte stattdessen den europäischen Staatsakt.
In ihrer Traueransprache in Straßburg wich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die ausgiebig Kohls Verdienste würdigte, auch dem heiklen Thema Kohl-Familie nicht aus. Kohls Sarg werde später zurück in seine Heimatstadt Ludwigshafen gebracht, sagte sie. „Hier war er zu Hause, lange Jahre zusammen mit seiner ersten Frau Hannelore, die ihm in guten wie in schlechten Zeiten stets zur Seite stand.“
Dann wandte die Kanzlerin sich Maike Kohl-Richter zu: „Sie haben ihren Ehemann Helmut Kohl in all den letzten Jahren voller Hingebung und Liebe begleitet, bis zuletzt. Ihnen gehört mein Mitgefühl.“ Und wohl mit Blick auf die Söhne, die auch bei der Beerdigung am Abend in Speyer nicht dabei sein wollten, schloss die Kanzlerin das Thema mit den Worten ab: „Mein Mitgefühl gehört allen, die in Helmut Kohls Familie um ihn trauern.“