Bachmann-Preis: Schmalz servierte Rehragout vom Feinsten

Wien/Klagenfurt (APA) - Mit seinen Stücken wie „am beispiel der butter“, „dosenfleisch“, „der herzerlfresser“ oder „der thermale widerstand“...

Wien/Klagenfurt (APA) - Mit seinen Stücken wie „am beispiel der butter“, „dosenfleisch“, „der herzerlfresser“ oder „der thermale widerstand“ hat er die Theaterwelt eingekocht, nun gilt der 31-jährige Steirer Ferdinand Schmalz auch dem Prosabetrieb als preisgekrönter Haubenkoch: Das in seinem Bachmannpreis-Text „mein lieblingstier heißt winter“ von Eismann Schlicht servierte Tiefkühl-Rehragout mundete der Jury vorzüglich.

Als Dramatiker hat der in Wien lebende Grazer, der im „relativ theaterfernen“ Ennstal aufgewachsen ist, als Regieassistent gearbeitet und Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie Philosophie studiert hat, bereits einige Preise und Stipendien eingeheimst. „Es war schön, einmal nicht die Theaterkonventionen einhalten zu müssen, wo es auch immer darum geht, einen Handlungs- und Spannungsbogen zu bauen und Figuren zu konstruieren“, erklärte er im APA-Vorabinterview, warum er dem Ruf nach Klagenfurt heuer endlich gefolgt ist. Es hat sich ausgezahlt. Sein Sinn für theatrale Effekte hat ihm dabei geholfen.

„Ein echter Showman“, fand Jurorin Meike Feßmann und ortete „performative Qualität“ in Text und Vortrag, an dem Schmalz, mit Krawatte und Hut ausgestattet, sichtbar auch selbst Vergnügen hatte. „Herr Schmalz ist eine Figur, und er kann glänzend Figuren erschaffen“, lobte ihre Kollegin Hildegard Keller. Tatsächlich heißt der neue Bachmann-Preisträger eigentlich Matthias Schweiger. „Schmalz war aber schon früher mein Spitzname im Freundeskreis“, hat er einmal die Genese seines Zweitnamens erläutert. „Irgendwann, als Texte entstanden sind, in denen es um deftige Metaphern gegangen ist, habe ich mir gedacht: Das wäre eigentlich auch ein guter Künstlername.“

Deftig geht es auch in seinem Siegertext zu, der wohl Eingang in eine längere Prosaarbeit finden wird. Tiefkühlware-Lieferant Schlicht erhält an einem heißen Sommertag von einem seiner Kunden, einem Doktor Schauer, bei der Lieferung der x-ten Portion Rehragout ein ungewöhnliches Angebot: Er werde in Kürze eine Überdosis Schlaftabletten nehmen und in seine Tiefkühltruhe steigen. Die spätere Überstellung seines eingefrorenen Leichnams zur Hubertuswarte, wo er danach in der Morgensonne langsam auftauen werde, möge Schlicht „mit seinen tiefkühlunternehmerischen Möglichkeiten“ gegen „eine nicht zu kleine Summe“ übernehmen. Als Schlicht seinen Auftrag schließlich ausführen will, macht er eine ungewöhnliche Entdeckung in der vermeintlichen Totentruhe: „darin nur nichts. kein kalter schauer. nur kalte luft, die ihm entgegenstürzt.“

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Nicht nur die Sinnlichkeit von Nahrungsmitteln, die auch in seinen Stücken häufig zu finden sind, sondern auch der Tod interessiere ihn als Autor ganz besonders, gibt Ferdinand Schmalz zu. Da trifft es sich besonders gut, dass er gerade dabei ist, seine vom Burgtheater beauftragte „Jedermann“-Neudichtung abzuschließen. Die Uraufführung ist für Februar 2018 geplant. Sein Burg-Debüt hat Schmalz vor Jahren als Statist gegeben - als Leiche in „König Lear“. Und der Regisseur des „Jedermann“ trägt einen Namen, der wohl künftig in den Ohren von Schmalz einen besonderen Klang haben wird: Stefan Bachmann.


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