Bachmann-Preis - Jurorin Sandra Kegel als doppelte Siegerin

Wien/Klagenfurt (APA) - Eine der Siegerinnen der 41. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt heißt Sandra Kegel. Die Redakteurin ...

Wien/Klagenfurt (APA) - Eine der Siegerinnen der 41. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt heißt Sandra Kegel. Die Redakteurin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat es geschafft, dass ihre beiden Eingeladenen, Ferdinand Schmalz und John Wray, mit den beiden Hauptpreisen ausgezeichnet wurden. Anlass für ein weiteres Sieger-Interview.

APA: Frau Kegel, beide Eingeladenen in die Top Zwei zu bringen, das passiert einer Bachmann-Jurorin nicht alle Tage. Was ist Ihr Erfolgsrezept bei der Kandidaten-Suche?

Sandra Kegel: Es steckt vor allem sehr viel Arbeit dahinter. Ich bekomme sehr viele Texte zugeschickt, und ich lese sie alle. Ich überlege mir auch, welche Autoren mich interessieren, und spreche sie an. Viele Autoren sagen aber: Klagenfurt kommt für mich nicht infrage. Manchmal gibt es dann aber einen Moment, wo es plötzlich doch funkt. Ferdinand Schmalz habe ich vor drei Jahren das erste Mal angesprochen und letztes Jahr wieder. Als ich ihm diesmal wieder eine Mail schrieb und mit einer Absage rechnete, antwortete er: Ich hab da vielleicht was...

APA: Auch John Wray hat mit seinem Text Neuland betreten. Auf Deutsch zu schreiben, war geradezu ein Experiment für ihn.

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Kegel: Er war in dem Moment offenbar auch bereit für dieses Experiment. Ihn kannte ich durch seine Romane, hab‘ ihn aber immer als amerikanischen Autor wahrgenommen. Ich hatte ihn daher nie für Klagenfurt im Sinn, bis ich auf der Frankfurter Buchmesse in eine Lesung von ihm gegangen bin. Ich war ganz erstaunt, dass er nicht nur seinen Text auf Deutsch gelesen hat, sondern auch das Gespräch auf Deutsch geführt hat, und zwar mit so einem österreichischen Sing-Sang. Nach der Lesung sind wir ins Gespräch gekommen und mir sind viele Dinge aus seinen Büchern klar geworden. Da spielt Österreich ja immer eine zentrale Rolle. Dass seine österreichische Mutter ganz in der Nähe von Klagenfurt aufgewachsen ist, hier noch immer ein Haus hat und die Sommer hier immer mit ihrem Sohn verbringt, wusste ich nicht.

APA: Gewonnen haben ein Dramatiker und ein sonst auf Englisch Schreibender. Muss die deutschsprachige Prosa ihren Horizont erweitern, um frischen Wind hineinzubekommen?

Kegel: Für anerkannte Autoren ist es schon ein Risiko, nach Klagenfurt zu gehen. Ich bedaure sehr, dass sie immer wieder davor zurückschrecken. Klagenfurt ist eine Bühne für junge Autoren, die sich ausprobieren wollen. Es gibt aber auch viele Möglichkeiten des Transfers: Lyriker, Dramatiker, fremdsprachige Autoren. Da kommt noch ein anderes Interesse dazu. Das spricht aber nicht gegen die deutschsprachige Literatur.

APA: Aktuelle gesellschaftliche Verwerfungen und politische Krisen haben sich in manchen Bachmann-Texten wiedergefunden. Diese haben aber noch nicht gänzlich überzeugt. Braucht es dafür noch Zeit?

Kegel: Literatur ist ein langsames Medium, sie kann nicht unmittelbar abbilden und muss ihre eigenen Wege gehen. Aber es gibt ein großes Bedürfnis unter Schriftstellern und Schriftstellerinnen, sich dazu zu äußern. Ich bin sicher, dass da noch vieles kommt. Die ganze Welt ist ja im Moment im Aufruhr.

APA: Gleichzeitig diskutiert man hier im sonnigen Klagenfurt über Literatur und geht anschließend schwimmen. Ist das eine seltsame Diskrepanz, die Sie auch spüren?

Kegel: Ja natürlich. Wir haben auch in den Pausen immer wieder darüber gesprochen und uns etwa die Bilder vom G-20-Gipfel in Hamburg angeschaut und die Artikel dazu gelesen. Aber die Welt kann ja nicht deswegen stehen bleiben. Das ist die Gleichzeitigkeit des Lebens.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)


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