TT-Interview

Wechner: “Mit Wörgl werden Spielchen gespielt“

Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner.
© Otter

BM Hedi Wechner fordert im TT-Interview Land und Bund auf, die Gesamtkosten für den Hochwasserschutz zu übernehmen, und bereitet die Wörgler auf karge Zeiten vor. Jährlich müssen 3,3 Mio. Euro eingespart werden.

Auf Wörgl kommt eine sehr große Investition für den Hochwasserschutz zu. Rund 6,4 Mio. Euro Baukosten und dann Betriebskosten in nicht bekannter Höhe, aber zumindest 100.000 Euro pro Jahr sind im Gespräch. Wie will die Stadt das und Projekte wie Landesmusikschule und Feuerwehrhaus stemmen?

BM Wechner: Die derzeit geschätzten 6,4 Mio. Euro sind noch in keiner Sparmaßnahme eingepreist. Da man Gemeinden nicht in Konkurs gehen lassen kann, gehe ich davon aus, dass wir noch Förderungen bekommen. Zuschüsse werden auch andere der acht Verbandsgemeinden benötigen. Dieses gemeindenübergreifende Projekt gehört ohnedies, wie in anderen Ländern auch, zur Gänze von Bund und Land Tirol bezahlt. Mir geht es beim Hochwasserschutz in erster Linie um die privaten Hausbewohner, die in der roten Zone leben. Die Firmen haben sich damit arrangiert, wobei ich andererseits auch nicht der Gnade eines Mitarbeiters des zuständigen Amtes ausgeliefert sein möchte, wenn es darum geht, was möglich ist und was nicht.

Wann, glauben Sie, ist das Projekt fertig?

BM Wechner:

Es ist ganz klar, dass der Hochwasserschutz nicht bis 2018 fertig sein kann. Der Herr Landeshauptmann Günther Platter hat sich da weit hinausgelehnt mit diesem Datum. Nur hätte es nichts anderes gebraucht, als dass man sagt, Land und Bund übernehmen die Kosten, dann wären die Voraussetzungen für 2018 geschaffen gewesen. Was mich wirklich frappiert, ist das Ränkespiel dahinter. Zuerst hat es geheißen, die Stadt Wörgl zahlt 25 Mio. Euro, und dann 12 Mio., und dann kommt da noch was weg und dann dort. Da wird ein Spielchen mit Wörgl gespielt. Auch mit den Umlandgemeinden und den Bauern. Wir hätten den Wasserverband schon lange, wenn nicht so gepokert würde. Das Land hätte einfach festlegen müssen, wo die Retentionsflächen sind und was die Bauern an Entschädigung bekommen. Aber das Ausspielen der Bauern gegen Wörgl und meine Person ist das Miese und Fiese an der Sache.

Sie haben vorher erwähnt, dass diese Kosten nicht in Sparmaßnahmen enthalten sind. Wie viel Geld muss denn überhaupt jährlich eingespart werden?

BM Wechner: Wir haben ein­e Firma damit beauftragt, alle Einsparungsmöglichkeiten zu durchleuchten. Demnach sollten wir bis 2020/22 16 Mio. Euro einsparen. Das heißt pro Jahr 3,3 Mio. Euro. Es wird eine harte Arbeit werden. Ob es überhaupt machbar ist, wissen wir nicht. Wir werden alles versuchen, aber keinen Kahlschlag betreiben. Trotzdem: Wir müssen die Finanzen konsolidieren.

Warum muss so viel Geld eingespart werden?

BM Wechner:

Wir haben große Projekte zu realisieren, dann gibt es einen Ausblick auf steigende Transferzahlungen und tiefer ausfallende Abgabenertragsanteile — und Vorbelastungen von rund 1,7 Mio. Euro jährlich für Nordtangente und Erlebnisbad Wave. Hätten wir Letzteres nicht, dann stünden wir anders da. Wir könnten uns weiterhin von den Stadtwerken Dividenden ausschütten lassen. Aber da die Stadtwerke schon die Annuitätenzahlungen für das Wave von 770.000 Euro pro Jahr übernehmen, geht das nicht mehr. Die Stadtwerke sind ein gesundes Unternehmen und das müssen sie bleiben.

Die anstehenden Großprojekte sind das Feuerwehrhaus und die Landesmusikschule .Wie schaut es mit der Realisierung aus?

BM Wechner:

Das Feuerwehrhaus soll nächsten Herbst fertig sein. Es wird ein Gesamtprojekt mit der Bergrettung, die Kosten schätze ich auf unter 5 Millionen Euro. Bei der Musikschule ist der Grundsatzbeschluss gefallen, der Standort wird das Fischerfeld. Jetzt geht es darum, die besten Parameter auszuhandeln. Die WIST (Wirtschaftshilfe für Studenten) ist ein sehr konsensualer Partner, der uns sehr unterstützt. Wir müssen überprüfen, ob sich die Miete oder der Kauf lohnt. Die Miete hat den Vorteil, dass wir uns in ein gemachtes Nest setzen können, der Nachteil ist, dass uns nichts gehört. Die Kosten schätze ich auf 3,5 bis 4 Mio. Euro.

Hat man schon eine Idee, was mit der alten Landesmusikschule passiert?

BM Wechner:

Ich sage es ganz ehrlich: Ideen habe ich schon, aber vermutlich fehlt mir das Geld. So könnten wir das Heimatmuseum ausbauen, das Stadtarchiv hier unterbringen, eventuell die Kunstgalerie und eine Stadtbibliothek.

Es gab ja auch die Idee, hier das Stadtamt unterzubringen?

BM Wechner:

Zur Verlegung des Stadtamtes gab es schon viele Ideen. Es würde mich zwar sehr reizen, aber das Geld werden wir für etwas anderes verwenden müssen.

Man hat das Gefühl, dass das Klima im Wörgler Gemeinderat sehr schlecht ist. Warum?

BM Wechner: Es gibt kein schlechtes Klima im Gemeinderat, es ist sogar sehr gut. Es sei denn, man misst es an denen, die Fundamentalopposition betreiben und sich bewusst außerhalb der gemeinsamen Arbeit stellen. Aber das bitte sind nur zwei Leute.

Das Gespräch führte Wolfgang Otter

2005 wurde Wörgl überschwemmt. Seither wird über den Hochwasserschutz diskutiert.
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