Serbischer Präsident Vucic ruft zu Dialog über Kosovo in Serbien auf

Belgrad (APA) - Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat die Serben zu einem Dialog über die frühere Provinz Kosovo aufgerufen, um diese „Las...

Belgrad (APA) - Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat die Serben zu einem Dialog über die frühere Provinz Kosovo aufgerufen, um diese „Last nicht den künftigen Generationen“ aufzubürden. Es sei Zeit, in Sachen Kosovo - der vor fast zehn Jahren seine Unabhängigkeit erklärte - nicht mehr den Kopf in den Sand zu stecken, sondern „realistisch“ zu sein, schrieb Vucic in einem Beitrag für die Zeitung „Blic“ (Montag).

Man dürfe nicht erwarten, dass die Serben wiederbekämen, was sie längst verloren hätten, stellte Vucic fest. Die Serben hätten schon seit dem späten 19. Jahrhundert nicht genügend Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt, um die Wünsche der Kosovo-Albaner zu verstehen. Andererseits hätten auch die Kosovo-Albaner den serbischen Staat und seine nationalen Interessen nicht verstanden und geringgeschätzt.

Serbien sei heute nicht so schwach wie 1999, als die NATO entscheidend mit Luftangriffen in den Kosovo-Krieg eingriff oder 2008, als der Kosovo nach Jahren unter UNO-Verwaltung seine Unabhängigkeit ausrief, schrieb der Staatspräsident in dem ausführlichen Beitrag. Doch Serbien dürfe nicht hochmütig und arrogant sein, wie es das Land häufig gewesen sei.

Eine Lösung für den Kosovo liege nicht in den serbischen Mythen, aber auch nicht im Verzicht auf alle nationalen Interessen. Eine Lösung werde ein langer, schmerzlicher Prozess sein und eine Änderung des kollektiven Bewusstseins der Serben verlangen, betonte Vucic. „Es ist an der Zeit, dass Serbien arbeitet, denkt (...) und Siege ohne Konflikte verbucht.“ Er sei überzeugt, dass dies heute möglich sei, so Vucic.

Belgrad lehnt es nach wie vor ab, die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz anzuerkennen. Unter Vermittlung der EU läuft aber seit Jahren ein „Normalisierungsdialog“. Die Gespräche sind die Voraussetzung, dass sich Serbien und der Kosovo weiter der EU annähern können. Einige Probleme wurden am Verhandlungstisch gelöst, vieles davon wurde aber bisher nicht umgesetzt. Es gibt Anzeichen, dass der Dialog nun einen frischen Wind bekommen könnte.

Der Kosovo hatte zuvor in der Geschichte nie Eigenstaatlichkeit besessen. Die meiste Zeit war er von den Osmanen oder Serben beherrscht. Vielen Serben gilt der Kosovo aufgrund historischer Ereignisse wie der Schlacht auf dem Amselfeld (serbisch: Kosovo polje) 1389 gegen die Türken als Wiege ihrer Nation und der serbisch-orthodoxen Kirche. Womöglich hatten die Serben aber nie die Mehrheit in der Region gestellt. Heute sind 90 Prozent der Einwohner des Kosovo ethnische Albaner. Bei der Staatsgründung Albaniens 1912 blieb aber rund die Hälfte der von Albanern bevölkerten Territorien gemäß eines Kompromisses der damaligen europäischen Großmächte außerhalb des albanischen Staates - so auch der Kosovo.