„10 Jahre Präsidentschaft sind genug“
Der im Tarrenzer Weiler Dollinger lebende Martin Hochstöger war 10 Jahre lang Präsident der Tiroler Apothekerkammer. Familie, Tiere und Stadtapotheke werden von der neu gewonnenen Zeit profitieren.
Tarrenz — Ein ganzes Jahrzehnt stand Martin Hochstöger an der Spitze der Tiroler Apothekerkammer, fünf Jahre lang war er auch Mitglied des bundesweiten Präsidiums. Die TT besuchte den Ex-Kammerpräsidenten und Betreiber der Landecker Stadtapotheke und kam zur Tierfütterung gerade recht.
Herr Hochstöger, Sie haben sowohl als Präsident der Tiroler Apothekerkammer, als auch als Mitglied des Präsidiums in Wien nicht mehr kandidiert. Warum nicht?
Ich sagte immer schon, dass ich nach zehn Jahren abdanke. Ich bin der Meinung, dass man generell abstumpft, wenn man zu lange eine Position einnimmt. Es kehrt zu viel Routine ein. Mein Nachfolger Matthias König aus Reutte ist sehr motiviert.
Sie verbrachten bisher zwei oder drei Tage in der Woche beruflich in Wien. Was machen Sie mit der neu gewonnenen Zeit?
Meine Frau und meine zwei Kinder werden sicher davon profitieren. Aber auch unsere 15 Pferde und vier Ziegen, die wir hier auf unserem Hof betreuen. Und als Harley-Besitzer werde ich wohl auch die eine oder andere Fahrt mehr unternehmen und mich natürlich meiner Stadtapotheke etwas mehr widmen können.
Was war für Sie das Bedeutendste, das Sie in Ihrer Amtszeit als Präsident umsetzen konnten?
Ich tu mir mit einer Wertigkeit schwer. Unser Ansatz ist nicht, dass wir uns freuen, wenn die Menschen möglichst krank sind und deshalb viele Medikamente brauchen. Im Gegenteil. Unsere Kernfrage ist: Was können wir für die Volksgesundheit präventiv tun? Wir haben beispielsweise vor drei Jahren in ca. 30 Tiroler Apotheken die kostenlose Messung des Langzeitblutzuckers eingeführt. Dabei wurden 120 Diabetiker gefunden, die davon gar nichts wussten. Die Einführung der Servicehotline 1455, die ursprünglich eine Hotline für Blinde war, geht auch auf unsere Kappe. Mittlerweile konnte sie sich bundesweit etablieren.
Landesrat Tilg hob in seiner Laudatio die Pilotregion Oberland für die so genannte E-Medikation hervor.
Ja, darauf bin ich auch stolz. Die Bezirke Imst, Landeck und Reutte waren als Pilotregion West für die E-Medikation als Teil der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA die erfolgreichsten. Eine wichtige Aufgabe der Apotheken ist nämlich das Medikationsmanagement, das die Wechselwirkungen verschiedener Medikamente prüfen soll. Mittlerweile wurde die E-Medikation als Megaprojekt bundesweit übernommen.
Gibt es etwas, was Sie unbedingt umsetzen wollten, aber nicht realisieren konnten?
Da fällt mir spontan nichts ein. Ich habe den Eindruck, das übergeordnete Ziel, nämlich die Tiroler Apotheken als Ort der Gesundheitsvorsorge in den Tiroler Köpfen zu festigen, erreicht zu haben.
Und was ist mit Ihrer jüngsten Forderung, in den Apotheken Impfungen durchführen zu dürfen?
Das war tatsächlich meine letzte Forderung als Präsident an die Bundespolitik. Diese Diskussion ist allerdings sehr neu, man muss einer Realisierung Zeit geben. Der Hintergrund dieses Vorschlages liegt auf der Hand: Die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung sinkt.
Aus der Ärzteschaft gibt es immer wieder den Vorwurf, dass der Mangel an niedergelassenen Ärzten auch auf die restriktiven Bestimmungen im Bezug auf Hausapotheke zurückzuführen ist.
Die 4- bzw 6-Kilometer-Bestimmung macht Sinn. Nur dort, wo eine öffentliche Apotheke nicht sinnvoll ist, sollte der Arzt seine Hausapotheke betreiben. Es geht hier auch um mehr: Schon Maria Theresia hat festgestellt, dass der, der das Medikament verschreibt, nicht der sein soll, der es ausgibt. Das Vieraugenprinzip ist sehr wichtig. Außerdem stellen ja mittlerweile viele Apotheken in ganz Tirol den Arztpraxen und sogar den Patienten Medikamente zu.
Wie geht's den Apotheken eigentlich wirtschaftlich?
Schlechter als vor zehn Jahren. Es kommen zwar mehr Kunden, die Gewinnspanne ist aber kleiner geworden. Deshalb müssen die so genannten Pilotprojekte wie Testen auf Blutzucker auch in die Honorierungsphase übergehen.
Dann wollen noch die Internet-Apotheken einen Teil des Kuchens?
Wir haben uns lange gewehrt, Gott sei Dank spüren wir sie aber kaum. Die Leute wissen schon, dass die Beratung unersetzlich ist. 95 Prozent der Medikamente im Internet sind sowieso gefälscht.
Wie geht's politisch weiter?
Ich bin Mitglied des FPÖ-Landesparteivorstandes, kandidiere aber sowohl bei den Landtags- als auch bei den Nationalratswahlen nicht an wählbarer Stelle.
Das Interview führte Hubert Daum
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