Verkehr

Geänderter Vorrang sorgt in Thaur für Probleme

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Die Abwertung der Dörferstraße führt zu teils gefährlichen Situationen. BM Walser zählt auf den Gewöhnungseffekt und bauliche Entschärfung.

Von Michael Domanig

Thaur –Mit dem Start einer dreimonatigen Testphase Anfang Juli wurden die Verkehrsströme in Thaur völlig umgekrempelt: Der Auweg und der Lorettoweg, zwei wichtige Verbindungsachsen von der Dörferstraße Richtung B171 und Autobahn bzw. retour, wurden in Einbahnen umgewandelt: Seither kann man am Auweg nur noch bergauf (Richtung Norden), am Lorettoweg nur noch nach Süden, also aus dem Dorf hinaus, fahren. So möchte die Gemeindeführung die beiden teils engen Straßen entlasten und beruhigen.

Gleichzeitig wurde die Dörferstraße, die wichtigste Durchzugsstraße, gegenüber dem Verkehr, der von der Bauerngasse kommt und weiter Richtung Lorettoweg fließt, abgewertet, also die Vorrangregelung im Kreuzungsbereich umgedreht. „Damit wollen wir es den Thaurern ermöglichen, schneller, ohne Rückstaus, aus dem Dorf herauszukommen“, erklärt BM Christoph Walser (Einheitsliste) den Hintergrund. „Zugleich soll die Dörferstraße durch die Abwertung für den Durchzugsverkehr aus den Nachbargemeinden unattraktiver gemacht werden.“

Doch während die neuen Einbahnen laut Walser inzwischen gut funktionieren würden, führt die Vorrangänderung immer wieder zu brenzligen Situationen. Eine Radfahrerin, die aus der Bauerngasse kommend ihren Vorrang behauptete, wurde am 9. Juli angefahren und schwer verletzt, auch zu ein bis zwei Blechschäden soll es schon gekommen sein. Mehrere Thaurer Oppositionslisten üben inzwischen teils scharfe Kritik.

„Wir wussten, dass die Kreuzungssituation problematisch ist, weil man auf der Dörferstraße vom Gefühl her auf einer Vorrangstraße unterwegs ist“, sagt Walser. Doch mit den Warntafeln, die zusätzlich zu den insgesamt vier Stopptafeln aufgestellt wurden, „kann man die Vorrangänderung eigentlich nicht mehr übersehen“. Nach dem Unfall habe es eine Besprechung mit der Polizei gegeben, ob man die Regelung gleich wieder aufheben solle. „Wir waren uns aber einig, dass es nicht gescheit wäre, das nach zwei Wochen schon wieder zu ändern. Laut Verkehrsexperten braucht es eben eine gewisse Eingewöhnungsphase.“ Mitte September soll laut Walser die Entscheidung fallen: „Wenn wir uns im Gemeinderat darauf verständigen, dass die Einbahnen bleiben, müssen wir den Kreuzungsbereich sicher baulich entschärfen. Das können wir auch, weil die Grünflächen südlich der Dörferstraße der Gemeinde gehören.“

GV Joe Bertsch (Grüne) gibt zu bedenken, dass die derzeitige Testphase in der Urlaubszeit und damit unter „geschönten Verkehrsverhältnissen“ stattfinde. „Schon jetzt ist die Situation heikel, wirklich kritisch wird es, wenn die Schule wieder beginnt.“

„Die Einbahnregelung ist meines Erachtens recht sinnvoll“, meint Klaus Kiechl, Leiter der Abteilung Verkehr an der BH Innsbruck. „Ob das auf Dauer auch für die Vorrangänderung gilt, ist die Frage.“ Nach Ende der Testphase gelte es jedenfalls zu entscheiden: „Was ist besser – die jetzige Situation oder jene vorher?“

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