Tiroler Festspiele Erl

Edelrausch folgt Belcanto

© Kitzbichler

Sonntag bei den Tiroler Festspielen Erl mit frommen Gedanken und Pirchner-Abend.

Erl –Fünf Juli-Tage, man hätte meinen können im Jahr 2018, da wird Gioacchino Rossini (1792–1868) musikalischer Regent sein, aber die geballte Huldigung in Erl, Bregenz und dem Wohnzimmer fand gerade erst statt. Die Tiroler Festspiele zeigten nochmals ihre „Semiramide“, in Bregenz gab es „Moses in Ägypten“, im TV eine vertanzte Version der „Petite Messe solennelle“ und sonntags in Erl eine berührende Matinée.

Diese sakrale Stunde hätte von dem bedeutenden Rossini-Kenner Alberto Zedda dirigiert werden sollen, der Gustav Kuhn, den ausgewiesenen Belcanto-Spezialisten, in Pesaro einst mit seiner Nachfolge an der Spitze seines Rossini-Festivals geehrt hat. Des Freundes gedachte Kuhn mit Ausschnitten aus der Petite Messe, „die den Spirit treffen“, Geist und Haltung, von der Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Pianisten und dem auffallend schönen Mezzosopran von Marta Lotti verstehend umgesetzt. Rossinis prachtvoll sich aufschwingendes „Stabat Mater“ leitete Arvo Volmer, Chefdirigent des Haydn-Orchesters von Bozen und Trient, das sich mit der Chorakademie zu einer intensiven geistlichen Stunde verband. Belcantesk setzten Valentina Farcas, Sabina Willeit, Ferdinand von Bothmer und Nicola Ulivieri die anspruchsvollen Soloparts in die kristallene Akustik des Festspielhauses.

Sonntagabend dann großteils ein Gegenentwurf. Werner Pirchner nannte sich auch Preisegott, und die Tiefe und Schönheit von Werken wie „Anstatt eines Denkmals …“ für Soloflöte (Erwin Klambauer) oder auch „Mit Fagottes Hilfe“ für Solofagott (Richard Galler) führen hinein in den ironiefreien Pirchner-Kosmos. Sonst wurden von den vorzüglichen Solisten der Wiener Symphoniker bekannte Pirchner-Pointen aufgelegt, „Do You Know Emperor Joe“, das Duo „Almweiß-Edelrausch“, das dem Konzert den Titel gab, eine Fanfare, das Streichquartett für Bläserquintett und, stilistisch weiter gefasst, die Fleißaufgaben zu „Homme au Marteau …“.

Mit der Lesung hat man weder dem Schauspieler Wolfram Berger, der unvorbereitet schien, noch dem Komponisten einen Dienst getan. Einen Nachruf, wenn auch von Felix Mitterer, 16 Jahre lang weiterzuziehen, ist so seltsam, wie Teile aus dem großartigen „Halben Doppelalbum“ zu verzerren. Ein paar Schluiferer-Zeilen auszugraben, Erich Frieds „Die Gewalt“ fremdzulesen und Ernst Jandl zu strapazieren, ohne (außer im Programmbuch) die Quelle anzugeben, ist irreführend, unseriös und rettet Pirchners „Kaiserdramen“ nicht. Werner Preise­gott war Komponist. Und was für einer. (u.st.)

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