Impulstanz-Festival

Geheimnisvoller Handtuch-Tanz

© photosdedanse.com

Mittelprächtig: Das Impulstanz-Festival zeigt die portugiesisch-deutsche Produktion „Jaguar“.

Wien –Die junge Frau im weißen Tennisdress mit knallrotem Clownmund begegnet einem in diesem Wiener Sommer an vielen Ecken. Die kapverdische Tänzerin und Choreografin Marlene Monteiro Freitas ziert die Plakate des Impulstanz-Festivals, ihre mit dem deutschen Kollegen Andreas Merk erarbeitete Performance „Jaguar“ erlebte am Sonntag im schönen Theater Odeon, dem Stammhaus von Erwin Piplits’ Serapions-Ensemble, seine österreichische Erstaufführung.

Neben der erwähnten Tenniskleidung dienen den beiden eine Menge Frottee, Handtücher und Bademäntel, ein mittiges Treppchen und ein sanft blau gefärbtes Riesen-Styropor-Pferd, Referenz an die expressionistische Malergruppe „Der Blaue Reiter“, als Requisiten eines wild-assoziativen Spiels, das Elemente klassischen Tanzes mit zeitgenössischer Performance verbindet. Salsa-Rhythmen, Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, Monteverdi, Klangmaterial des Schweizer Art-Brut-Künstlers Adolf Wölfli, David Bowie und, titelgebend, „Jaguar“ von Prince bilden die musikalischen Eckpunkte eines Abends, den Monteiro Freitas als „Tanzstück und Marionetten-Show“ und als karnevalistische „Jagd-Szene“ verstanden wissen will.

Ein Reigen von Anspielungen, zärtliches Miteinander und abgekühltes Nebeneinander, Sexualität, Mutterschaft, eingebettet in ein Nachdenken über die Geschichte tänzerischen Ausdrucks, bestimmen diese nicht restlos gelungene Produktion. Trotz der hohen Präzision der beiden Tänzer, deren bronzene Körperbemalung mehr und mehr das Weiß der Kleidung trübt, dem spürbaren Grad an Auseinandersetzung mit Bildern und Bezügen, geraten die 105 Minuten zunehmend dröge, abzulesen auch am Publikumsschwund. Was sich den begeisterten Kritikerstimmen der vor Kurzem in Berlin gezeigten Performance entnehmen lässt, in denen von „irrwitziger Komik“ die Rede ist, scheint sich den Wiener Zusehern nicht erschlossen zu haben. Eher ratlos als begeistert ist der kurze Applaus für diesen Abend, der neben allerhand Verwirrung zudem den schalen Beigeschmack allzu bemühten Kitsches hinterlässt. (lietz)