Gerichtspsychiater Reinhard Haller geht Ende 2017 in Pension
Frastanz (APA) - Der international renommierte Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller (65) wird Ende des Jahres als Primar des Vor...
Frastanz (APA) - Der international renommierte Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller (65) wird Ende des Jahres als Primar des Vorarlberger Kompetenz- und Behandlungszentrums für Suchterkrankungen Maria Ebene in Frastanz (Bez. Feldkirch) in den Ruhestand gehen. Sein Nachfolger wird der Innsbrucker Psychiater Michael Willis (43), teilte die Stiftung Maria Ebene am Montag mit.
Haller arbeitet seit 35 Jahren im Suchtkrankenhaus Maria Ebene, 33 Jahre davon war er als Chefarzt tätig. In dieser Zeit gelang es ihm, die Einrichtung als Zentrum für Suchterkrankungen zu positionieren, das österreichweit und im Bodenseeraum einen sehr guten Ruf genießt. Der Öffentlichkeit bekannt wurde Haller allerdings als psychiatrischer Gerichtsgutachter. Erstmals im Rampenlicht stand er 1994 als Gutachter des Prostituierten-Mörders Jack Unterweger. Auch das „Bombenhirn“ Franz Fuchs begutachtete Haller. Fuchs verübte 1996 in Österreich und Deutschland sechs Briefbomben- und drei Sprengstoffattentate mit vier Todesopfern und 35 Verletzten, darunter der ehemalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk.
Kritik erntete Haller mit seinen Expertisen der NS-Kriegsverbrecher Heinrich Gross und Milivoj Asner. In beiden Fällen äußerten Kollegen ernsthafte Bedenken an den Methoden und den Befunden, die beiden Männern fortgeschrittene Demenz bescheinigten und Prozesse gegen sie unmöglich machten. Wiederholte Gutachten bestätigten allerdings regelmäßig die Beurteilungen des Vorarlberger Psychiaters.
Als Gutachter will der gebürtige Bregenzerwälder auch nach seiner Pensionierung „in eingeschränktem Umfang“ tätig bleiben. Zudem plant der Autor zahlreicher Fachbücher weitere Publikationen und auch über die Einrichtung einer Praxis für Psychotherapie denke er nach. Arbeit sei für ihn das beste Mittel gegen das Altern, hatte Haller bereits zu Beginn des Jahres verlautbart.
Sein Nachfolger Willis ist Facharzt für Psychotherapie und psychotherapeutische Medizin und verfüge über eine langjährige Erfahrung in der Behandlung von Suchtpatienten. Der 43-Jährige kam zum Zug, nachdem mit dem erstegereihten Bewerber, einem Schweizer Arzt, keine Einigung bezüglich des Gehalts erzielt werden konnte. Willis promovierte an der Medizinischen Universität Innsbruck, seine Facharztausbildung absolvierte er in der Universitätsklinik Innsbruck, wo er derzeit im Departement für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in der Spezialambulanz für Abhängigkeitserkrankungen arbeitet. Seine Tätigkeit als Primar im Krankenhaus Maria Ebene wird er im Jänner 2018 antreten.