ImPulsTanz: Marlene Monteiro Freitas auf Jagd ohne Beute

Wien (APA) - „In ‚Jaguar‘ sind wir Marionetten“, verrät Marlene Monteiro Freitas über ihr Stück. Gemeinsam mit Andreas Merk begab sie sich i...

Wien (APA) - „In ‚Jaguar‘ sind wir Marionetten“, verrät Marlene Monteiro Freitas über ihr Stück. Gemeinsam mit Andreas Merk begab sie sich in die Hände der Künstlergruppe Blauer Reiter und schuf einen zweistündigen Fitnessexzess in der Manege des Unbewussten. Die Österreichische Erstaufführung im Rahmen von ImPulsTanz ließ am Sonntag im Odeon Platz für eigene Interpretationen.

Bademantel, Schwimmbrille, Rugbyhelm und weiße Socken bis über den Knöchel - zwei Sportler experimentieren mit einem Besenstiel auf der Bühne, während das Publikum die Sitzplätze einnimmt. Eine silberne Treppe führt ins Nichts, Neonlicht scheint auf den blauen Teppich der Spielfläche, Rauch zischt hervor, eine überlebensgroße Pferdeattrappe schaut Richtung Ausgang. Die Tänzer beginnen synchron abgehackte Bewegungen zu monotoner Musik auszuführen und scheinen doch nicht miteinander zu tanzen. Schon bald bekommt die weiße Sportkleidung Flecken, die falsche Bräune an den Beinen färbt ab, die vom diesjährigen Festivalplakat bekannte rote Schminke um den Mund verschmiert.

Der Beginn von „Jaguar“ zeigt zwei gehetzte Figuren, die manisch einem unsichtbaren Plan folgen und ohne erkennbares Ziel eine Abfolge von Bewegungen und Handlungen durchexerzieren. Die namensgebende Raubkatze tritt als innerer Antrieb in Erscheinung: „This kitty wants your body fine“ (The Artist Formerly Known As Prince) scheint das Credo. Jede Gefühlsregung wird mit einer Fitnessübung getötet.

Freitas, auf Kapverden geboren und in Belgien und Portugal ausgebildet, verzichtet auf Narration und Aussage, ihr Stück ist eine Collage. In der zweiten Hälfte nutzt sie das Falten des Badetuchs, um Posen mythologischer Figuren zu inszenieren. Leider überlagern Opernpassagen lautstark die stille Poesie der durchkomponierten Bilder. „Your fear is as old as the world“, singt David Bowie in „Love is Lost“ über die Zeitlosigkeit der Gefühle. Die artifizielle Verzweiflung verunmöglicht es jedoch, sich in die Personen hineinzuversetzen, deren Charakter sich mit jeder Szene ändert - als roter Faden dient allein die eigene Verstörung.

Das fast zweistündige Stück macht dem Theaterbesucher den eigene Bewegungsmangel bewusst, etwa ab der Hälfte beginnt das Publikum zu stöhnen, zu fächeln, manche Zuschauer verlassen den Saal. Sie versäumen einen humoristischer Lichtblick, wenn Freitas und Merks Hinterteile handtuchbehangen Le Sacre du Printemps tanzen.

Die Länge des Stücks erschwert es auch, die zahllosen Einfälle zu schätzen, mit denen Freitas und Merk die Getriebenheit der Figuren illustrieren. Sie scheitern bei dem Versuch, das Pferd zu besteigen - es wird demontiert. Die Tänzer tragen seinen Rumpf zu Grabe. Ende der Beschäftigungstherapie.

(S E R V I C E - „Marlene Monteiro Freitas with Andreas Merk: Jaguar“ ist im Rahmen von ImPulsTanz noch am 25. Juli um 21 Uhr im Odeon, Taborstraße 10, zu sehen. Karten: 01/7125400-111, www.impulstanz.com)