Masterplan soll Landflucht stoppen
Der Masterplan für den ländlichen Raum ortet 20 Handlungsfelder, die das Land gegenüber der Stadt attraktiver machen sollen. Die Umsetzung hängt jedoch am Willen der nächsten Regierung.
Von Stefan Eckerieder
Wien –In 20 Bereichen besteht Handlungsbedarf, um den ländlichen Raum zu stärken. So steht es zumindest im Masterplan für den ländlichen Raum, den Agrarminister Andrä Rupprechter (ÖVP) gestern vorgestellt hat. Es gehe dabei um Chancengleichheit, die Aufwertung des ländlichen Raums, um vor allem die Abwanderung vom Land in die Stadt zu verringern. Ob der Plan tatsächlich umgesetzt wird, liegt allerdings an der neuen Bundesregierung.
Bei der Erstellung des Plans setzte Rupprechter unter anderem auf einen Bürgerbeteiligungsprozess, an dem bei 50 Veranstaltungen in den Bundesländern rund 3500 Bürger teilgenommen und ihre Ideen eingebracht haben. „Das Ergebnis ist 127 Seiten schwer“, es enthält Anleitungen, wie sich das Land weiterentwickeln soll, erklärte der Minister.
Studien zufolge wandern jährlich rund 5000 gut ausgebildete Menschen nach Wien ab. „In der Ersten Republik wurde bereits vom Wasserkopf Wien gesprochen, wir bewegen uns wieder auf diesen Zustand zu. Das Verhältnis 1,8 Millionen Einwohner in Wien zu 8,5 Millionen in Österreich gesamt halte ich für übertrieben. Das geht auf Kosten vieler Gemeinden“, sieht auch der ehemalige Chef des Verfassungsgerichtshofs, Franz Fiedler, Handlungsbedarf.
So rechnen sich laut dem Masterplan im Gesundheitsbereich manche Strukturen nicht. Statt Schließungen von Krankenhäusern regt Gottfried Haber von der Donauuniversität, der mit Peter Filzmaier Co-Autor des Masterplans ist, Fachärztezentren am Land an, ebenso mobile Arztpraxen. Im Tourismus könnte etwa mit alpiner Wellness oder Gesundheitstourismus die Saison verlängert werden. Kulinarisch solle man regionale Produkte auf die Speisekarte bringen.
„Der ländliche Raum stirbt nicht aus“, die Befürchtung enthalte aber einen wahren Kern, stellte auch Filzmaier fest. Die Daten zeigen, dass die Älteren am Land bleiben, Jüngere und vor allem Frauen hingegen wandern ab. Dies sei auch aus ökonomischer Sicht sehr teuer, gibt Filzmaier zu bedenken. Für die Umsetzung werde es zwar ebenfalls erhebliche Mittel brauchen, so Filzmaier, er verwies jedoch darauf, dass im Gegenzug etwa Kosten für Arbeitslosigkeit entstehen.
Die Umsetzung des Masterplans liege aber laut Rupprechter nicht mehr in der Hand der aktuellen Regierung. „Ein Beschluss der Bundesregierung wird sich nicht mehr ausgehen“, meinte Rupprechter mit Verweis auf die Wahlen im Oktober. Er pocht jedoch auf die Aufnahme des Masterplans im nächsten Regierungsprogramm. Teile seien schon jetzt in der Umsetzung. Dabei nannte er etwa Maßnahmen der Breitbandmilliarde, die den Internetausbau im ländlichen Raum forcieren sollen, und das 175 Millionen Euro schwere Investitionspaket für Gemeinden, das im Mai beschlossen wurde.
Die 20 Handlungsfelder des Masterplans für den ländlichen Raum
Dezentrale Verwaltung: Jede zehnte der 68 Zentralstellen des Bundes soll auf das Land verlegt werden. Derzeit sind 65 in Wien.
Gemeindekooperationen: Gemeinden sollen kooperieren, um ihre Aufgaben zu bewältigen.
Digitalisierung: Der neue Breitbandstandard 5G soll flächendeckend ausgebaut werden.
Ressourcen: effiziente und schonende Nutzung der Ressourcen, unter Einbeziehung digitaler Innovationen.
Bodenverbrauch: Eine neue Raumplanung soll den Bodenverbrauch auf 2,5 Hektar pro Tag beschränken.
Mobilität: Ausbau der Mobilitätsnetze zwischen kleinen und mittleren Zentren.
Gesundheit: Schaffung attraktiverer Rahmenbedingungen für Landärzte.
Ältere Menschen: regional differenzierte Versorgungsmodelle, um auch in strukturschwachen Gegenden Sicherheit zu bieten.
Energie: ländlicher Raum als Produzent umweltfreundlicher Energie.
Wirtschaft: Wertschöpfungspartnerschaften zwischen Betrieben in der Region.
Ehrenamt: neue steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen für das Ehrenamt.
Greencare: Ausbau von Greencare-Angeboten.
Frauen: Schaffung attraktiver Arbeitsplätze und neuer Kinderbetreuungsangebote im ländlichen Raum.
Bildung: Halten und Ansiedelung von Bildungseinrichtungen am Land.
Abwanderung: Cluster innovativer Start-ups und Leerstandsmanagement (Open Space).
Tourismus: mehr Zusammenarbeit und Integration von regionalen Produkten in das Angebot.
Kinderbetreuung: Betreuung von Klein- und Schulkindern sowie kurzfristige Betreuungsmöglichkeiten.
Regionale Strategien: regionale Innovationssysteme etwa in den Bereichen Nahrungsmittel, Energie oder Kreislaufwirtschaft.
Kulinarik: Steigerung von Wertschöpfung und Einkommen durch Bündelung von kulinarischen Initiativen.
Kultur: Weiterentwicklung des ländlichen Raums zum Kultur-Land. Frühe Förderung kreativer Potenziale von Kindern.