Brettfalltunnel verschlingt 40.000 € Stromkosten im Jahr
220.000 Euro kostete 2016 die elektrotechnische Erhaltung der Straßentunnel und Galerien im Zillertal. Auch die Reinigung ist aufwändig.
Von Angela Dähling
Strass –Am liebsten möchte man ihn nicht sehen, den Verkehr. Und ihn unter die Erde verbannen, in Tunnel und Unterflurtrassen. Doch das kostet. Und zwar nicht nur der Bau. Laut Martin Außerlechner, der beim Land Tirol für die technische Ausrüstung entlang der Straßen zuständig ist, werden für die 90 Tunnel und Galerien in Tirol mit 49 km Gesamtlänge – ohne jene auf den Autobahnen – 1,45 Mio. Euro für die elektrotechnische Instandhaltung jährlich aufgewendet. Mit rund 220.000 Euro schlugen 2016 die elektrotechnischen Erhaltungskosten für Tunnel und Unterflurtrassen im Zillertal zu Buche. „50 Prozent davon entfallen allein auf den Brettfalltunnel“, sagt Außerlechner. Das sind rund 110.000 Euro. Allein die Energiekosten für den 1336 Meter langen Tunnel ins Zillertal belaufen sich jährlich auf rund 40.000 Euro.
Der Tunnel beherbergt ein hochkomplexes technisches System. Neben der Beleuchtung und der speziellen Belüftung zählen 31 Videokameras auf einer Strecke von zwei Kilometern zwischen Schlitters und Wiesing dazu sowie Digitalfunkanlagen, Lautsprecher (über die im Notfall Ansagen gemacht werden können), Verkehrslichtsignalanlagen, Wechselverkehrszeichen, Leuchtdichtekameras, Luftmessgeräte, Brandmelder und vieles mehr. Die Verkehrsüberwachung des Tunnels erfolgt anhand der Videobilder über die Leitstelle Tirol. „Dort wird dann entschieden, wann eine Blockabfertigung beim Brettfalltunnel erfolgt“, erklärt Außerlechner.
Wie komplex das technische System ist, wird bei einem Lokalaugenschein im Tunnel, dem Fluchtweg und in der Betriebsstation am Südportal deutlich, die voll mit riesigen Kabelkästen ist. In etwa der Mitte des Brettfalltunnels befindet sich eine Pannenbucht mit Notruftelefon, einem von diversen Hydranten und der Tür zum 350 Meter langen Fluchttunnel, der ebenfalls mit Licht, Belüftung, Videokamera etc. ausgestattet ist.
Doch nicht nur die technische Ausrüstung und Erhaltung kostet. Auch die Reinigung des Tunnels. Das weiß Manfred Dengg, Leiter der Straßenmeisterei in Zell. Wöchentlich wird im Bereich der Pannenbucht Rindenmulch, Stroh und was sonst durch den Luftdruck der Lkw hineinweht, zusammengekehrt. „Im Frühjahr und Herbst finden große Reinigungsarbeiten statt“, erklärt Dengg. Die Wände, die Fahrbahn und die Beleuchtungskörper werden gesäubert, der Kanal gespült und die Schadstoffbecken ausgeleert und gereinigt. Bis zu 120.000 Liter Schmutzwasser, die durch die Fahrzeuge in den Tunnel gelangen, werden darin gesammelt. „Für die 9400 Laufmeter Tunnel- und Galerienstrecken im Tal – entlang der B169 sind es rund 6800 Meter – wenden wir rund 1500 Stunden Reinigungsarbeit jährlich auf“, sagt Dengg. Durch an Fremdfirmen ausgelagerte Arbeiten (z. B. Kanalspülung) entstünden jährlich bis zu 40.000 Euro Kosten. „40 Prozent davon betreffen den Brettfalltunnel“, sagt Dengg.
Die Reinigung wirkt sich positiv auf Reflektion und Stromkosten aus. „Denn die Natriumhochdruckdampflampen sind mit einer Lichtsteuerung hinterlegt“, sagt Außerlechner. Eine Umstellung auf LED soll bei Neubauten Kosten sparen. Auch bei der reflektierenden Tunnelwandbeschichtung – sie wurde im Brettfalltunnel 2003 zuletzt erneuert – wird bei einem Projekt mit sieben Musterflächen in Rattenberg nach Verbesserungen gesucht. „Zudem wird ermittelt, welcher Untergrund für die Beschichtung optimal wäre“, sagt Außerlechner, der die Beschichtungskosten mit einem Quadratmeterpreis zwischen 25 und 50 Euro beziffert.