Frankfurter Börse
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Erneut kräftige Kursverluste bei Daimler, BMW und VW haben zusammen mit einem starken Euro am Montag den D...
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Erneut kräftige Kursverluste bei Daimler, BMW und VW haben zusammen mit einem starken Euro am Montag den DAX belastet. Am Vormittag sowie kurz vor Handelsschluss rutschte er zeitweise unter 12.200 Punkte. Mit einem Abschlag von 0,25 Prozent auf 12.208,95 Punkte ging der deutsche Leitindex dann auf einem Dreimonatstief aus dem Handel.
Kurzzeitig konnte der DAX am Nachmittag seine Verluste nahezu wettmachen. Dabei profitierte er von einem kleinen Schwächeanfall der europäischen Gemeinschaftswährung, der jedoch nicht von Dauer war. Am Abend wurde der Euro wieder zu 1,1679 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1648 (Freitag: 1,1642) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8585 (0,8590) Euro.
Der MDAX der mittelgroßen deutschen Unternehmen sank um 0,12 Prozent auf 24.525,94 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDAX ging es um 0,74 Prozent auf 2.258,07 Zähler runter.
Ohne das Minus der Autoaktien hätte der DAX laut Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Marktes zum Wochenstart eine realistische Chance gehabt, sich von seinen Kursverlusten zu erholen. Da auch der Euro seinen Weg nach oben in den kommenden Wochen fortsetzen dürfte, was die Gewinnaussichten der exportorientierten Unternehmen und damit auch der Autobauer schmälere, „liegt das Risiko einer ausgedehnteren Korrektur in der Luft“. Falle die Marke von 12.000 Punkten, könnte es seines Erachtens rasch noch einige hundert Punkte weiter nach unten gehen.
Gesprächsthema Nummer eins am Markt war erneut der schwerwiegende Kartellverdacht, unter dem die deutschen Autobauer stehen. „Nicht nur, dass auf dem Börsenparkett mögliche Strafen für die Autobauer diskutiert werden, es geht um mehr. Gerade nach dem Abgasskandal steht ein weiteres Mal das Thema Glaubwürdigkeit und Vertrauen der Kunden in die Marken Mercedes, BMW und Volkswagen auf dem Prüfstand. Da der mögliche Schaden hier aktuell noch nicht abzuschätzen ist, werden die Aktien aus dieser Unsicherheit heraus erst einmal verkauft“, kommentiert CMC-Analyst Stanzl.
Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte Ende vergangener Woche über den Verdacht jahrelanger illegaler Absprachen zu Lasten von Verbrauchern und Zulieferern berichtet. Deutsche Autowerte waren daraufhin unter Druck geraten. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Berlin wird die EU-Kommission die Federführung bei der Aufklärungsarbeit übernehmen. Die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen sackten als die drei schwächsten DAX-Vertreter am Montag um 2,77 Prozent, 2,65 Prozent beziehungsweise 1,38 Prozent ab.
Die Papiere des Labor- und Pharmazulieferers Sartorius verloren als TecDAX-Schlusslicht 5,02 Prozent. Nach den mit Skepsis aufgenommenen Halbjahreszahlen vom Freitag stuften nun das Bankhaus Metzler und die Norddeutsche Landesbank die Papiere von „Halten“ auf „Verkaufen“ ab.
Den Papieren von Morphosys setzte ein Rückschlag beim Wirkstoff Anetumab kräftig zu. Auf die nachbörslichen Verluste am Freitag folgten nun ein 2,84-prozentiger Verlust. Adva setzten ihre Talfahrt mit einem Minus von 2,48 Prozent ebenfalls fort. Bei dem Telekomausrüster hatte bereits am vergangenen Donnerstag ein vorsichtiger Ausblick für einen Kursrutsch gesorgt, der sich am Freitag ausgeweitet hatte. Das Margenziel von Adva für das dritte Quartal erscheine ambitioniert, hieß es nun seitens der LBBW. Dagegen stiegen die Papiere des IT-Unternehmens S&T um 5,00 Prozent auf 14,595 Euro und damit auf den höchsten Stand seit 2004.
~ ISIN DE0008469008 ~ APA444 2017-07-24/19:21