Stichwort: Fotosammlungen in Bundesmuseen
Wien (APA) - Fotos werden in Österreich in unterschiedlichsten Institutionen gesammelt. Neben der „Sammlung des Bundes“, die im Salzburger M...
Wien (APA) - Fotos werden in Österreich in unterschiedlichsten Institutionen gesammelt. Neben der „Sammlung des Bundes“, die im Salzburger Museum der Moderne beheimatet ist und deren mögliche Absiedelung kürzlich für ein Raunen in der Salzburger Kulturpolitik gesorgt hat, sammeln auch die Bundesmuseen Fotografien. Folgend ein Überblick über Umfang und Inhalte der Fotosammlungen:
ALBERTINA
Die rund 100.000 Objekte umfassende Fotosammlung der Albertina wurde 1999 gegründet. Sie umfasst bereits seit 1850 von der Albertina gesammelte Fotos, die Sammlung der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, das Langewiesche-Archiv sowie Neuankäufe seit 1999. Als Highlights der frühen Zeiten gelten etwa Gustav Jägermayers Serie über die Ostalpen mit dem Zentrum Großglockner (1863) oder das Album des Fotografen Józef Eder Schoon über die Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn (um 1868). Im Jahr 2000 kam die Sammlung der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt als Dauerleihgabe an die Albertina. Sie umfasst rund 70.000 Bilder, 15.000 Bücher, zahlreiche Kameras sowie anderes fotografisches Zubehör.
Ebenfalls als Dauerleihgabe findet sich auch das Archiv des deutschen Verlags Karl Robert Langewiesche im Haus. Hier handelt es sich neben Kunstreproduktionen um Landschafts- und Architekturfotografie der 1920er- bis 1940er-Jahre. Die Sammlung umfasst rund 13.000 Fotos und reicht bis ans Ende der 1950er-Jahre. Unter den Lichtbildern befinden sich Arbeiten etwa der Neuen Sachlichkeit von Albert Renger-Patzsch, Paul Wolff und Lucia Moholy.
Seit 1999 wird dank eines privaten Mäzens eine aktive Ankaufspolitik betrieben. Unter den Neuzugängen findet sich etwa laut Angaben des Hauses die älteste Daguerreotypie Österreichs (Juni 1840), die die Wiener Hofreitschule und das alte Burgtheater zeigt. Neben der Vertiefung des Vorhandenen liegt ein Fokus auf der Streetlife- und dokumentarischen Fotografie des 20. Jahrhunderts, etwa Henri Cartier-Bresson, Lisette Model, William Eggleston, William Klein, Robert Frank, Stephen Shore oder Jakob Tuggener. Teile des Bestands wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, derzeit läuft die Schau „Österreich. Fotografie 1970 - 2000“. (Infos unter www.albertina.at/sammlungen/fotosammlung)
BELVEDERE
Das Belvedere verfügt über keine geschlossene Fotosammlung. Daher finden sich Fotos in den unterschiedlichen Sammlungsbereichen. Zeitlich reichen die Fotografien vom Biedermeier bis in die Gegenwart, in der Artothek von den 1960er Jahren bis heute. Insgesamt verfügt das Haus über 4.014 Fotografien, 2.514 davon sind im Belvedere (Sammlung und Research Center), 1.500 in der Artothek, die sich im 21er Haus befindet. Als Highlights aus der zeitgenössischen Sammlung des Belvedere gelten Werke von u.a. VALIE EXPORT, Michael Part, Gerard Byrne, Lisl Ponger oder Erwin Wurm. (Infos unter www.belvedere.at/artothek-des-bundes)
KHM-Museumsverband
Das Weltmuseum Wien, das im Oktober seine Tore nach der Renovierung wieder öffnet, verfügt über eine Fotosammlung von über 140.000 Objekten, die laut Website sowohl aus fotohistorischer als auch aus ethnologischer Sicht Beachtung finden. Die Sammlung entstand um 1880, rund 40 Jahre nach Erfindung der Fotografie. So finden sich hier etwa Beispiele der frühen Reise- und Forschungsfotografie. Darüber hinaus belegen umfangreiche Bestände die Entwicklung der kommerziellen Fotografie außerhalb Europas im späten 19. Jahrhundert anhand von Aufnahmen bekannter Studios. Zu den bedeutendsten Blöcken der Sammlung zählen u.a. Albert Frisch („Oberer Amazonas“, 1868, 99 Bilder), Richard Buchta („Ostafrika“, 1878-1880, 200 Bilder) oder Franz Ferdinand von Österreich-Este („Bilder einer Weltreise“, ca. 1880-1893, 1500 Bilder). (Infos unter www.weltmuseumwien.at)
Das Theatermuseum verfügt in seiner Fotothek über 1,2 Millionen Objekte zur österreichischen Theatergeschichte. Die frühesten Aufnahmen sind Porträts aus den 1840er Jahren, etwas später kamen die ersten im Atelier nachgestellten Szenen hinzu. Einen wesentlichen Grundstock bildet die Sammlung des k.k.-Hofschauspielers und Burgtheaterdirektors Hugo Thimig (1854-1944). In den 1970er-Jahren kaufte das Theatermuseum das gesamte Oeuvre des Theaterfotografen Bruno Völkel an, der neben den Produktionen der Bundestheater auch das szenische Programm der Wiener Kleinbühnen und Kellertheater der Nachkriegsjahre fotografierte. 2004 erwarb die Sammlung das Werk von Josef Palffy. Fotos der Fotografin Trude Fleischmann bieten etwa Porträts der ganzen Schauspiel-Dynastie Thimig, von Stefan Zweig oder Tanz-Fotos aus dem Kreis um Grete Wiesenthal. Aus konservatorischen Gründen kann das Material nur „bei begründetem Bedarf“ eingesehen werden, es steht nicht öffentlich zur Verfügung. (Infos unter www.theatermuseum.at)
MAK - Museum für Angewandte Kunst
Die Sammlungen historischer Fotografien des MAK umfassen rund 60.000 Objekte und sind in ihrer Gesamtheit in der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung und als Firmen-Nachlass im Archiv der Wiener Werkstätte gesammelt. Der inhaltliche Schwerpunkt der Fotosammlung liegt in der Objektfotografie und in fotografischen Aufnahmen von nationalen und internationalen Ausstellungen. Die Fotosammlung des MAK ist ein seit der Gründung des Museums historisch gewachsener Bestand, der den Studenten der ehemaligen Kunstgewerbeschule des K. K. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie zu Unterrichtszwecken und zur Inspiration gleichzeitig diente.
In der Sammlung finden sich auch frühe ethnografische Fotografien von Wilhelm Burger, die er als offizieller Expeditionsfotograf der „K. K. Mission nach Ostasien“ (1868-1871) mit Aufnahmen von thailändischen, chinesischen und japanischen Trachten, kunstgewerblichen Gegenständen, sowie den ersten topografischen Ansichten dieser Gegend überhaupt, angefertigt hat. Außerdem bilden die Ausstellungsfotografien der Weltausstellungen, wie zum Beispiel die Albuminabzüge der Wiener Weltausstellung 1873, der Pariser Weltausstellungen 1867 und 1900, oder der Londoner Weltausstellung 1862 einen unikalen Bestand.
Künstlerische fotografische Arbeiten sind in der MAK-Sammlung Gegenwartskunst vertreten, „deren konzeptueller Ansatz sich fortlaufend aus den Relationen und Synergien von bildender zu angewandter Kunst generiert“, wie es aus dem Haus heißt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf zeitgenössischer Architekturfotografie sowie Architektur im Spiegel der Kunstfotografie. Ende 2012 wurde das MAK vom Bundeskanzleramt mit dem Aufbau einer zentralen Bilddatenbank/Collection and Museum Management System (C/MMS) der MAK-Sammlung beauftragt. Seit Ende 2015 ist ein Großteil des Gesamtbestandes an Fotografien online (Infos unter http://sammlung.mak.at).
MUMOK
Die Sammlung des Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (mumok) enthält Arbeiten aus allen Epochen der Sammlungsbereiche (klassische Moderne der Nachkriegszeit, 1960er- und 1970er-Jahre sowie zeitgenössischer Fotografie) und umfasst 8.785 Fotografien. Die Geschichte der mumok-Fotosammlung wurde 2006 im Rahmen der Schau „Why Pictures Now“ sowie auch in der dazugehörigen Publikation aufgearbeitet. In der Sammlung finden sich Werkblöcke heimischer Künstler (u.a. Friedrich Kiesler, Günter Brus, VALIE EXPORT, Brigitte Kowanz, Otto Muehl, Hermann Nitsch oder Arnulf Rainer) sowie internationale Positionen wie Marina Abramovic, Nobuyoshi Araki, Christo oder Nam June Paik (Infos unter www.mumok.at).
NHM - Naturhistorisches Museum Wien
Im Naturhistorischen Museum in Wien befinden sich laut Generaldirektor Christian Köberl „einige zehntausend Fotografien, die allerdings nicht als Kunstwerke zu betrachten sind, sondern Dokumentationen von naturwissenschaftlichen Sammlungen, Objekten, Expeditionen, und Ähnlichem darstellen“. Als solche sind sie fest in die jeweiligen wissenschaftlichen Sammlungen integriert. Einige der älteren Bilder (bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts), die mit Expeditionen in Zusammenhang stehen, sind in der Abteilung Archiv für Wissenschaftsgeschichte integriert. „Ein Herausreißen dieser Dokumente wäre genau so unsinnig wie zu sagen, dass alle Bücher oder alle Papierobjekte oder alle CDs herausgelöst und an ein separates Museum gegeben werden sollen“, so Köberl auf APA-Anfrage. „Bei uns geht es nicht um das Medium, sondern um den Inhalt. Hier etwas herauszunehmen, würde die wissenschaftliche Integrität und den Nutzen und Zweck dieser Dokumente zerstören.“ (Infos unter www.nhm-wien.ac.at/forschung)
TECHNISCHES MUSEUM WIEN
Im Archiv des W befinden sich schätzungsweise rund 600.000 Fotos, wobei zahlreiche Sammlungen laut Auskunft des Museums noch nicht aufgearbeitet wurden. So finden sich in der Sammlung etwa die Nachlässe der Motorsportfotografen Erwin Jelinek und Artur Fenzlau, die insgesamt ca. 280.000 Bildmotive zum Motorsport umfassen. Weiters beherbergt das Haus eine Sammlung von Stereobildern, eine Sammlung von Unikaten früher Fotografien, Fotografien im Bestand „Weltausstellung“, „Streckenbilder“ zum Thema Bahnstrecken oder „Lichtbilder der Ingenieurskunst“ mit Bildern von frühen Fotografen. Große Teile davon sind online abrufbar. (Infos unter www.technischesmuseum.at/online-sammlung/)
ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK
Die Österreichische Nationalbibliothek verwahrt knapp 12 Millionen unterschiedlichste Objekte in ihren Archiven, über 2 Millionen davon sind Fotonegative und Originalabzüge. Laut Angaben des Hauses ist sie damit die größte Dokumentationsstelle historischer und zeitgenössischer Fotografie in Österreich. Die Bestände reichen bis in die frühesten Phasen der Fotografie um 1840 zurück. Den Schwerpunkt der Sammlungspolitik bilden die visuelle Dokumentation der Geschichte Österreichs sowie Reportagefotografie. Im Jahr 2003 erhielt die Nationalbibliothek den fotografischen Nachlass des Fotografen Lothar Rübelt (1901-1990) als Dauerleihgabe, 2004 wurden Porträtfotografien von Ferdinand Schmutzer (1870-1928) sowie zeitgeschichtlich bedeutende Fotodokumente von Otto Croy (1902-1977) erworben. Weiters finden sich in den Beständen Arbeiten von Harry Weber, berühmt für seine Fotos vom Ungarischen Volksaufstand 1956, sowie Arbeiten von Erich Lessing, bekannt etwa durch seine Fotos von der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955.
Die Fotobestände werden der Öffentlichkeit regelmäßig im Rahmen von Themenausstellungen im Prunksaal, durch Leihgaben an andere Museen oder auch als Druckdaten für Zeitungen, Magazine und Bildbände zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sind bereits über 500.000 historische Bilder digitalisiert: Diese sind über die Website der Österreichischen Nationalbibliothek abrufbar und werden auf den Social-Media-Kanälen der Bibliothek vermittelt. (Infos unter www.bildarchivaustria.at/)
FOTOSMLUNG DES BUNDES
Die in Salzburg verwahrte Sammlung des Bundes umfasst mehr als 9.500 Einzelarbeiten von über 500 Künstlern. Gezielte Ankäufe von Fotoarbeiten gibt es seit 1981, jährlich werden auf Vorschlag des Fotobeirats Werke im Wert von ca. 160.000 Euro angekauft, wie es auf der Website heißt. Die „bedeutendste nationale Fotosammlung in Österreich“ wird im Museum der Moderne Salzburg gelagert und betreut, und immer wieder national und international in Ausstellungen und Publikationen präsentiert, wie es heißt. Die Sammlung soll nicht nur hochkarätige Einzelstücke zusammentragen, „sondern auch Wachstums- und Reifungsprozesse sichtbar machen“. Der Schwerpunkt liegt „bei der mittleren und jungen Künstlergeneration“. Direkte Unterstützung von Künstlern werde durch ein Stipendien- und Preissystem ergänzt, begleitet von der Finanzierung von Institutionen wie etwa der Galerie Fotohof in Salzburg und Camera Austria in Graz. Eine Übersicht der Ankäufe kann online eingesehen werden (http://www.kunstkultur.bka.gv.at/site/8080/default.aspx)