Fotomuseum - Sammler Coeln: Schenkung nur bei neuer Institution

Wien (APA) - Die Diskussion um die mögliche Schaffung eines Fotomuseums durch den Bund ist um eine Facette reicher: Wie Peter Coeln, Gründer...

Wien (APA) - Die Diskussion um die mögliche Schaffung eines Fotomuseums durch den Bund ist um eine Facette reicher: Wie Peter Coeln, Gründer der Galerien WestLicht und OstLicht, ankündigte, würde er seine 120.000 Fotos umfassende Sammlung gerne der Republik schenken. Voraussetzung: eine eigene Institution. Wobei Coeln weder auf deren Namen Wert legt, noch selbst mitmischen will, wie er im APA-Interview sagt.

Wer sich einen umfassenden Eindruck über die Geschichte der analogen Fotografie verschaffen will, wäre bei Peter Coeln richtig. In seinem Depot in der ehemaligen Ankerbrotfabrik, wo sich auch seine Galerie OstLicht befindet, stapeln sich Raritäten von 1839 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. „Wir haben eine große Sammlung von 120.000 Fotografien, 22.000 Büchern und eine Techniksammlung, darunter Daguerrotypien, inszenierte Fotografie, Wiener Aktionismus, Fotojournalismus, Theaterfotografie oder Themenfotografie wie etwa Kuba“, umreißt der 62-Jährige bei einem Besuch der APA den Bogen jener Sammlung, die er in den vergangenen 30 Jahren aufgebaut hat. „Es ist eine Sammlung, die - auch was inhaltliche und wissenschaftliche Möglichkeiten betrifft - sehr viel Potenzial hat“, ist er sich sicher.

Ausgeschöpft werden könne dieses im jetzigen Zustand allerdings nicht. Mit Ausstellungen aus eigenen Beständen wie „Ungarn 56, Bilder einer Revolution“, „Mario Giacomelli. Gegen die Zeit“, „In Our Time. Magnum 1947-1987“, „80 Jahre Che Guevara“ oder „The Polaroid Collection“ wurde nur ein sehr kleiner Teil der Sammlung präsentiert. Neben Personalien großer Fotografen wird jedes Jahr der Publikumsmagnet „World Press Photo“ gezeigt. In den 16 Jahren, die die Galerie WestLicht besteht, konnte man in Coelns ursprünglichem Fotoatelier „in einem Hinterhof“ rund eine Million Besucher begrüßen. Besonders freut er sich dabei über den Altersdurchschnitt, den Coeln mit 25 Jahren angibt.

Ein durch eine Schenkung an die Republik erweitertes Museum wäre für ihn der ideale Ort für seine Sammlung. Vor rund zwei Jahren habe er mit dem damaligen Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) erste Gespräche geführt, dieser sei von der Idee begeistert gewesen. „Wir hatten auch schon eine Location in Aussicht“, bedauert Coeln den Abbruch der Pläne nach der Regierungsumbildung im Vorjahr. „Ich war bemüht, mit Nachfolger Thomas Drozda das Projekt weiterzuführen, habe aber gespürt, dass da kein großer Wille oder Bereitschaft da war.“ Er habe sich zwar einige Male mit dem Minister getroffen, die Sammlung angesehen habe sich dieser bis dato jedoch nicht. „Er war eher ausweichend. Ich wusste aber, dass umgekehrt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder an einem Fotomuseumsprojekt interessiert ist. Und jetzt höre ich, dass er die Gründung eines solchen als völlig absurd bezeichnet“, spielt Coeln auf ein Schröder-Interview im ORF-“Kulturmontag“ an. Ausgerechnet bei der Eröffnung der Schau „Österreich. Fotografie 1970 - 2000“ hatte Drozda sich dann öffentlich für ein Fotomuseum ausgesprochen.

Ein Fotomuseum wäre laut Coeln nicht nur für Ausstellungen, sondern auch „für Recherche, für Betrachtungen, die weit über Ausstellungstätigkeit hinausgehen“, unerlässlich. „Es ist wichtig für ein potenzielles Museum, eine große Sammlung zu haben, um das abzudecken. Aber um sich wirklich der Sache widmen zu können, braucht es mehr als Ausstellungsfläche. Das könnten wir mit der Sammlung bieten.“ Er könne sich auch vorstellen, die vorhandene Infrastruktur wie Kontakte und Know-how der Galerie WestLicht in ein zu schaffendes Fotomuseum zu integrieren. „Der Name ist mir dabei egal. Auch geht es nicht um meine Person“, so Coeln, der sich dann mehr der Galerie OstLicht, die zeitgenössische Fotografie zeigt und verkauft, widmen würde.

In der Sammlung sei das Werk jüdischer Fotografinnen der Zwischenkriegszeit wie Trude Fleischmann und Co. „relativ lückenlos“ vorhanden. Zudem verfügt man über zahlreiche Nachlässe, etwa jenen von Cora Pongracz. „Es erscheint mir eine Hauptfunktion eines Fotomuseums zu sein, dass es eine Anlaufstelle für die Produzenten bietet, etwa was den Vorlass betrifft. Einen Ort, wo kompetent die Bewahrung und Konservierung und Aufbereitung in die Wege geleitet wird“, erläutert Marie Röbl, Leiterin der Fotosammlung. „Wir haben viele Dinge, die durchaus geeignet wären für Doktorarbeiten. Große Bestände sind unerforscht“, hofft sie auf mehr Aufarbeitung, falls die Sammlung in ein Museum einfließt. Bei der Fotosammlung des Bundes ortet sie „Handlungsbedarf bei der Nachlasssicherung“. Das sehe man beispielsweise bei Peter Dressler oder Margherita Spiluttini, deren Nachlässe an ganz andere Orte als ein Bundesmuseum gegangen sind. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass es keine Anlaufstelle gibt.“

Die Fotosammlung des Bundes, die sich in Salzburg befindet, würde sich seiner eigenen Sammlung wunderbar anschließen, so Coeln. Während die Stärke der Sammlung OstLicht bis ca. 1960/70 mit der Hochblüte des Fotojournalismus, des Aktionismus und feministischer Fotokunst bestehen, würde die Bundessammlung in der Zeit danach greifen. Diese sei in Salzburg „aber meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen“, bedauert Coeln.

Sollte sich der Bund für ein eigenes Fotomuseum entscheiden, würde Coeln seine Privatsammlung, die etwa die Hälfte des Bestands umfasst, verschenken. Jener Teil, der im Rahmen der Firma OstLicht gesammelt wurde, könne dem Bund hingegen zum Buchwert überlassen werden, der weit unter dem Verkehrswert liege. Dieser werde gerade von Experten ermittelt. Insgesamt schätzt Coeln die gesamte Sammlung auf rund 50 Mio. Euro. Doch: „Ich stehe mit meiner Sammlung nur dann zur Verfügung, wenn das ein selbstständiges, eigenständiges Projekt mit einem ausgeschriebenen Direktorium ist und nicht in ein anderes Bundesmuseum integriert wird.“ Er selbst möchte keine Funktion haben, er wolle „kein zweiter Leopold“ werden. „Mir ist nur wichtig, dass die Sammlung zusammenbleibt und in gesicherte Verhältnisse kommt.“ Und das Museum müsste in Wien stehen.

Zeitdruck empfindet er dabei nicht. Aber: „Wenn es nicht funktioniert, werde ich wohl oder übel ans Ausland denken müssen. Da fühle ich mich im Geiste ein bisschen mit Francesca Habsburg verwandt; im Sinne von manchen Dingen, die ich auch manchmal so empfinde.“ Bereits die Galerie WestLicht habe darunter gelitten. „Jeder Versuch, eine Förderung zu bekommen, ist niedergeschmettert worden von den Mailath-Pokornys dieser Welt. Das war das Essl-Syndrom: ‚Der hat eh genug Kohle, der kann es sich leisten.‘ Das Problem hat Francesca auch. Aber das stimmt nicht. Alles, was ich verdient habe, habe ich in die Sammlung gesteckt.“

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)