Das Abenteuer Kanada mit Kondition erfahren
7000 Kilometer hat die Osttiroler Radfamilie auf ihrer Tour durch Amerika bereits mit reiner Muskelkraft abgespult. Derzeit wird Kanada erkundet. Im September will das Quartett per Rad in die USA einreisen.
Von Claudia Funder
Außervillgraten, Kanada –Gut sieben Monate sind Petra Stranger, Peter Van Glabbeek und ihre Kinder Ben und Esmé nun bereits mit Rad, Zelt und Campingkocher unterwegs, um Amerika zu erkunden – immer auf der Suche nach authentischen Erlebnissen möglichst abseits touristischer Trampelpfade. Sie radelten durch mehrere Staaten Mittelamerikas, bevor sie Anfang Mai per Flugzeug einen gewaltigen Sprung Richtung Norden machten, um ihre Tour von Vancouver aus fortzusetzen – die TT berichtete.
Auf das Quartett, das vor seiner Reise in Außervillgraten lebte, warteten auch in den vergangenen Wochen viele neue Eindrücke. In einer ersten Etappe ging es bis Summerland, dann weiter nach Oliver und über Mount Baldy nach Midway bis Castlegar. „Auf dieser Strecke waren wir teilweise auf einem Trail einer alten Zugspur unterwegs.“ Bei Balfour wechselte man per Fähre über den Kootenay Lake. Hoch hinauf ging es im Anschluss bei der Bezwingung des Gray-Creek-Passes, der auf 2072 Metern Seehöhe liegt und auf dem immer noch Schnee lag. Dabei wurden 1421 Höhenmeter mit den Rädern überwunden – in nur knapp vier Stunden.
Die Tour ging weiter nach Lake Louise. Dort beginnt der Icefields Parkway, der als Kanadas Traumstraße gilt und zwischen Banff und Jasper verläuft. „Er ist 232 Kilometer lang. Wir sind ihn in nördliche Richtung gefahren und haben ihn zehn Tage sehr genossen“, erzählt Petra und schwärmt: „Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Man reist wie durch einen Bildband, die Landschaft ist traumhaft schön. Und die Tour entlang dieser Straße wurde von strahlend blauem Himmel begleitet“, berichtet Petra.
Die Osttiroler hatten Glück, denn die herrliche Aussicht war kurze Zeit später ziemlich getrübt. „In British Columbia gab es Waldbrände, der Rauch zog bis nach Alberta“, berichtet Petra und ergänzt: „Es regnete Aschestückchen wie Schneeflocken.“
2300 Kilometer ist die Familie, die mittlerweile in Hinton angekommen ist, bereits durch Kanada geradelt. Den Kindern geht es prächtig, sie baden gern in Seen, spielen viel mit den Naturmaterialien Sand oder Holz und lieben es, Wasserbahnen zu bauen.
Viele spannende Begegnungen gab es unterwegs – und das nicht nur mit Menschen. „Wir sahen bereits 14 Bären“, berichtet Petra. Die Familie weiß sich richtig zu verhalten und hängt etwa abends alle Lebensmittel und Cremes rund 100 Meter vom Zelt entfernt in einen Baum. Sicher ist sicher. „Einmal ist uns allerdings das Seil zum Aufhängen unseres Essens gerissen. Und wir hatten sehr viele Lebensmittel dabei, für sieben Tage“, berichtet Petra. Eine Alternative war rasch gefunden. Man legte einfach die Fahrräder auf das Essensbündel, „in der Hoffnung, dass kein Bär weiß, wie man zwei Räder plus Anhänger aufheben muss“, amüsiert sich Petra im Nachhinein. Die Notlösung war jedenfalls gut, „geklaut“ wurde nichts.
Ausreichend und vor allem die richtige Nahrung ist beim kräfteraubenden Radeln ein wichtiges Thema. „In Österreich haben wir kaum Fleisch gegessen, vielleicht einmal im Monat“, erinnert sich Petra und stellt klar: „Jetzt ist das anders, denn wir brauchen genug Eiweiß. Das Radeln kostet sehr viel Energie.“ Kalorien tanken konnte man unterwegs auch auf süße Art. Petra: „Kanada wurde 150 Jahre alt, das haben wir in Kimberley gefeiert. Die Gemeinde hat riesige Torten gebacken und die Stücke an Einheimische und Touristen verteilt.“
Nächste Pläne? Es geht in den Süden. „Am 16. August treffen wir Freunde aus Holland in Calgary“, verrät Petra. „Dann radeln wir gemeinsam in die USA, wir wollen Anfang September einreisen.“
Die Tour von Petra, Peter, Ben und Esmé bleibt spannend. Die TT wird die Reise weiter redaktionell begleiten.