Salzburger Festspiele: Die magischen Sieben im Großen Saal
Salzburg (APA) - Auch wenn Intendant Markus Hinterhäuser in seinem ersten Jahr im Chefsessel der Salzburger Festspiele nicht mit einem überb...
Salzburg (APA) - Auch wenn Intendant Markus Hinterhäuser in seinem ersten Jahr im Chefsessel der Salzburger Festspiele nicht mit einem überbordenden Zeitkonto ausgestattet sein dürfte, lässt es sich der Pianist Markus Hinterhäuser nicht nehmen, bei „seinen“ Festspielen persönlich ans Klavier zu treten. Seinen ersten Einsatz als Künstler hatte der Neo-Intendant am Montagabend an der Seite von Kollege Igor Levit.
Gemeinsam gestalteten die beiden neben dem Cuarteto Casals einen Abend in der Salzburger Stiftung Mozarteum. Am Programm standen dabei zwei religiöse Werke, die zwar entstehungsgeschichtlich eineinhalb Jahrhunderte trennen, die aber beide zeigen, dass Glaube manchmal Berge versetzten kann: Haydns „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ wurde ursprünglich für ein Orchester komponiert, die Quartett-Fassung erschien jedoch noch im selben Jahr, 1787. Die kammermusikalische Version ist eine Herausforderung an die Besetzung, in fast ausschließlich langsamen Sätzen die Aufmerksamkeit zu halten. Dem Cuarteto Casals gelang dieses Kunststück gut, nicht umsonst wird es auf der ganzen Welt für seine ganz persönliche Klangfarbe gelobt.
Die Bitte um Vergebung, das Leiden Christi und die Auferstehung. Alle diese Stimmungen verband das Cuarteto Casals mit viel Feingefühl. Bereits die Introduzione war eine Vorschau auf alles, was inhaltlich noch folgte. Die seufzende Geigenmelodie und das klare Voranschreiten des Cellos, alles fand sich in den folgenden Sonatas - so bezeichnete Haydn die Sätze - wieder. Und trotz all der Schwere hielt das Quartett eine durchwegs positive Grundstimmung - dieser Zauber begeisterte auch das Publikum.
Nach der Pause schlägt dann die Stunde von Hinterhäuser und Levit, die sich Olivier Messiaens „Visions de l‘Amen“ für zwei Klaviere angenähert hatten. Ein tonaler Kontrast höchsten Grades zu Haydns Werk, doch außer den jeweils sieben zentralen Sätzen wurde noch eine weitere Gemeinsamkeit deutlich: die Wirkung. Die Sätze, jeweils einem anderen Thema gewidmet, verlangen viel Kraft. Doch diese brachten beide Pianisten auf, ohne zu hart mit der Musik umzugehen. Auch wenn das erste „Amen der Schöpfung“ wie ein Kräftemessen anmutet, so spielten sowohl Levit als auch Hinterhäuser mit der notwendigen Lockerheit über die rhythmische Komplexität.
Die Geschichte, die beim Haydn-Quartett durch Melodieführung erzählt wurde, erzählten die Pianisten bei Messiaen mit Klangwirkung. So erschufen die Pianisten beispielsweise im zweiten „Amen der Sterne und der Planeten“ alleine durch das Setzen einzelner, tiefer Töne eine Stimmung der Kälte, sodass man die Weiten des Weltraums bildlich vor Augen hatte. Und so wie das gewaltige Finale brach dann auch der Applaus über Levit und Hinterhäuser herein. Ein weiteres Mal ist Hinterhäuser als Pianist bei den Festspielen am 19. August zu erleben, wenn er gemeinsam mit Matthias Goerne Mahler interpretiert.
(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)