Drei eingespielte Ankläger im NSU-Prozess

München (APA/AFP) - Diese Panne dürfte Bundesanwalt Herbert Diemer ein wenig peinlich gewesen sein. Weil er seine Unterlagen im Büro hatte l...

München (APA/AFP) - Diese Panne dürfte Bundesanwalt Herbert Diemer ein wenig peinlich gewesen sein. Weil er seine Unterlagen im Büro hatte liegen lassen, verzögerte sich der Beginn seines Plädoyer im NSU-Prozess am Dienstag um ein paar Minuten. Dabei war es Diemer, der mit seinen Mitanklägern Jochen Weingarten und Anette Reger in den vergangenen gut vier Jahren NSU-Prozess immer für Präzision und Sachlichkeit stand.

HERBERT DIEMER ist der Kopf der Ankläger im NSU-Prozess. Er bekam 2011 die Verantwortung für das historische Verfahren auf der Grundlage der Geschäftsordnung der höchsten deutschen Anklagebehörde. Als die Existenz des jahrelang unerkannt im Untergrund agierenden NSU im November 2011 bekannt wurde, war er Abteilungsleiter im Bereich Terrorismus und damit zuständig für den Fall.

Seit 2004 steht Diemer an der Spitze der Abteilung. Er führte auch das Verfahren gegen den islamistischen Attentäter, der 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen hatte.

Im NSU-Prozess erwies sich der seit rund 30 Jahren beim Generalbundesanwalt tätige Diemer als ein präziser, aktenkundiger und fest auf den Grundlagen des Gesetzes argumentierender Jurist. Manches Mal schien er sich in der Auseinandersetzung mit Verteidigern und Nebenklägern wie im Kindergarten gefühlt zu haben.

Als die Verteidiger aller Angeklagten etwa wortreich und emotional eine Aufzeichnung des Plädoyers forderten, konterte er trocken: „Es ist hier kein Stuhlkreis. Es ist eine Strafprozessordnung.“ Das Verhalten eines Verteidigers von Beate Zschäpe kritisierte Diemer einmal als „ungehörig“, Nebenklägern warf er „groben Unfug“ vor.

JOCHEN WEINGARTEN arbeitet seit 2004 bei der Bundesanwaltschaft. Er war bereits im Frankfurter Terrorismusprozess mit an Diemers Seite und legte da mit seinem Plädoyer die Grundlage dafür, dass beim Attentäter neben einer lebenslänglichen Haft auch eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde - dies dürften die Ankläger auch für Zschäpe fordern.

Weingarten leitete vor dem Prozess die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Zschäpe-Helfer, die die Ceska-Pistole besorgt haben sollen, mit der neun der zehn NSU-Morde begangen wurden. Der hoch gewachsene Bundesanwalt mit der markanten tiefen Stimme begann seine berufliche Laufbahn 1997 als Staatsanwalt in Bonn. Dort vertrat er bis zu seinem Wechsel nach Karlsruhe die Anklage unter anderem in Tötungsdelikten.

ANETTE GREGER führte vor dem NSU-Prozess die Ermittlungen gegen Zschäpe und untersuchte die Struktur rund um die Terrorgruppe bis hin zu den möglichen Unterstützern - ein Bereich, bei dem es bis heute viele Fragen und Zweifel gibt.

Greger kam 2007 aus Bayern nach Karlsruhe. Sie war in Weiden und Regensburg Staatsanwältin, außerdem arbeitete sie zeitweise auch als Richterin. Nachdem sie bei der Bundesanwaltschaft zunächst mit Revisionsverfahren befasst war, kam sie 2008 ins Team von Diemer.

Mit ihrem Chef und mit Weingarten zusammen bildete Reger schon einmal ein Ankläger-Trio. 2009 führten sie die Anklage gegen drei Mitglieder der linksradikalen Militanten Gruppe, die wegen Brandstiftung an Bundeswehrfahrzeugen angeklagt wurden. Die Linksextremen bekamen damals Haftstrafen von drei bis dreieinhalb Jahren - mit diesem Strafmaß folgte das Gericht der Anklage.