Kaunertaler Gepatsch-Speicher: Kosten fast verdreifacht
Die Instandhaltungsmaßnahmen am Kaunertaler Gepatsch-Speicher werden die Tiwag statt fünf Millionen voraussichtlich 14,5 Mio. Euro kosten. Der nächste Abschnitt startet.
Von Matthias Reichle
Kaunertal – Derzeit wird am hinteren Ende des Kaunertaler Gepatsch-Stausees ein großes Floß montiert. Es ist die „Basis“ für holländische Spezialtaucher, die über mehrere Monate auf dem Grund des Tiwag-Speichers vorn im Dammbereich umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchführen. Sie werden in 100 Metern Tiefe im Einsatz sein, erläutert Projektleiter Bernhard Hofer von der Tiroler Wasserkraft AG die schwierige Ausgangssituation: „Beim Einlaufbauwerk zum Druckstollen werden neue Rechen montiert. Die bestehenden Rechen sind über 50 Jahre alt und müssen getauscht werden.“ Der zweite Teil der Maßnahmen betrifft den vorderen Grundablass. Er wird nicht mehr gebraucht, ist auch verlandet und soll nun für immer mit Beton verschlossen werden. Die Arbeiten, die bis Ende November 2017 abgeschlossen sein sollen, werden rund 9 Mio. Euro kosten. In Summe investiert die Tiwag damit 14,5 Mio. Euro in die Instandhaltungsmaßnahmen, die bereits im Dezember 2015 gestartet wurden.
Das Projekt ist damit fast dreimal so teuer wie ursprünglich geplant.
Auslöser für diese Kostensteigerung seien massive Probleme bei der Entleerung des Speichers ab Dezember 2015 gewesen, schildert Hofer: „Wir haben gewusst, dass es dort viel Sediment gibt“, betont er – man habe jedoch nicht damit gerechnet, dass es sich in dieser Art und Weise in Bewegung setzt. Böschungen seien nachgerutscht und hätten den Zulauf zur Turbine verstopft. Die Folge waren ein Stopp, aufwändige Reinigungsarbeiten der Druckrohrleitung und der Turbine, die selbst nicht beschädigt worden sei. Es war vorgesehen, dass sowohl die Maßnahmen am Grundablass als auch beim Einlaufbauwerk noch im Winter 2015/16 erledigt werden – also im Trockenen. Ende Mai 2016 ist der Speicher wieder normal in Betrieb gegangen. „Dass die Arbeiten nun unter Wasser durchgeführt werden, war so nicht geplant.“ Taucheinsätze wären die Ausnahme gewesen, betont Hofer. „Nicht überraschend“ findet Tiwag-Vorstand Johann Herdina diese Kostensteigerung nach den Problemen. „Wir haben gewusst, dass es nicht billiger wird.“
Der Aufwand ist nun enorm: Trupps zu je sechs Tauchern werden sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz sein. Sie werden die Druckkammern, die auf den Flößen aufgebaut wurden, über 21 Tage nicht verlassen und wechseln sich in Acht-Stunden-Schichten ab. In Zweierteams lassen sie sich mit einer Tauchglocke auf den Grund des Sees ab. „Einer arbeitet, der Zweite ist in Reserve als Rettungstaucher. Nach vier Stunden wechseln sie sich ab“, erläutert Baustellenkoordinator Christian Otter die schwierigen Bedingungen.
Der Raum für die Taucher ist extrem beengt. Ihnen steht ein Wohnmodul sowie eine Nasszelle zur Verfügung. Auch im Fall eines Brandes dürfen sie die Druckkammern nicht verlassen, ohne massive Gesundheitsschäden zu riskieren – für diesen Fall gibt es ein Notmodul, das sich zu Wasser lassen lässt.
Bei den Tauchern soll es sich um Spezialisten handeln, die sonst auf Ölplattformen, zuletzt auch bei der Erweiterung des Suezkanals, zum Einsatz kamen.
Nun hofft man, dass die Arbeiten problemlos abgewickelt werden können, wie Hofer betont. Nach Abschluss wäre das Bauwerk wieder bescheidgemäß instandgesetzt.
Hätte man damit gerechnet, dass solche Probleme mit den Sedimenten auftreten würden, hätte man bereits von Beginn an mit Spezialtauchern gearbeitet, betont er. Diese sind derzeit noch nicht vor Ort.
Vorerst werden die Flöße zusammengebaut. Insgesamt sind drei im Einsatz. Dazu ist seit letzter Woche auch ein Saugbagger unterwegs – dieser musste aufgrund technischer Schwierigkeiten vorerst pausieren. Man sei noch „gut im Rennen“, es gebe einen Puffer.