Mediale Gehaltsschere klafft auseinander
Bei der BBC wehren sich die Frauen gegen das unfaire Gehaltssystem. Auch beim ORF muss die Gagen-Lücke noch geschlossen werden.
Von Christiane Fasching
Innsbruck –Die Zahlen sprechen für sich: Bei der BBC, dem britischen Pendant des ORF, kam der männliche Spitzenverdiener – Moderator Chris Evans – im Vorjahr auf ein Rekordgehalt von umgerechnet 2,5 Millionen Euro. Die Jahresgage der weiblichen Spitzenverdienerin – Moderatorin Claudia Winkleman – wirkt im Verhältnis dazu gar nicht mehr so spitze: Mit rund 565.000 Euro verdiente sie nur circa ein Fünftel des Gehalts ihres männlichen Kollegen.
Am Hungertuch nagt sie deshalb natürlich nicht, aber das Gegenüberstellen der Gehälter verdeutlicht das Missverhältnis, das beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Großbritannien herrscht: Von 96 Top-Verdienern sind nur ein Drittel weiblich, dazu kommen die eklatanten geschlechterspezifischen Gehaltsunterschiede, die am Wochenende mehr als 40 Moderatorinnen und Journalistinnen in Proteststimmung versetzten. In einem offenen Brief forderten sie BBC-Generaldirektor Tony Hall auf, dieses Ungleichgewicht so schnell wie möglich auszugleichen. „Wir leben im Zeitalter der Gleichberechtigung“, riefen sie Hall in Erinnerung, der wenige Tage zuvor gemeint hatte, bis 2020 für Gerechtigkeit auf den Gehaltszetteln sorgen zu wollen.
Losgetreten worden war die Gehaltsdiskussion vergangene Woche, als die BBC – bedingt durch eine gesetzliche Vorgabe der Regierung – erstmals die Gehälter der Top-Moderatoren veröffentlichte. Dabei zeigte sich, dass weiße Männer mit Abstand am meisten verdienen, während Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund selbst in Spitzenpositionen im Vergleich dazu weit abgeschlagen sind.
Beim ORF wird mit Gehältern nicht so offen umgegangen wie bei der BBC. Die Einkommen der Moderatoren und Moderatorinnen wurden und werden nicht veröffentlicht. Auf die Frage, ob auch am Küniglberg die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen auseinanderklafft, meldete sich ORF-Gleichstellungsbeauftragte Doris Fennes-Wagner per Mail zu Wort. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass im ORF männliche wie weibliche Mitarbeiter/innen für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden. Dennoch verzeichnen wir einen Gender Pay Gap, der allerdings mit 15 Prozent weit niedriger ist als der österreichische Durchschnitt von 21 Prozent.“ Laut Fennes-Wagner sei der Frauenanteil im Unternehmen, der aktuell bei 43,5 Prozent liegt, in den letzten fünf Jahren angehoben worden, vor allem bei Frauen in Führungspositionen (aktuell: 32,1 Prozent) konnte ein „signifikanter Anstieg“ erreicht werden. Ziel sei es, die „Schere, die vor allem durch unterschiedliche Dienstverträge und Teilzeitarbeit begründet ist, in den kommenden Jahren zu schließen“.
Konkrete Gehaltssummen, wie sie die BBC veröffentlicht hat, gibt der ORF allerdings nicht preis. Auch nicht auf der Direktorenebene. Seit 2013 wird der ORF-Geschäftsbericht, der die Gagen der Direktoren auflistet, nicht mehr veröffentlicht. „Das ist keine Verpflichtung des ORF“, heißt es auf TT-Nachfrage. Die letzte Veröffentlichung im Jahr 2012 zeigte, dass Generaldirektor Alexander Wrabetz 410.000 Euro verdient hat.
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