Kunst

Fotomuseum: Wer will, wer hat, wer kann

Die Idee eines Bundesmuseums für Fotografie sorgt derzeit für Diskussionen. Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) will Expertenmeinungen hören.

Wien, Salzburg –Seit einigen Wochen schon herrscht in der heimischen Museums­szene einige Aufregung – Grund dafür ist eine Aussage von Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), wonach er die Schaffung eines eigenen Foto­museums für möglich halte. Immerhin verfügt der Bund über eine umfangreiche Fotosammlung, verwaltet wird das fast 10.000 Werke umfassende Konvolut derzeit vom Salzburger Museum der Moderne. Doch die Lagerung der Beständ­e bezeichnete Drozda zuletzt wiederholt als „beschämend“ – obwohl in Salzburg derzeit ein neues Depot gebaut wird, dürfte es aus Sicht von Drozda auch noch andere, schwerwiegende Gründe für das Nachdenken über ein eigenes Foto­museum geben. Geliefert werden sie von Peter Coeln, Gründer der Wiener Galerien WestLicht und OstLicht, der seine 120.000 Werke umfassende Fotografie-Sammlung gerne der Republik schenken würde. Coelns Bedingung: Es müsse eine eigene Institution geschaffen werden.

Und eben darüber herrscht einige Aufregung, befürchtet man in Salzburg doch den Verlust der Bundesfotosammlung und sieht man sich in so manchem Bundesmuseum vor den Kopf bzw. ins Abseits gestoßen: Denn auch sie verfügen über Fotosammlungen, allen voran die Albertina mit rund 100.000 Werken. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder verwies zudem kürzlich im ORF darauf, dass international keine Fotomuseen mehr gegründet würden, da sich Kunstmuseen mittlerweile ihre eigenen Fotosammlungen aufgebaut hätten.

Drozda will sich von seinen Überlegungen in Richtung eigenständigem Fotomuseum oder auch Andockung „an ein­e bestehende Institution“ indes nicht abbringen lassen. Es müsse geprüft werden, was die bestmögliche Variante für Archivierung, Sammlung und Präsentation sei – und die müsse nicht zwingend in Wien sein, betonte Drozda zuletzt auch gegenüber der TT . Seine Absicht wäre es, „das auszuschreiben, und das best­e Konzept gewinnt“. Dass das „grobe Irritationen bei den Platzhirschen auslöst“, lasse ihn unbeeindruckt.

Am 2. August wird es nun im Kulturministerium eine öffentliche Diskussion mit nationalen und internationalen Experten geben. Auf eine Entscheidung für oder gegen ein Fotomuseum wird man ungeachtet dessen aber ohnehin auf die Zeit nach der National­ratswahl warten müssen.

(APA, jel)