Muslime leiten Anspruch auf Tempelberg aus Mohammeds „Nachtreise“ ab

Jerusalem/Wien (APA) - Der islamische Anspruch auf den Tempelberg leitet sich vor allem aus der 17. Koransure (Al-Isra/Die Nachtreise) ab. D...

Jerusalem/Wien (APA) - Der islamische Anspruch auf den Tempelberg leitet sich vor allem aus der 17. Koransure (Al-Isra/Die Nachtreise) ab. Dort ist im ersten Satz von der „Masjid al-Aqsa“, der „fernsten Moschee/Gebetsstätte“, die Rede. Der Name „Jerusalem“ wird in diesem Vers nicht erwähnt.

Es ist aber eine unwidersprochene islamische Tradition, dass die „fernste Moschee“ auf dem „Al-Haram al-Sharif“ (Edles Heiligtum) in Jerusalem („Al-Quds“) gemeint ist. Der Prophet Mohammed reiste laut einem Hadith („Überlieferung“) auf dem Zauberpferd Buraq von Mekka aus zum Tempelberg und von dort in den Himmel, um seine Vorgänger Ibrahim (Abraham), Musa (Moses) und Isa (Jesus) zu treffen.

Nach Mohammeds Tod wurden Al-Aqsa-Moschee und Felsendom (Qubbat al-Sakhra) auf dem Tempelberg errichtet, der nach Mekka und Medina als drittwichtigstes Heiligtum des Islam gilt. Im Felsendom soll ein Hufabdruck zu sehen sein, den Buraq hinterlassen haben soll.

Für die Juden dagegen ist die Westmauer des Tempelbergs („Klagemauer“) ihr wichtigstes Heiligtum. Die heiligen Stätten der Muslime werden von Israel respektiert, ihre Verwaltung obliegt der islamischen Waqf-Berhörde. Radikale Juden dagegen wollen den „Dritten Tempel“ auf dem Berg errichten, auf dem einst die in biblischer Zeit gebauten jüdischen Tempel standen.

Jüdische Religionsgelehrte stellen zudem den muslimischen Anspruch auf den Tempelberg infrage. „Im Koran wird das Wort ‚Jerusalem‘ nicht ein einziges Mal erwähnt. Nichts. 90 Prozent der Muslime haben keine Idee, was im Koran steht“, erklärte etwa 2014 der Chef-Rabbiner der israelischen Streitkräfte, Rafi Peretz.