Osttirol

Mit Kunst Geschichte erzählen

© Blassnig

Der Osttiroler Bildhauer Lois Fasching fertigt mit der Kettensäge überlebensgroße Skulpturen. Sein derzeitiges Schaffen ehrt Männer, die vor einem halben Jahrtausend Geschichte schrieben.

Von Christoph Blassnig

Dölsach –Der alte Hof der Familie Fasching liegt auf einer Anhöhe und schmiegt sich an den Hang. Auf dem Balkon vor dem Atelier, das sich Lois im ausgebauten Dachboden geschaffen hat, liegt einem der Lienzer Talboden zu Füßen. Versunken in einem alten Polstermöbel in einer Ecke, studiert Lois Fasching ein Buch, das von längst vergangenen Zeiten erzählt.

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„Die Renaissance war eine unglaubliche Zeit“, schwärmt Fasching, und seine Augen strahlen vor Ehrfurcht und Begeisterung. Ein Wandel hielt in der bekannten Welt und in vielen Bereichen des Lebens Einzug. Im Jahre 1492 betrat Christoph Kolumbus unbekanntes Land. Dreißig Jahre später brach ein anderer Mann zur ersten durchgehenden und dokumentierten Weltumsegelung auf. „Damit war schließlich auch der unumstößliche Beweis erbracht, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist“, weiß Fasching zu berichten. Ferdinand Magellan war mit einer spanischen Flotte von fünf Schiffen mit weit über 200 Männern an Bord in eine ungewisse Zukunft gesegelt. Drei Jahre später zurückgekehrt von diesem Abenteuer, sind dann nur noch 18 Mann auf einem Schiff, der Victoria, unter Kapitän Juan Sebastián Elcano – ohne Magellan, der auf den Philippinen in einer Kampfhandlung tödlich verletzt worden war.

„Mich interessieren oft auch die Menschen in der zweiten oder dritten Reihe“, erzählt Fasching. Und weil die erste durchgehende Weltumrundung in fünf Jahren ein halbes Jahrtausend her sein wird, vollende­n die Hände des Bildhauers zum Andenken an diese Männer gerade ein Kunstwerk: Es zeigt ihr Schiff, die Victoria, mit seiner achtzehnköpfigen Besatzung. Im Jahr 1522 wurden diese Seeleute berühmt. „Dieses Jubiläum wird sicher ein Thema werden. Meine Arbeit braucht Zeit, und ich will etwas vorzuweisen haben, wenn es so weit ist.“

Wie er beim Blick über die Stadt Lienz zu diesem historischen Stoff kommt, erklärt Fasching mit einer seiner früheren Arbeiten. Er schuf vor einigen Jahren einen 17-teiligen Zyklus zu Heinrich VIII. von England. „Geschichte hat mich immer schon interessiert, und so ergibt sich das eine um das andere.“ Seine Themen müssten interessant sein, echten Gehalt haben. „Über meine Beschäftigung damit komme ich zu neuen Formen“, so Fasching.

Beim jüngst in der Heilig-Geist-Kirche in Debant eingeweihten Altarbild sei ihm ein persönlicher Entwicklungsschritt geglückt. „Wenn der Moment des Gelingens in der Luft hängt, das ist etwas Besonderes und Lohn für die Knochenarbeit.“

Wie in jedem Beruf gebe es erst recht im Kunsthandwerk ohne Disziplin kein Weiterkommen. Lois führt täglich Buch über die Stunden, die er mit seiner Arbeit verbringt. Schließlich müsse er seinen Aufwand auch kalkulieren und in Rechnung stellen können. „Das ist mein Beruf. Meine Frau, unsere vier Kinder und ich, wir leben davon. Wenn ich nicht verkaufe, ist sofort Schluss.“ In einem Aussteller beim Dorfgasthaus präsentiert der Künstler eine Auswahl seiner Werke. „Es gibt bei mir nichts von der Stange. Nur was den Leuten gefällt, kaufen sie auch.“ Fasching bearbeitet auch Stein und malt mit Asche und Kohle auf Aluminium. Er war mit Heubildern Ende der 90er-Jahre Teil der Biennale in Venedig und vor dem österreichischen Parlament zu sehen. Die Landesausstellung 2008 auf Schloss Tirol sieht der Bildhauer als seinen Durchbruch.

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Catharina Oblasser

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