FC-Tirol-Legende und ein Teenie-Idol: Hansi Müller wird 60
Der 60. Geburtstag von Hansi Müller lässt wieder einmal an die glorreichen FC-Tirol-Zeiten denken. Mäzen Gernot Langes gratuliert seinem „Freund“. Der Schwabe bleibt vielen alten Gefährten in bester Erinnerung.
Von Alex Gruber
Innsbruck - Die Erinnerung spielt zwar nicht Fußball, aber sie lebt. Und zumindest bei jenen, die Mitte bis Ende der 80er-Jahre ins alte Tivolistadion pilgerten, hat sich einer wie Hansi Müller tief ins Gedächtnis gebrannt. Einen Transfer, den Gernot Langes eingefädelt hat. Tirols Fußball-Mäzen stellte sich gestern bei der TT als Gratulant ein: „Mein Freund. Alles Gute zum Geburtstag. Bleib wie du bist und gesund." Worte, die Tochter und WSG-Präsidentin Diana Langes-Swarovski nur unterschreiben kann.
„Solche Transfers sind heute in Österreich nicht mehr möglich", weiß Wackers General Manager Alfred Hörtnagl aus erster Hand. Die große Kohle ist ebenso Geschichte wie die goldenen Zeiten der heimischen Bundesliga, in der aktuell Austria-Verteidiger Heiko Westermann mit HSV-Vergangenheit wie ein internationaler Kapazunder klingt. Früher hat es Weltklasse mit Antonin Panenka (damals CSSR/Rapid), Hugo Sanchez (MEX/Linz) oder Pipo Gorosito (ARG/FC Tirol) gespielt. Um nur ein paar Namen zu nennen.
Der junge „Ali" H. war jedenfalls einer von vielen Tiroler Spielern (Auer, Idl, Obexer, Linzmaier, Streiter, Westerthaler, Spielmann ...), die in den Genuss gemeinsamer Einheiten mit dem edlen Schwaben kamen: „Er war eine sehr starke Persönlichkeit mit einer höchst professionellen Einstellung." Das Tivoli stand kopf, wenn Müller am Weg zu Meister- und Cuptiteln Regie führte. 1990 lief der 42-fache DFB-Teamspieler dort ein letztes Mal bei seinem Abschiedsspiel auf.
Bei der Tiroler Sportlergala im April dieses Jahres erzählte Müller launig, wie schwer er sich bei seinem Wechsel nach Tirol 1985 mit dem Dialekt und dem ausgeprägten Innsbrucker „K" getan habe. Silben, die damals auch aus dem Mund von Andreas Spielmann, aktuell Trainer der Tiroler Fußball-AKA U18, kamen: „Wir haben zu ihm aufgeschaut. Er war eine Persönlichkeit und hat auch für die jungen Spieler, die alles geben, ein offenes Ohr gehabt und sie aufgebaut. Ich war drei Jahre mit ihm im Zimmer und er hat mir Rückhalt gegeben."
Im Hier und Jetzt hat sich Müller — er sieht das Glas „halbvoll und nicht halbleer" — vermehrt ins Privatleben zurückgezogen. Er genießt die gemeinsame Zeit mit seinem jüngsten Sohn Sandro (7). Als Ehrenmitglied des VfB-Stuttgart oder Gemeinderat seines Wohnorts Korb erhebt er dennoch seine honorige und geschätzte Stimme.
Hansi Müller im Porträt
Das Schlagwort vom „schönen Hansi" werde er in diesem Leben wohl nicht mehr los, sagt Hansi Müller. Schließlich schaffte er es Ende der siebziger Jahre als junger Profi mehrmals auf das Titelblatt der „Bravo". Damit wurde Mülle zum ersten „Teenie-Idol" des deutschen Fußballs - auch wenn sich nur noch die Älteren daran erinnern.
„Ich habe damals 250.000 Autogrammkarten im Jahr gebraucht", erzählt der einstige Mittelfeldregisseur mit feinem linken Fuß und herausragender Technik, der für den VfB Stuttgart (1975 bis 1982), Inter Mailand (1982 bis 1984), Como (1984/85) und den FC Tirol (1985 bis 1990) gespielt hatte. Er sei halt ein dunkler Typ, habe einen eleganten Fußball gespielt und dazu keine krumme Nase, das habe den Leuten gefallen. Darauf eingebildet habe er sich aber nichts.
Größten Erfolge in InnsbruckDennoch habe man den Frauenschwarm Anfang 20, als er durchgestartet sei, ein paar Mal auf den Boden zurückholen müssen. Das hat offensichtlich gewirkt: Der Europameister von 1980 und Vize-Weltmeister von 1982, der 42 Mal für Deutschland spielte, ist neben Spielern wie Robert Schlienz, Jürgen Klinsmann oder aktuell Sami Khedira einer der ganz Großen in der Geschichte des deutschen Bundesligisten VfB Stuttgart.
Seine größten Erfolge auf Club-Ebene feierte Müller aber in Innsbruck: 1987 zog er mit dem FC Tirol ins UEFA-Cup-Semifinale ein, in dem gegen den späteren Sieger IFK Göteborg mit 1:4 und 0:1 das Aus kam. 1989 holte er dann das Double und wurde 1990 nochmals Meister, als die Innsbrucker von ÖFB-Legende Ernst Happel betreut wurden.
Zum 50er noch WM-Finale aufleben lassenSo groß wie an seinem 50. Geburtstag wird Müller zehn Jahre später nicht mehr feiern. 2007 hatte er das verlorene WM-Finale von 1982 gegen Italien wieder aufleben lassen - vor 40.000 Zuschauern im Stuttgarter Stadion. Die Stars von früher waren fast alle gekommen - einschließlich der Gastspieler Michael Schumacher und Eros Ramazzotti. So schön, wie es damals auch war: Dieses Mal gebe es „das volle Kontrastprogramm", sagt Müller. Mit 30 Gästen aus dem engsten Kreis will er in einem Biergarten im Remstal feiern.
Trotz vieler Verletzungen blickt Müller positiv zurück auf seine Karriere. „Ich habe 15 Jahre als Profi Gas gegeben und dann 15 Jahre in der Profivermarktung. Dafür bin ich dankbar", betont der frühere klassische „Zehner". Und weil er der Typ sei, der das Glas „halbvoll und nicht halbleer" sehe, habe er mit seinem Sechzigsten kein Problem. „Ich bin gefordert im Leben, ich habe noch so viel vor."
Zum einen hält das VfB-Ehrenmitglied regelmäßig vor Unternehmern Motivationsvorträge und sitzt seit 2014 im Gemeinderat seines Wohnorts Korb, zum anderen fordere ihn die Familie, besonders in Person seines siebenjährigen Sohnes Sandro. Dass er noch einmal ein „junger" Familienvater wurde, hat viel mit einem Schicksalsschlag zu tun, den er wegstecken musste.
2005 starb nach 28 gemeinsamen Jahren seine Frau Claudia, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, an Krebs. Doch wenig später lernte er seine heutige Partnerin kennen - und wurde noch einmal Vater. „Man kann an solchen Extremsituationen auch wachsen", erklärt Müller, der seine Spielerkarriere 1990 in Innsbruck beendete.
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