Home Invasion: Prozess gegen zwei Ukrainer in Kärnten
Klagenfurt (APA) - Am Landesgericht Klagenfurt hat Mittwochfrüh ein Prozess gegen zwei Ukrainer wegen einer sogenannten „Home Invasion“ bego...
Klagenfurt (APA) - Am Landesgericht Klagenfurt hat Mittwochfrüh ein Prozess gegen zwei Ukrainer wegen einer sogenannten „Home Invasion“ begonnen. Laut Anklage drangen die beiden mit einem weiteren Komplizen in der Nacht auf den 12. März 2015 in das Haus einer damals 80-jährigen Frau in Seeboden (Bezirk Spittal) ein. Sie fesselten die Pensionistin und ihre 23-jährige Pflegerin und flüchteten mit dem Safe.
In diesem befand sich Schmuck im Wert von 30.000 Euro. Um den Safe abzutransportieren, raubten die Männer auch gleich den Mercedes der 80-Jährigen, sagte Staatsanwalt Marcus Pacher. Die Pflegerin wurde bei dem Überfall verletzt. Am Wurzenpass, an der Grenze zu Slowenien, wartete nach dem Überfall eine Polizeistreife. Die Lenker des Mercedes und eines zweiten Pkw hielten nicht an sondern drückten aufs Gas. Kurz nach der Grenze überschlug sich auf der Verfolgungsjagd der Mercedes. Der Lenker wurde von den Komplizen mitgenommen, den Safe mussten sie mit dem Mercedes zurücklassen.
„Wir haben es mit einem Fall der organisierten, internationalen Schwerkriminalität zu tun, wo Schweigen und Leugnen dazugehört“, sagte Pacher. Den schweren Raub begingen die Männer demnach als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung. „Wir haben DNA-Gutachten, die die Angeklagten eindeutig überführen.“ Der dritte Komplize sei noch immer flüchtig. „Sie verschweigen uns beharrlich seine Identität.“
Der erste Angeklagte, ein 52 Jahre alter Tischler, sorgte schon bei der Aufnahme seiner Daten für Stirnrunzeln. Richter Matthias Polak hielt ihm seine verschiedenen Identitäten vor. Der Mann gab an, seinen Namen mehrmals offiziell gewechselt zu haben, weil er sonst kein Visum mehr für den Schengen-Raum bekommen hätte.
Der Mann sagte aus, dass er zu dem Überfall gezwungen worden sei, weil er Schulden habe. Seinen Mitangeklagten kenne er nicht, dieser sei bei dem Überfall auch nicht beteiligt gewesen. Seine wahren Komplizen seien Drogensüchtige gewesen, die er vorher nicht gekannt habe. Sie hätten sich bei dem Überfall gefürchtet, meinte der Angeklagte. „Die haben die junge Frau geschlagen und sie so fest mit Kabelbindern gefesselt, dass sie geblutet hat“, erwiderte der Richter.
Wie seine Komplizen heißen, könne er sich nicht mehr erinnern, sagte der 52-Jährige. Diese hätten ihn zuerst nicht aufgeklärt, was geplant sei und ihn dann während des Überfalls angewiesen, was er zu tun hätte. Seine Anwältin betonte die untergeordnete Rolle, die er bei dem Coup gespielt habe. Der 28-jährige, zweite Angeklagte bekannte sich nicht schuldig.
Der Schöffenprozess unter Vorsitz von Richter Matthias Polak war bis 15.00 Uhr anberaumt.