Kaffeehausbesuch wird in Landeck zum Grundrecht
Mit der Aktion „Zahl zwei, verschenk eins“ ermöglicht der Landecker Martiniladen auch weniger Begüterten den Kaffeehausbesuch.
Von Matthias Reichle
Landeck, Zams –„Caffè sospeso“ nennen es die Neapolitaner – was so viel wie „aufgeschobener Kaffee“ bedeutet. Dort ist es seit über hundert Jahren Brauch, zum Cappuccino einen zweiten zu bezahlen und anschreiben zu lassen – für jemanden, der ihn sich sonst nicht leisten könnte, erläutert der Zammer Bäcker und Kaffeehausbesitzer Alfons Wachter. Ein Grundrecht auf Kaffee wird das dort auch genannt. Der Barista notiert auf eine öffentliche Tafel, wie viele Kaffees zu vergeben sind. „Es ist eine soziale Motivation“, so Wachter.
Ab 7. August gibt es das in ähnlicher Form nun auch in Landeck und Zams. Vier Kaffeehäuser haben sich mit dem Sozialmarkt Martiniladen zusammengeschlossen, um das Konzept im Talkessel umzusetzen. Neben dem Café Wachter sind auch das Café Zapa, das Café Wiedmann und das Café Haag mit von der Partie.
Aber ist ein Kaffeehausbesuch Luxus? „Das glaub’ ich schon“, betont Hansjörg Haag, „Kaffee ist nicht billig – wenn die Miete zu zahlen ist und die Einkäufe zu tätigen sind. Aber das Kaffeehaus ist wichtig, um in Kontakt mit anderen Leuten zu kommen“, erklärt er den Sinn hinter dem Projekt, der über den Genuss einer Tasse Kaffee hinausgeht. Man will auch der Vereinsamung der Menschen entgegenwirken.
„Man muss sein Glück teilen, um es zu multiplizieren“, zitiert die Obfrau des Martiniladens, Judit Nötstaller, Marie von Ebner-Eschenbach. Nötstaller hat das Projekt gemeinsam mit Dietmar Wolf und Roswitha Lentsch vorbereitet. Wer im Sinne der Aktion einen zweiten Kaffee oder Kuchen (nur alkoholische Getränke werden nicht akzeptiert) bestellt, finanziert einen Gutschein, auf dem der Betrag aufgeschrieben wird. Der Martiniladen sammelt die Gutscheine ein und vergibt sie an die, die es finanziell nicht so leicht haben. Nicht nur an die eigenen Kunden „Wir freuen uns über jeden, der sich nach einem Gutschein fragen traut“, so Nötstaller. Sorge, dass das ausgenutzt wird, hat sie nicht.
Die kostenlose grafische Gestaltung der Plakate und Gutscheine übernahm Wenno Siegele, die Vervielfältigung das Vitus Copycenter.
Für den Start haben die Kaffeehäuser und Mitglieder des Vereinsvorstandes des Martiniladens bereits 100 Kaffeegutscheine spendiert.