Prozess um Millionen-Diebstahl 2 - Finanzielle Probleme als Motiv

Wiener Neustadt (APA) - „Ich habe mein ganzes Leben finanzielle Probleme gehabt“, begründete der 41-jährige Zweitangeklagte am Mittwoch in W...

Wiener Neustadt (APA) - „Ich habe mein ganzes Leben finanzielle Probleme gehabt“, begründete der 41-jährige Zweitangeklagte am Mittwoch in Wiener Neustadt, warum er sich am Ausgraben des „Schatzes“ auf dem Areal des im Eigentum des Superfund-Gründers Christian Baha stehenden Schlosses Frohsdorf beteiligt hatte. Sein Komplize und er seien von Silbermünzen ausgegangen, schließlich fanden sich aber vor allem Goldmünzen.

Das Duo war kurz nach dem ersten Coup noch ein zweites Mal zu Werke gegangen. „Momentan glaubt man, man ist im siebenten Himmel“, aber er habe lange nicht gewusst, was er mit dem „Schatz“ machen sollte, sagte der 41-Jährige. Schließlich hatte er Münzen umgewechselt und das lukrierte Bargeld u.a. für Fahrzeuge und Reisen ausgegeben. Einen größeren Teil hatte er an Verwandte, Bekannte und einen Fußballverein verschenkt. Er sei nie darauf angesprochen worden, woher er das Geld habe, sagte der Niederösterreicher, der damals in der Schweiz beschäftigt war.

Kurz vor seiner Festnahme hatte der 41-Jährige noch Münzen im Wert von 12.000 Euro umgetauscht. „Freilich habe ich ein schlechtes Gewissen, aber ich kann es leider nicht rückgängig machen“, meinte der Mann, der sich inzwischen wieder auf freiem Fuß befand, auf die Frage des vorsitzenden Richters. Wie viel sie erbeutet hatten, wussten weder der Niederösterreicher noch der Tiroler genau.

Ein Superfund-Manager sollte im Zeugenstand über den Wert des vergrabenen „Schatzes“ Auskunft geben. Die Münzen seien vor etwa fünf Jahren in Wien in Säcke verpackt und an drei Plätzen auf dem Schlossareal in Lanzenkirchen (Bezirk Wiener Neustadt) versteckt worden, sagte der Schweizer. Vorher war der „Schatz“ gemeinsam mit Baha abgewogen und abgezählt worden. Aufgelistet wurde die Gesamtanzahl, wie viele Münzen jeweils im Kamin und im Park gelagert waren, wusste der Zeuge nicht.

Der Superfund-Gründer wollte „nicht zu viel an einem Ort lagern und im Falle einer Wirtschaftskrise schnellen und direkten Zugriff haben“, antwortete der Zeuge auf die Frage des Richters, warum Baha Münzen auf dem Areal seines Schlosses verstecken habe lassen. Die Angeklagten hatten nicht den ganzen „Schatz“ mitgenommen. Der Schweizer und ein weiterer Angestellter, der ebenfalls als Zeuge aussagte, hatten nach dem Diebstahl mehrere Kilo Gold- und Silbermünzen im Park ausgegraben bzw. im Kamin gefunden.

Baha erschien nicht als Zeuge, die Beteiligten erklärten sich mit der Verlesung seiner Aussage einverstanden. Der Superfund-Gründer hat sich dem Verfahren mit Ansprüchen in Höhe von rund 1,78 Millionen Euro als Privatbeteiligter angeschlossen - der Betrag ergebe sich aus dem aktuellen Goldkurs, hielt sein Rechtsvertreter fest. Der 34-Jährige erklärte sich laut Verteidigung bereit, einen symbolischen Betrag von 10.000 Euro anzuerkennen, der Zweitangeklagte 500.000 Euro.

Die Staatsanwältin beantragte in ihrem Schlussvortrag eine schuld- und tatangemessene Strafe. Die Verteidiger ersuchten um ein mildes Urteil in Form einer bedingten oder teilbedingten Freiheitsstrafe bzw. einer Fußfessel. Der 34-Jährige habe - noch vor seiner Festnahme - einen Großteil seiner Beute zurückgebracht, betonte sein Rechtsanwalt. Der Strafrahmen beträgt im Fall eines Schuldspruchs maximal zehn Jahre.