Martin Kotynek - Ein Innovator für den „Standard“
Wien (APA) - Vor vier Jahren war Martin Kotynek noch einer der besten „30 unter 30“ des deutschen Branchenblatts „Medium Magazin“. Bald ist ...
Wien (APA) - Vor vier Jahren war Martin Kotynek noch einer der besten „30 unter 30“ des deutschen Branchenblatts „Medium Magazin“. Bald ist er der erste Mann in der „Standard“-Redaktion. Mit 34 ist der gebürtige Wiener ab November der Jüngste in der Riege der österreichischen Tageszeitungs-Chefs. Der „Standard“ holt sich einen studierten Hirnforscher und Innovator mit einem Herz fürs Theater.
Kotynek ist Vertreter einer jungen Journalistengeneration, die den viel beschworenen Medienwandel, der so manchem Verleger Kopfzerbrechen bereitet, als Chance begreift. „Wo möchten Sie in zehn Jahren arbeiten?“ fragte ihn das „Medium Magazin“ 2013. Seine Antwort: „In einer Branche, die sich nicht selbst bemitleidet und ihren eigenen Untergang herbeiredet, sondern den Mut hat, mit den digitalen Möglichkeiten zu experimentieren und sich im laufenden Betrieb Schritt für Schritt neu zu erfinden.“ Das wird er künftig beim 1988 gegründeten „Standard“ machen. „Ich freue mich schon sehr auf den ‚Standard‘ und auf Wien“, twitterte er am Mittwoch kurz nach Bekanntwerden seiner Bestellung.
Als stellvertretender „Zeit Online“-Chef war er für die Weiterentwicklung des Portals zuständig sowie für „investigative Recherche, interaktives Erzählen, Engagement“, ist auf „Zeit Online“ zu lesen. Er verantwortete den Relaunch der Seite und widmete sich in der Folge der „Einführung des Registrier- und Bezahlangebotes Z+“, das diesen Frühling lanciert wurde. Zudem leitete er ein Innovations-Team der „Zeit“.
Das nötige Rüstzeug dafür konnte er nicht zuletzt an der kalifornischen Stanford-Universität erwerben, wo er 2013/2014 Knight Journalism Fellow war. Er nutzte das Stipendium dort unter anderem für das Studium der „Design Thinking“-Methode, er widmete sich User-zentrierten Formen des Erzählens und erkundete Strategien des Crowdsourcings und des kollaborativen Fact-Checkings. Letzteres hatte ihn bereits zur deutschen Bundestagswahl 2013 beschäftigt, als er den „ZEITmagazin Faktomat“ entwickelte.
Studiert hat Kotynek Neurobiologie - doch schon damals wusste er, dass er Journalist werden wollte, erzählte er 2013 dem „Medium Magazin“. Schließlich hatte er schon als Schüler für den „Trend“ und das „Elektrojournal“ gewerkt. Wissenschaftsjournalismus war anfänglich die Sparte seiner Wahl. Er machte seinen Master an der Universität München, dann ein Praktikum in der Wissenschaftsredaktion der „Süddeutschen Zeitung“, wo er insgesamt fünf Jahre blieb, zuletzt als Zuständiger für die „Seite Zwei“, das „Thema des Tages“. Anfang 2012 wechselte er zur „Zeit“ nach Berlin und arbeitete als Redakteur im Investigativ-Ressort. Nach seiner Rückkehr aus Stanford wurde er 2014 stellvertretender Chefredakteur von „Zeit Online“.
Während seiner steilen journalistischen Karriere fand er auch noch Zeit für seine Theaterleidenschaft: Kotynek ist Mitglied des Perchtoldsdorfer Ensembles „Theater am Weinberg“, wo er sowohl als Regisseur als auch als Schauspieler mitwirkte.