Gundula Janowitz: Der „Gruß vom Himmel“ wird 80 Jahre alt
Wien (APA) - Eine der erfolgreichsten Operndiven des vorigen Jahrhunderts feiert am Mittwoch, 2. August, ihren 80. Geburtstag: Gundula Janow...
Wien (APA) - Eine der erfolgreichsten Operndiven des vorigen Jahrhunderts feiert am Mittwoch, 2. August, ihren 80. Geburtstag: Gundula Janowitz, deren knabenhafte Stimme einst von Großkritiker Karl Löbl als „Gruß vom Himmel“ apostrophiert wurde. Nach ihrem offiziellen Bühnenabschied 1990 leitete sie kurzzeitig die Grazer Oper in der Saison 1990/91, schied aber im Streit aus dem Amt.
Geboren wurde Janowitz am 2. August 1937 in Berlin. Sie wuchs allerdings in Graz auf und besuchte dort das Landeskonservatorium, von dem sie Herbert von Karajan 1959 an die Wiener Staatsoper holte. Drei Jahre darauf wurde Janowitz Ensemblemitglied, Kammersängerin ist sie seit 1969. Das Haus am Ring verlieh der vom Publikum als Gundel ins Herz Geschlossenen 1981 die Ehrenmitgliedschaft. In ihrer über 30-jährigen Zugehörigkeit zur Staatsoper trat sie in rund 50 Partien auf und war dort zuletzt im Mai 1990 als Primadonna/Ariadne in Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“ zu hören.
Ab 1960 trat Janowitz in Bayreuth, ab 1963 auch bei den Salzburger Festspielen auf. Janowitz erhielt einen Gastvertrag an der New Yorker Metropolitan Opera, und gab im Lauf ihrer Karriere Gastspiele in Hamburg, München, Buenos Aires, London, Paris, Rom, Tokio, Stockholm oder Mailand.
Zu ihren Glanzrollen zählen die Gräfin in „Figaros Hochzeit“, die Arabella, aber auch die Donna Anna in „Don Giovanni“, die Agathe im „Freischütz“ und die Elisabeth im „Tannhäuser“. Im Italienischen Fach konnte sie sich ebenfalls bewähren, etwa als Odabella in Verdis „Attilia“. Eine beinahe unüberschaubare Vielzahl ihrer Glanzpartien sind auch auf CD veröffentlicht worden, darunter etwa Schuberts Frauenlieder oder Glucks „Orfeo & Euridice“ gemeinsam mit Dietrich Fischer-Dieskau. Das Label Deutsche Grammophon feiert den nahenden runden Geburtstag mit der 14-teiligen „The Gundula Janowitz Edition“.
Nach ihrer aktiven Sängerkarriere trat Janowitz 1990 den Posten als erste Leiterin der Oper in Graz an - den sie allerdings nicht lange behielt: Bereits 1991 trat sie wegen künstlerischer Differenzen, unter anderem um die Frage einer Rückkehr zur Ensemble-Oper, zurück. „Man macht im Leben so viel Blödsinn“, kommentierte Janowitz 2015 bei einer Staatsopern-Matinee mit Christa Ludwig diese kurze Phase ihres Lebens. Seit ihrem Rücktritt trat Gundula Janowitz nur mehr im kleineren Rahmen auf, gestaltete Liederabende oder 1999 in Athen das Maria Callas Gedächtniskonzert. Eine hoch geschätzte Seltenheit waren auch ihre Meisterklassen.
Das Wirken der Künstlerin blieb nicht ungewürdigt. Im Jahr 2000 wurde Janowitz mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. 2003 folgte das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Und auch Ö1 lässt den runden Geburtstag der Künstlerin nicht spurlos vorrüberziehen. Einen Tag nach dem offiziellen Termin, am 3. August, gibt es ab 14.05 Uhr unter dem Titel „Gundula Janowitz - Stimmporträt und Porträt einer Ära“ im Rahmen von „Stimmen hören“ eine Würdigung. Und exakt einen Monat nach dem Geburtstag ist Janowitz dann am 2. September ab 10.05 Uhr bei Otto Brusatti persönlich zu Gast im Ö1 Klassik-Treffpunkt.