Subversiv schräg: Federspiel und Helge Schneider bei Glatt & Verkehrt

Krems (APA) - Die Konzertserie bei den Winzern Krems im Rahmen des Festivals Glatt & Verkehrt ist am Mittwochabend mit Auftritten der österr...

Krems (APA) - Die Konzertserie bei den Winzern Krems im Rahmen des Festivals Glatt & Verkehrt ist am Mittwochabend mit Auftritten der österreichischen Gruppe „Federspiel“ und des deutschen Nonsens-Virtuosen Helge Schneider eröffnet worden. Dementsprechend stand die ausverkaufte Veranstaltung unter dem Motto „Grüner Veltliner & Käsebrot“.

Vor einigen Jahren spielten sie noch als Pausenfüller unter dem Marillenbaum (diesmal war dort die Musikwerkstatt Göttweig mit deren langjährigem Chef Rudi Pietsch anzutreffen), heuer standen die Musiker von „Federspiel“ auf der großen Bühne der ausverkauften Sandgrube 13 und stellten nicht nur ihr blasmusikalisches Können, sondern auch eine stilistische Bandbreite unter Beweis, die vom alpenländischen Jodler über den urbaneren Dudler bis zu skandinavischer Volksmusik und Anklängen an den Buena Vista Social Club reicht. Und die launigen Zwischenmoderationen kamen auch gut über die Rampe.

Star des Abends war dann Helge Schneider, erst vor wenigen Wochen beim Jazzfest Wien zugange, der mit seinen Musikern Peter Thoms, Sandro Giampietro, Sergej Gleitman, Carlos Boes sowie Teekoch Bodo Oesterling „240 Years of Singende Herrentorte“ abfeierte. Das „Katzeklo“ gab es nicht zu hören, aber dafür vom sexy „Käsebrot“ über „Meisenmann“ und „Klapperstrauß“ bis zu „Sommer, Sonne, Kaktus“.

Zwischendurch setzte es sarkastische Bemerkungen über den Auftrittsort: „Wenn man da so hochfährt, dann glaubt man gar nicht, wie schön dieses Industriegebiet ist. Wahrscheinlich keine Schwerindustrie, hauptsächlich Sauferei“, mutmaßte der geniale Grenzgänger zwischen Jazz und Kabarett, der die verlogenen Klischees der Unterhaltungsmaschinerie scheinbar mit dem kleinen Finger wegwischt, indem er posiert und zugleich persifliert, dass es ein wahres Vergnügen ist.

„Die Welt ist vollgepackt mit Scheiße“, entfuhr es Schneider zum leicht melodramatischen Ende des Gigs. Immerhin ein „wunderschönes Loch hier oben“, befand der Meister des subversiv-schrägen Entertainments: „Ich wollt, ich wär ein Kremser!“ Dem wäre nur der Umstand entgegenzuhalten, dass an diesem Abend zwar ausreichend Veltliner, aber kein einziges Käsebrot zu ergattern war.