Gesellschaft

Anrainer klagen über Lärm und Müll

© Schiestl

Rund um das Flüchtlingsquartier in der Innsbrucker Grassmayrstraße gibt es immer wieder Beschwerden aus der Nachbarschaft. Die TSD wollen den Dialog suchen, Stadtrat Gruber zeigt „eine gewisse Ungeduld“.

Innsbruck –Nächtlicher Lärm, überquellende Müllcontainer, spielende Kinder mitten auf der Straße: Walter Schiestl, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Wilten und direkter Anrainer des Flüchtlingsquartiers in der Grassmayrstraße, äußert „im Namen vieler Nachbarn“ eine lange Liste an Vorwürfen.

So würden die Kinder aus dem Quartier – in dem die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) derzeit ca. 260 Asylwerber betreuen – sehr laut und meist unbeaufsichtigt spielen, oft komme es dabei zu gefährlichen Situationen: „Etwa, wenn ein Ball zu den Bahngleisen fällt – und 5- bis 8-Jährige hinunterlaufen, um ihn zu holen.“ Auch in der Nacht hätten die Anrainer regelmäßig unter Lärm zu leiden: „Manche Bewohner kommen erst um 2, 3 oder 4 Uhr in der Früh heim, lautstark und teils offenbar angetrunken. Ich schlafe oft nur noch drei bis vier Stunden“, klagt Schiestl.

Hinzu komme der Müll: Dieser werde in Plastiksäcken gesammelt vors Heim gebracht und erst dort sortiert – „häufig schon ab 5 Uhr in der Früh und mit entsprechender Lärm- und Geruchsbelastung“. Die Müllsäcke stünden teils tagelang im Freien, offenkundig gebe es zu wenig Container, ergänzt Schiestl. Sein Fazit: „Vielen Nachbarn reicht es, manche sind sogar schon weggezogen oder überlegen, ihre Wohnung zu verkaufen – auch ich selbst.“ Die IG Wilten habe „von Anfang an darauf hingewiesen, dass Großquartiere nicht funktionieren“, dies habe sich leider bestätigt.

„Wir sind bemüht, Probleme in den Griff zu bekommen“, betont TSD-Sprecher Georg Mackner. So weise man als Reaktion auf Schiestls Kritik im Heim immer wieder darauf hin, dass die Mülltrennung korrekt und leise erfolgen soll. Was nächtliche Lärmbelästigung angehe, habe man den Securitydienst angewiesen, „immer ein Protokoll anzufertigen, wann und wo es zu Lärm gekommen ist und ob es wirklich unsere Bewohner waren. Sonst stehen wir solchen Vorwürfen ohnmächtig gegenüber.“ Schließlich diene die nahe Olympiabrücke auch anderen Gruppen als „Einflugschneise“, hier „wird sehr vieles vermischt“. Wie in jedem Heim der TSD gelte eine Hausordnung samt Nachtruhe und Alkoholverbot, die Einhaltung werde von der Security kontrolliert, so Mackner. „Und wir bieten Herrn Schiestl auch immer wieder Gesprächstermine an, um direkt vor Ort die Dinge aufzuzeigen, an denen er sich stößt. Leider hat er das bisher nicht angenommen.“

Der fürs Flüchtlingswesen zuständige Stadtrat Franz X. Gruber (VP) zeigt „eine gewisse Ungeduld“ mit den TSD: Er habe mit den Anrainern und den TSD in dieser Sache schon rund 20 Gespräche geführt. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum vermeintlich einfache organisatorische Themen wie Müllentsorgung und die Einhaltung der Hausordnung seit Monaten nicht zu handhaben sind“, meint Gruber. „Die TSD müssen das endlich besser in den Griff bekommen und auch den Bewohnern stärker vermitteln.“

Im Saggen hatten Anrainer des Asylquartiers im ehemaligen Heim am Hofgarten erst kürzlich über massive Lärmprobleme geklagt (die TT berichtete). Die Bemühungen aller Beteiligten um eine Lösung würden von den Anwohnern „gesehen und geschätzt“, erklärt nun Susanne Auer, die als Sprecherin für Anrainer in der Koch- und Falkstraße auftritt. Doch noch immer sei der direkt angrenzende, private Messeparkplatz „Haupttreffpunkt aller Kinder und vieler Erwachsener zu jeder Tages- und Nachtzeit“. Auch an der Situation der radfahrenden Kinder auf der Straße habe sich „nichts geändert“. (md)

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