In drei Tagen durch den Inn: Däne plant „Open-Water-Swim“
Alleine den Inn entlangschwimmen, von Haiming bis Kufstein, 129 Kilometer weit: Genau das hat Morten Vesterager aus Dänemark vor. Die Wasserrettung rät von Schwimmgängen im Inn jedoch grundsätzlich ab.
Von Katharina Krabacher
Innsbruck –Die Ambitionen des 38-jährigen Morten Vesterager aus Dänemark sind groß: Von 5. bis 8. August wagt der ehemalige Innsbrucker Austauschstudent einen „Open-Water-Swim“ im Inn. Die geplante Schwimmstrecke von Haiming nach Kufstein mit insgesamt 129 Kilometern will Vesterager in drei Tagesetappen aufteilen. Die Grundidee für sein außergewöhnliches Hobby kam ihm einst in Innsbruck. Als Austauschstudent wohnte der Däne, der heute in seinem Heimatland in der Verwaltung eines Privatunternehmens arbeitet, 2003 nicht weit vom Inn entfernt.
Die bevorstehende Open-Water-Aktion im Inn ist nicht sein erstes Schwimmprojekt. 2010 schwamm der damals 31-Jährige die 13 Kilometer von Holstebro nach Bur durch die „Storå“-Strömung in Dänemark. Zwei Jahre später durchschwamm Vesterager die Donau von Passau bis Wien und vergangenes Jahr die Elbe von Wittenberge bis Hamburg. Insgesamt legte er rund 1400 Kilometer in offenen Gewässern zurück. Immer mit dabei: sein „Versorgungsboot“. Neben Proviant führt er dort sein Handy (das auch misst, wie schnell er schwimmt), eine Rettungsweste und trockene Kleidung mit. „Ich verbrenne zwischen 5000 und 10.000 Kalorien am Tag. Genügend zu essen und zu trinken, ist daher sehr wichtig.“ Zugleich signalisiere das Boot, dass er ganz bewusst im Fluss schwimmt und nicht etwa ein Unfall passiert ist. Ansonsten ist Vesterager bei seinem geplanten Schwimmgang allein im Wasser des Inns. Ein guter Freund aus Innsbruck wird ihn jedoch am Uferrand mit dem Rad begleiten.
Angst verspürt der Däne bei seinen Aktionen keine. „Ich bewege mich sehr langsam, um Gefahren rechtzeitig ausweichen zu können. Strömungen und unterirdische Strudel können natürlich gefährlich sein. Es ist daher wichtig, dass man den Fluss ,liest‘ und aufmerksam bleibt“, erklärt Vesterager.
Gernot Reister, Einsatzstellenleiter der Wasserrettung Innsbruck, rät von Schwimmgängen im Inn jedoch generell ab: „Grundsätzlich ist der Inn ein freies Gewässer. Verbieten kann man das Schwimmen dort keinem.“ Jedoch berge der Fluss diverse Gefahren: Neben Wirbeln und Strömungen, die Schwimmer unter Wasser ziehen können, zähle dazu auch die Durchschnittstemperatur von nur 10 Grad. Dadurch könne es rasch zu Unterkühlungen kommen. „Aus Sicherheitsgründen sollten Schwimmer bei Aktionen in offenen Gewässern begleitet werden“, rät Reister außerdem.
Auch der Innsbrucker Triathlet Christian Schaar sieht Vesteragers Aktion kritisch. Schaar legte 2015 im Rahmen einer Charityaktion die Strecke vom Malojapass bis Passau in zwei Tagen zurück, am Rad, zu Fuß und insgesamt 110 Kilometer weit im Wasser. Im Gegensatz zu Vesterager führte Schaar seine Schwimmaktion aber in enger Zusammenarbeit mit der Wasserrettung durch, er wurde durchgehend begleitet. „Schwimmen im Inn ist keineswegs ungefährlich. Ohne Begleitung der Wasserrettung rate ich Vesterager dringendst von seinem Plan ab“, kommentiert der Triathlet.
Vesterager ist jedoch fest entschlossen und fühlt sich sicher in seinem Vorhaben: „Ich habe mich genauestens darüber informiert, wo Kraftwerke, Schleusen oder gefährliche Stellen sind. Über die Verhältnisse und die Temperatur des Inns bin ich mir im Klaren.“ Auch zu Brückenpfeilern, großen Felsen und Baustellen halte er aufgrund der vermehrt auftretenden Strömungen Abstand.
Am Samstag will der Däne wie geplant starten.