Ein König im Werden - Thailands neuer Monarch wird 65
Bangkok (dpa) - Wie das bei Königen so ist: Als Normalsterblicher bekommt man sie nun doch eher selten zu Gesicht. Dabei gehört Thailands ne...
Bangkok (dpa) - Wie das bei Königen so ist: Als Normalsterblicher bekommt man sie nun doch eher selten zu Gesicht. Dabei gehört Thailands neuer Regent Maha Vajiralongkorn zu den Monarchen, die sich besonders rarmachen.
In den ersten acht Monaten trat er nur bei wenigen Anlässen in der Öffentlichkeit auf - ganz anders als sein volksnaher Vater, König Bhumibol (Rama IX.), der das Land bis zu seinem Tod im Oktober sieben Jahrzehnte lang geführt hatte.
Trotzdem ist Rama X., wie der offizielle Name des aktuellen Oberhaupts der seit 1782 regierenden Chakri-Dynastie lautet, omnipräsent. Im ganzen Land sieht man inzwischen Porträts: in Behörden selbstverständlich, aber auch auf Schulhöfen, in der Bahn und vor den Shopping-Malls. Sogar von vielen Hochhäusern blickt er herab. Streng und überlebensgroß, meist in goldenem Ornat, manchmal auch in Uniform und mit sehr vielen Orden.
An diesem Freitag erreicht das Vorhaben, den König seinen 67 Millionen Untertanen näher zu bringen, einen Höhepunkt. Maha Vajiralongkorn Bodin Dradebaya Warangkun (was nur schwer zu übersetzen ist, aber in etwa so viel heißt wie: „Der König der Blitze, Abkömmling von allmächtigen Gottheiten“) feiert 65. Geburtstag. Der Tag wurde zum Feiertag erklärt. Zudem sollen alle Thais die Nationalflagge hissen.
Dabei galt bis vor einer Weile noch keineswegs als ausgemacht, dass der einzige Sohn von Bhumibol und Königin Sirikit - neben einer älteren und zwei jüngeren Töchtern - den Thron erben würde. In 44 Jahren als Kronprinz wurde er zunehmend als Art asiatischer Vetter von Prinz Charles beschrieben, von dem man bis heute nicht weiß, ob er jemals König wird.
Zudem erwarb er sich im Lauf der Zeit einen Ruf als Lebemann. Seine Mutter sagte über ihn: „Mein Sohn hat etwas von einem Don Juan. Frauen finden ihn interessant, und er findet Frauen noch interessanter.“ Heute hat er drei Ehen hinter sich, aus denen fünf Söhne und zwei Töchter hervorgingen. Mit der jetzigen Lebensgefährtin Suthida - ehemals Stewardess, nach einigen Beförderungen nun Generalleutnant - ist er, soviel man weiß, nicht verheiratet.
Das Paar verbringt viel Zeit in Bayern, wo des Königs zwölfjähriger Sohn auf eine Privatschule geht. Am Starnberger See hat der wahrscheinlich reichste König der Welt (geschätztes Vermögen: mehr als 35 Milliarden Euro) eine Villa. Immer wieder tauchen von dort Bilder auf, die ihn in wenig standesgemäßer Garderobe zeigen.
Zuhause in Thailand dürfen solche Fotos nicht veröffentlicht werden. König und Familie werden durch einen sehr streng auslegbaren Artikel im Strafgesetz geschützt. Auf „Majestätsbeleidigung“ stehen bis zu 15 Jahre Haft, wobei sich die Strafen summieren können: Im Juni wurde ein Mann wegen verschiedener Facebook-Einträge zu 70 Jahren verurteilt. Trotzdem sind die Fotos auch hier Gesprächsstoff.
Wie die Offiziellen ihren König gerne sähen, erfährt man am besten im Kino. Vor jedem Film wird hier ein Zusammenschnitt mit Bildern aus seinem Leben gezeigt: der loyale Sohn an der Seite des Vaters, der Buddhist in Mönchsgewand und mit geschorenem Kopf, der erfolgreiche Soldat im Einklang mit der Armee. Und: der gütige Herrscher, hinabgebeugt zu den Untertanen. Dazu wird die Königshymne gespielt. Jeder muss aufstehen.
Vor allem der Punkt mit dem Militär ist wichtig. Zwar wurde die absolute Monarchie schon vor acht Jahrzehnten abgeschafft. Trotzdem hat das Königshaus eine hochpolitische Rolle. Ohne dessen Gunst kann in Bangkok keine Regierung überleben - auch die Militärs nicht, die seit 2014 wieder an der Macht sind.
Dass das so bleiben soll, hat Maha Vajiralongkorn schon deutlich gemacht. So bestand er auf drei nachträglichen Änderungen in der neuen Verfassung. Unter anderem setzte er durch, dass er keinen Vertreter mehr braucht, wenn er im Ausland ist - angesichts der vielen Bayern-Aufenthalte durchaus wichtig. Mit einem neuen Gesetz bekam er auch mehr Kontrolle über das Königliche Haushaltsbüro, das die riesigen Firmenbesitze der Dynastie verwaltet.
Trotzdem ist „Nummer zehn“, wie manche Thais ihn nennen, noch ein König im Werden. Die Popularität seines Vaters hat er nicht geerbt. Auch die offizielle Krönung steht noch aus. Keinesfalls wird sie sein, bevor Bhumibols Leichnam Ende Oktober feierlich eingeäschert wird. Die meisten tippen auf einen Termin im Dezember oder Jänner. Mit Sicherheit könnte dies derzeit nur einer sagen: der König selbst.