ImPulsTanz- „DFS“: Reggae, Ballett und ein Hund ohne Talent

Wien (APA) - Den Sprung zwischen Ballett und jamaikanischem Dancehall wagten nicht nur Cecilia Bengolea und Francois Chaignaud mit fünf weit...

Wien (APA) - Den Sprung zwischen Ballett und jamaikanischem Dancehall wagten nicht nur Cecilia Bengolea und Francois Chaignaud mit fünf weiteren Tänzern am Mittwoch im Volkstheater bei ImPulsTanz: Auch ein Hund sprang von der Bühne. Das Experiment gelang - großteils. Die Österreichische Erstaufführung von „DFS“ lieferte nicht nur eine herausragende Tanz-Performance, sondern einen kleinen Workshop gleich mit.

Bengolea und Chaignaud wechseln zwischen Dancehall-Moves und klassischem Ballett, Reggae trifft Gesänge aus der Renaissance. Die Übergänge zwischen den modernen Musikstücken und den ruhigen Chorstücken der sieben Tänzer sind abrupt, die Bewegungen umso fließender. Mal zu dritt, mal alleine, mal zu siebt, bewegen sich die Tänzer wie ein Organismus über den blutroten Boden der Bühne. Old School und New School kreuzen die Wege, nähern sich einander an und entfernen sich wieder. Sieben brillante Körperkünstler verbinden die Liebe zur Musik mit der Leidenschaft des Tanzes.

Das Experiment scheint zunächst von Erfolg gekrönt, aber Tänzer ohne Musik sind wie Fische ohne Wasser - nicht in ihrem Element. Zwischen Dancehall und Ballett kommt es zu minutenlangen Passagen ohne Ton. Sie sollen den Fokus auf die Tänzer setzen, ihre körperlichen Leistungen hervorheben, wirken dabei aber zu angestrengt künstlerisch, um auf lange Sicht zu begeistern. Sie lassen die Leichtigkeit vermissen, die bei den modernen Musikstücken hervorbricht. Der Zuschauer wartet auf ein Ende der Unterbrechung, Reggae und Dancehall kehren zurück wie der ersehnte Regen nach der auditiven Dürre. Die Fische dürfen zurück ins Wasser, das Publikum atmet kollektiv auf.

Als wäre der Wechsel zwischen verschiedenen Musik- und Tanzstilen noch nicht genug, bekommt der Zuseher auch noch die Möglichkeit, seine passive Rolle abzulegen und aktiv zu werden. Die dreißig Mutigsten erklimmen die Bühne, gesellen sich zu den Tänzern und lassen sich von der jamaikanischen Lebensfreude von Tänzer Damion BG Dancer anstecken. Die kollektive Ausübung hat Dancehall mit dem mehrstimmigen Gesang des 13. Jahrhunderts gemeinsam: „Damit Atmosphäre entsteht, müssen viele Personen singen oder tanzen“, so Chaignaud gegenüber der APA. Ausgehend von dieser Beobachtung sei auch das Stück entstanden.

Plötzlich läuft ein Hund über die Tanzfläche und springt zu den Zuschauern hinunter, die Stufen ignorierend. Das Tier wird eingefangen, nur um seinem Leben erneut mit einem Sprung ein Ende setzen zu wollen. „Normalerweise begleitet uns Roy, ein sehr intelligenter Hund von Freunden. Er besitzt eine unglaubliche Bühnenpräsenz“, erklärte Chaignaud. Roy konnte jedoch nicht mitreisen, deshalb wurde ein Ersatzhund ausgeborgt, der leider mit der Eleganz der Tänzer nicht mithalten kann: „Der Hund von Ivo Dimchev hat überhaupt kein Talent“, so Chaignaud. Zur Performance trägt er außer Verwirrung tatsächlich nichts bei.

Eine Reduktion auf das Wesentliche hätte gut getan. Bengolea und Chaignaud haben in 50 Minuten zu viel Verschiedenes untergebracht, der Zuschauer verlässt den Saal am Ende des Abends zwar begeistert, aber auch ein wenig überfordert. Nächstes Mal müssen Hunde hoffentlich draußen bleiben.

(S E R V I C E - Cecilia Bengolea und Francois Chaignaud: DFS - Internet: https://www.impulstanz.com/performances/2017/id1129/)