Bezirk Landeck

Hightech-Equipment: Mit dem Sensor am Senior

© Reichle

Mit Sensoren, Kameras und anderem Hightech-Equipment kann das Leben älterer Menschen einfacher gemacht werden. In Kappl und Grins wurde das getestet.

Von Matthias Reichle

Kappl, Grins –Das Bett von Pfarrer Josef Jäger versendet SMS. Wenn der pensionierte Seelsorger in der Nacht aufsteht, löst er damit einen Mechanismus aus, der ihm im Notfall das Leben retten kann. Eine Sensormatte registriert den Druckverlust und meldet das an einen Computer, kehrt der Nachtaktive nicht nach einer bestimmten Zeit unter die Decke zurück, geht das System davon aus, dass er eventuell gestürzt ist oder ohnmächtig wurde, und sendet eine SMS an den Diensthabenden des Wohn- und Pflegeheims St. Josef in Grins. Der kann dann Nachschau halten, ob dem 79-Jährigen etwas passiert ist. „Das war anfangs noch nicht ganz ausgereift“, schmunzelt der Altpfarrer, der seit einigen Jahren im betreuten Wohnen lebt, in einem Resümee. Nach einer Nachrüstung funktionierte das Sensor-Bett dann einwandfrei.

Haussteuerung per Tablet.
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Der Grund, dass Jägers Schlafzimmer zwischenzeitlich mit dem Hightech-Equipment aufgerüstet wurde, war ein Pilotprojekt. Der 79-Jährige stellte sich zur Verfügung und testete verschiedene technische Erfindungen auf ihre Alltagstauglichkeit. „Es geht um Sicherheit“, betont Gottlieb Sailer, der das Projekt als Heimleiter begleitet hat. „Es soll schlaflosen Angehörigen die Angst nehmen.“

Gestartet wurde die Pilotregion „West-AAL“ – die Abkürzung steht für „Active and Assisted Living“ bzw. aktives und betreutes Leben – im Jänner 2014. Bis Ende Mai dieses Jahres wurden 74 Haushalte in Tirol und Vorarlberg mit fortschrittlichen Technologien ausgestattet. Mit dabei war auch der Sozialsprengel St. Josef mit zehn Privatwohnungen und fünf betreuten Wohneinheiten. Auch die 88-jährige Mutter von Sieglinde Schaffenrath aus Kappl machte mit. Die ältere Frau wohnt allein. So manches hatte anfangs noch seine Kinderkrankheiten, erklärt Schaffenrath. Den Rauchmelder, der zu viele Fehlalarme produziert hatte, habe sie inzwischen entsorgt, der WC-Griff bleibt auch nach Abschluss des Projekts – „der gibt Sicherheit“, erklärt sie.

Ein Würfel hilft beim Anrufen von Angehörigen.
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Auch die Kappler Seniorenstube wurde ins Projekt integriert und mit allerlei technischen Zaubertricks ausgestattet. So überwachen seither zwei Sturzkameras permanent den Aufenthaltsbereich der Einrichtung. Intelligente Leuchten reagieren auf die Tageszeit und senden entweder aktivierendes oder beruhigendes Licht. Es wurden automatische Heizpanele an den Decken und elektronische Türschlossöffner installiert. Denn allzu oft ist die fehlende Heizung der Grund für die Übersiedlung ins Altenheim. Mit dem Tablet können die Besucher der Seniorenstube nicht nur Elektrogeräte fernsteuern, sondern auch schauen, wer vor der Haustür steht, mit diesem sprechen und ihm die Türe öffnen. Es wurden der manuelle Hausnotruf als auch Armbandtelefone mit SOS- und Ortungsfunktion ausprobiert. Das System der Einrichtung erkennt, wenn sich jemand am WC länger nicht bewegt, wenn die Haustüre geöffnet bleibt oder es einen Zutritt außerhalb der Öffnungszeiten gibt, und versendet SMS. Außerdem kann man online nachverfolgen, in welchem Zimmer gerade Aktivität ist und in welchem keine.

„Ziel ist, die Selbstständigkeit älterer Menschen zu verlängern“, erklärt Forschungsleiter Guido Kempter, Leiter des Forschungszentrums für Nutzerzentrierte Technologien an der Fachhochschule Vorarlberg, der das Projekt in der Seniorenstube betreut hat. Ein Weg dafür sei die Technik.

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