Den Konflikten nicht aus dem Weg gehen
Forum Alpbach befasst sich heuer mit „Konflikten und Kooperationen“. Fischler nimmt möglichen Wahlkampf im Dorf der Denker gelassen.
Alpbach –Das Forum Alpbach betritt wieder einmal Neuland. „Konflikte und Kooperationen“ werden vom 16. August bis 1. September diskutiert. 700 Experten und Sprecher beleuchten das Generalthema, 5000 Teilnehmer haben sich im Dorf der Denker angesagt. Forumspräsident Franz Fischler will heuer vor allem die Streit- und Diskussionskultur kultivieren. „An Konflikten haftet in der Politik stets etwas Negatives, aber in der Wissenschaft sind sie etwas Positives – um am Ende zur Lösung zu kommen.“
Die Weiterentwicklung hin zu einer positiven Streitkultur ist für Fischler längst fällig, mit diesem Format will er auch die Zuhörer und Besucher noch besser in die Veranstaltungen einbinden. Zwei Konfrontationen wird der britische BBC-Starmoderator Stephen Sackur („Hardtalks“) führen.
Neben dem Bemühen um Konfliktlösungen gibt es heute aber auch Auseinandersetzungen, die nicht so leicht zu beenden sind. Dazu Fischler: „Deshalb müssen Konzepte gefunden werden, wie man mit Konflikten leben kann.“ Sicherheit, Integration und Migration – diese Themen würden Europa noch Jahre beschäftigen. „Die Lösung dauert oft Jahre, kurzfristig können damit auch keine Stimmen gewonnen werden“, erklärt der Alpbach-Präsident. Dass sich in der Regel der politische Erfolg erst in der nächsten Politikergeneration einstelle, erschwere diese politischen Prozesse.
Alpbach 2017 bedeutet für den ehemaligen EU-Kommissar auch einen Spagat. Schließlich findet am 15. Oktober die Nationalratswahl statt. Alpbach steht diesmal nicht am Beginn des politischen Herbstes, sondern eines Wahlkampfs. Fast alle Regierungsmitglieder und der Bundeskanzler werden im August nach Alpbach kommen. Wie damit umgehen? „Gelassen“, meint Fischler. Er habe schon früher stets die Position vertreten, dass er keinen Wahlkampf in Alpbach wolle. Bei den offiziellen Veranstaltungen hat Fischler dafür gesorgt, dass keine rein österreichischen Themen behandelt werden. „Da hat kein Wahlkampf Platz.“
Fischler hat bei der Einladung auch darum gebeten, dass jeder österreichische Politiker einen ausländischen Kollegen mitbringt. „Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls größer, dass internationale Themen zur Sprache kommen.“ Innenminister Wolfgang Sobotka (VP) habe etwa seinen belgischen und estnischen Amtskollegen eingeladen.
Das Forum beginnt wieder mit der Seminarwoche, danach folgen die Symposien zu Gesundheit, Bildung, Technologie, Recht, Politik, Wirtschaft, Baukultur und Finanzmarkt. Auftakt bilden jeweils künstlerische Interventionen. Unter den Teilnehmern werden auch rund 700 Stipendiaten aus mehr als 70 Ländern sein. (mz, pn)