Versicherungsriese Allianz wird mutiger - Rekordgewinn im Visier
Frankfurt/München (APA/Reuters) - Kräftige Zuwächse in der Sachversicherung und das Comeback des Vermögensverwalters Pimco machen die deutsc...
Frankfurt/München (APA/Reuters) - Kräftige Zuwächse in der Sachversicherung und das Comeback des Vermögensverwalters Pimco machen die deutsche Allianz mutiger. Der operative Gewinn werde in diesem Jahr auf annähernd 11,3 Milliarden Euro steigen, teilte Europas größter Versicherer mit. Das wäre so viel wie nie zuvor. Nur Naturkatastrophen oder Krisen könnten das Ziel noch gefährden.
Vorstandschef Oliver Bäte hatte bisher eine Spanne von 10,3 bis 11,3 Mrd. Euro angepeilt, Analysten trauten der Allianz knapp elf Milliarden zu. „Die Allianz scheint in ungewöhnlich guter Form zu sein“, urteilte Branchenexperte William Hawkins von Keefe, Bruyette & Woods (KBW). Doch ob sich die Ergebnisse auf Dauer halten ließen, sei fraglich.
Die Aktie des Münchner Konzerns pirschte sich am Donnerstag mit einem Plus von zwei Prozent auf 183,05 Euro an ihr Jahreshoch heran und war einer der Spitzenreiter im Dax.
Von April bis Juni erwirtschaftete die Allianz einen operativen Gewinn von 2,9 Mrd. Euro - 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach sechs Monaten stehen damit 5,8 Mrd. Euro zu Buche. Unter dem Strich verdiente die Allianz im zweiten Quartal 2,0 (Vorjahr: 1,1) Mrd. Euro, weil die Steuerquote sank.
Überraschend stark waren zuletzt die Mittelzuflüsse in der Vermögensverwaltung, beim US-Fondshaus Pimco und dessen kleiner europäischer Schwester Allianz Global Investors. Die lange vom Streit mit Gründer Bill Gross gelähmte Pimco kommt in ruhigeres Fahrwasser und zieht wieder frisches Geld von Investoren an. Im zweiten Quartal flossen beiden Vermögensverwaltern zusammen netto 55 Mrd. Euro frisches Kapital zu. Das sei doppelt so viel wie erwartet, erklärten die Analysten. Die auf Anleihen spezialisierte Pimco und die breiter aufgestellte AGI verwalten nun 1,4 Billionen Euro von externen Anlegern, fast 100 Milliarden mehr als vor einem Jahr. Hinzu kommt rund eine halbe Billion, die die Allianz dort für ihre eigenen Kunden verwalten lässt. Das operative Ergebnis im Asset Management verbesserte sich auch dank Einsparungen um 17 Prozent auf 584 Millionen Euro.
Mehr als die 11,3 Mrd. Euro, die die Allianz nun als operativen Gewinn anpeilt, hat sie noch nie ausgewiesen - nicht einmal, als die Dresdner Bank noch zu ihr gehörte. Allerdings klammert sie seit neuestem die Kosten für den Umbau aus dem operativen Ergebnis aus. Für 2016 hatte der Konzern operativ 10,8 Mrd. Euro Gewinn ausgewiesen, ohne Restrukturierungskosten wären es damals schon 11,1 Milliarden gewesen.
Vorstandschef Bäte will die Allianz fit machen, um im Zeitalter der Digitalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu wird an anderer Stelle gespart, Arbeitsplatzabbau inklusive. Die Oldenburgische Landesbank (OLB), die nicht mehr in die Strategie passt, hat der Versicherer mit einen Verlust von 200 Millionen Euro abgestoßen.
Der Umsatz der Allianz kletterte im Quartal um zwei Prozent auf fast 30 Mrd. Euro. Am besten läuft das Geschäft mit Schaden- und Unfall-Policen: Mit 1,4 Mrd. Euro stand hier ein Plus von 28 Prozent zu Buche. Das lag vor allem daran, dass der Versicherer viel weniger für Naturkatastrophen ausgeben musste, womit sich die Schaden-Kosten-Quote auf 93,7 von 96,4 Prozent verbesserte. In der Leben- und Kranken-Sparte stieg das operative Ergebnis um zwölf Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Die Allianz profitiert hier von neuartigen Lebensversicherungen ohne langfristige Garantien, die weniger Kapital binden. Die Marge im Neugeschäft stieg dadurch auf 3,4 (2,6) Prozent.
~ ISIN DE0008404005 WEB https://www.allianz.com/de/ ~ APA256 2017-07-27/12:24