Verbund sieht mittelfristig keine Signale für höhere Strompreise
Wien (APA) - Der Verbund sieht mittelfristig beim Strompreis keine Trendwende nach oben. Seit einem Tief Anfang des Vorjahres haben sich die...
Wien (APA) - Der Verbund sieht mittelfristig beim Strompreis keine Trendwende nach oben. Seit einem Tief Anfang des Vorjahres haben sich die Börsenpreise zwar wieder erholt, das derzeitige Niveau dürfte aber bis 2020 aufrecht bleiben. „Es scheint jetzt, dass wir den Tiefpunkt gesehen haben, aber es wäre verfrüht davon auszugehen, dass diese Reise jetzt weitergeht“, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber.
Im Jänner und Februar 2016 sind die Strompreise auf 20 Euro pro Megawattstunde (MWh) gefallen, aktuell sind es um die 30 Euro/MWh. Der Verbund sieht die (Forward)-Strompreise heute bei 30/31 Euro je MWh. Man glaube auch, dass dieses Niveau mittelfristig die nächsten zwei bis drei Jahre auch noch aufrecht bleiben werde und dass es keine großen Veränderungen geben werde, so Anzengruber am Donnerstag bei der Halbjahrespressekonferenz. Er sieht bis zum Jahr 2020 keine wirklichen Signale, „dass es deutlich nach oben geht“. Der Preis dürfte bei den rund 30 Euro/MWh bleiben. Im ersten Halbjahr 2017 sind beim Verbund die durchschnittlichen Absatzpreise für die abgesicherte Menge bei 29,8 Euro/MWh gelegen, nach 31,0 Euro/MWh in der Vorjahresperiode.
Der Strompreisverfall zu Jahresbeginn 2016 hat den Verbund auch zu einem weiteren Rationalisierungsprogramm veranlasst. Das Sparprogramm sei übertroffen worden, man habe 176 Mio. Euro erreicht statt der geplanten 130 Mio. Euro, so Finanzvorstand Peter Kollmann. Der Verbund hat vor einem Jahr auch die Investitionen für die Jahre 2016 bis 2019 von 1,5 auf 1,0 Mrd. Euro reduziert und setzt unter anderem verstärkt auf Effizienzsteigerungen bestehender Kraftwerke. Die Zahl der Stellen soll im Zuge der verschiedenen Programme im Zeitraum 2013 bis 2021 Summe um 600 verringert werden. Das erfolge sozialverträglich und auch durch Nicht-Nachbesetzungen, betonte Anzengruber. Der durchschnittliche betriebswirtschaftliche Personalstand des Verbund sank im Jahresabstand laut Halbjahresbericht um 3,3 Prozent von 2.940 auf 2.843.
Mit den Programmen würden der Free-Cash-Flow erhöht, die Schulden abgebaut und damit auch das Rating stabilisiert, so Kollmann. Die Maßnahmen seien durchgeführt worden um angesichts der energiepolitischen Rahmenbedingungen in einem sehr volatilen Umfeld den Konzern widerstandsfähig zu machen.
Deutlich stärker eingesetzt hat der Verbund im Halbjahr die thermischen Kraftwerke für das Engpassmanagement zur Stabilisierung der Stromnetze. Das steirische Gaskraftwerk Mellach sei heuer bis Ende Juni bereits 1.700 Stunden gelaufen, verglichen mit 700 bis 800 Stunden im Gesamtjahr 2016, so Anzengruber. Er sieht Gas in der Energiewende als Brückentechnologie. Mellach bleibe aus Gründen der Versorgungssicherheit am Netz. Das Gaskraftwerk könne schnell hoch gefahren werden und liege im Südosten des Landes, wo es keine Pumpspeicherkraftwerke gebe. Wenn es diese Feuerwehrfunktion nicht gäbe, müsste man Mellach einmotten. Das Steinkohle-Kraftwerk Mellach soll bis Ende 2019 stillgelegt werden, ein weiterer Schritt auf dem Weg zur CO2-freien Erzeugung. Derzeit liege der Erneuerbaren-Anteil bei 95 bis 96 Prozent. In Ökologisierungsmaßnahmen, vor allem Fischwanderhilfen, wird der Verbund 280 Mio. Euro bis 2025 investieren. Für ganz Österreich gebe es ein realistisches Potenzial zum Ausbau der Erneuerbaren Energie im Ausmaß von rund 20 TWh, verwies Anzengruber heute auf Zahlen des Branchenverbands Oesterreichs Energie.
Im ersten Halbjahr hat der Verbund aus der Vermarktung von Flexibilität - von Engpassmanagement über Netzdienstleistungen bis zu Pumpspeichern - 107 Mio. Euro erzielt, nach 62 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr werden 166 Mio. Euro erwartet, nach 128 Mio. Euro 2016.
Für die Energiezukunft positioniert sich der Verbund als CO2-freier Low-Cost-Erzeuger, als verlässlicher Netzbetreiber sowie als kundenorientierter Lösungsanbieter. Die Zahl der Privatkunden stieg im ersten Halbjahr um 7 Prozent auf rund 420.000.
Die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit sei eine der zentralen Aufgaben der Verbund-Tochter APG, die Regelzonenführer des österreichischen Übertragungsnetzes ist. Die Energiewende mache immer mehr Netzstützungen notwendig, im ersten Halbjahr waren es 2.600 Gigawattstunden (GWh).
Bei der 380-kV-Salzburg-Leitung, bei der bis heute die Berufungsverhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht läuft, geht Anzengruber von einem Bescheid bis Jahresende aus.
Die geplante Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone sei eine Entscheidung, „die uns nach wie vor nicht gefällt“, so Anzengruber. Er sieht sie auch noch nicht als endgültig an und verweist auf noch ausständige Entscheidungen über neue Preiszonen in Europas (Bidding Zone Review Process).
( 0766-17, Format 88 x 55 mm)
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