Schwimmen: Coach Fehervari arbeitet am Aufschwung der Südstadt-Truppe
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Budapest (APA) - 50 Prozent von Österreichs Schwimm-Team bei den Weltmeisterschaften in Budapest kommen aus dem Leistungszentrum Südstadt. Christopher Rothbauer und Patrick Staber verdanken ihr WM-Debüt auch der Arbeit ihres Coaches Balasz Fehervari, der seit Herbst 2014 im Süden Wiens als alleinverantwortlicher Chefcoach tätig ist. Er sieht für sich kein Ablaufdatum und für seine Truppe eine gute Zukunft.
Fehervari arbeitet seit 20 Jahren als Trainer. Er war zunächst sieben Jahre im Nachwuchsbereich tätig, 2004 wechselte er zum ungarischen Nationalteam und war bis 2014 mit Unterbrechungen sieben Jahre lang Nationaltrainer. Am Ende standen etliche EM-Titel, Teilnahmen an Olympia- und WM-Endläufen, WM-Medaillen sowie Weltrekorde in der allgemeinen und auf Junioren-Ebene seiner Schützlinge auf der Habenseite.
Aufgrund der langen Liste an Erfolgen umfasste Fehervaris Bewerbungsschreiben beim Österreichischen Verband (OSV) sechs Seiten. Im „Headquarter“ nahe dem Ernst-Happel-Stadion wurde nicht lange gezögert und Fehervari angestellt. Sein Vertrag läuft unbefristet, denn der Aufbau einer schlagkräftigen Truppe braucht Zeit. „In meinem Kopf bleibe ich, solange ich kann. Da gibt es kein Ende“, meinte Fehervari im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.
Zwei Athleten in Budapest zu haben, sei für ihn nur der erste Schritt. „Dieses Jahr ist das noch okay“, meinte der 46-Jährige. Aber ich komme aus einem starken System und will immer mehr und mehr und mehr.“ Olympia 2020 in Tokio sei ein erstes Zwischenziel. Für Rothbauer und Staber sollte die Qualifikation dafür kein Problem werden, gab er an. „Das ist für sie Pflicht. Ich möchte so vier Schwimmer bei den Spielen dabei haben.“
Dass er trotz großer Erfolge aus Ungarn weggegangen ist, macht für Fehervari Sinn. „Im Leben kommt die Zeit, wenn man das Gefühl hat, dass man etwas zu ändern hat. Es war eine lange Zeit, ich habe eine Veränderung gebraucht, eine neue Herausforderung“, sagte er im Rahmen der Budapest-WM. „Ich hatte mich sehr auf meine Schwimmer konzentriert. Mein Gefühl war, dass ich nicht mehr geben kann. Ich habe gespürt, dass die Zeit für einen Wechsel reif ist.“
Die Schwimmer-Trainer-Beziehung sei kompliziert. Während der Athlet meist glaube, dass das Training zu viel und hart sei, glaubt der Coach, dass man noch mehr tun müsse. Das bringe Stress. „Wieder neu zu beginnen, war der größte Antrieb. Hier kann ich nun wieder etwas aufbauen, bin von Clubs unabhängig. Ich habe die Zeit bei Olympia, WM und EM genossen. Aber mir hat schon damals gefallen, mit Kindern zu arbeiten. Jetzt kann ich das wieder machen.“
Die Südstadt brauche mit Trainingszentren in Ungarn keinen Vergleich zu scheuen, vom Pool über Fitnessraum bis zum Internat sei alles perfekt. Freilich habe Österreich zu wenig 50-m-Becken. „Da ist es schwierig, mit anderen Ländern zu konkurrieren. In Ungarn sind auch alle Coaches hauptangestellt, in Österreich nur ein paar.“ Die Arbeit als Trainer zieht Fehervari etwa jener als Sportdirektor vor. „Ich will um 6.00 Uhr am Pool sein, da wollte ich nichts ändern. Ich liebe es.“
Ein Manko allerdings sei, dass er Jugendliche oft zu spät bekomme. „Ich brauche Schwimmer so mit 11 Jahren, aber sie kommen mit 14. Bei Burschen ist es noch okay, aber nicht bei den Mädchen.“ Von der Quantität her könne sich die Südstadt der Anfragen hingegen kaum erwehren. Wer dann aufgenommen wird, entscheide Fehervari. Er wohnt mit seiner Frau und seinen Söhnen im Alter von 14 und 17 Jahren unweit der Südstadt in Biedermannsdorf.
Mit Xaver Gschwentner (Delfin) und dem Junioren-Vize-Europameister Valentin Bayer (Brust) hat Fehervari zwei Teilnehmer für die kommenden Junioren-Weltmeisterschaften in Indianapolis. Abseits davon sichtet der ehemalige Brustschwimmer weitere Talente. „Ich bin sicher, den nächsten Felix Auböck oder Markus Rogan zu finden. Ich habe es auch in Ungarn geschafft. Es ist unmöglich, dass es keine Talente mit großem Potenzial gibt. Wir müssen sie nur finden.“