Nationalratswahl

Wie die Jugend Wahlkampf betreibt

Die SJ auf einer Wahlkampftour auf Festivals.
© SJÖ

Die einen machen Werbung auf Festivals, die anderen verteilen Bier, um ins Gespräch zu kommen. Doch alle betreiben sie Wahlkampf.

Von Lina Wernisch

Wien — Ob auf der Straße, auf Festivals oder im Internet: Die jungen Organisationen der heimischen Parteien sind aktiv am Wahlkampf beteiligt. Ein Überblick, wie die Sozialistische Jugend Österreich (SJ), die Junos und die Junge Volkspartei (JVP) wahlkämpfen. Mit etwa 100.000 Mitgliedern, die laut dem designierten JVP-Obmann Stefan Schnöll fast alle aktiv beim Wahlkampf mitmachen, ist die JVP die größte der zum Vergleich anstehenden Organisationen.

Ein Alterslimit von 35 Jahren bewirkt ein ständiges „Kommen und Gehen". Schnöll ist davon überzeugt, dass der „enorme Zulauf durch ÖVP-Chef Sebastian Kurz" begründet ist. Das Besondere an der JVP sei ihr eigener Jugendwahlkampf. Sie betreibe eine eigene Linie, bei der die ÖVP der Motor sei. Trotzdem erklärt Schnöll: „Wir sind nicht abhängig von der ÖVP. Manche Projekte machen wir gemeinsam, aber lange nicht alle." Wer genau auf der Liste stehen wird, kann Schnöll noch nicht verraten — nur so viel, dass auf der Bundesliste niemand von der JVP sein wird.

Die Junos als Jugendorganisation der NEOS.
© JUNOS

Anders verläuft dies bei den Junos. „Unser Bundesvorsitzender Douglas Hoyos kandidiert auch im Nationalrat und ist an einer sehr aussichtsreichen Stelle der Liste", erklärt der stellvertretende Bundesvorsitzende Christian Bitschnau. Dies begründet er damit: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu unserer Mutterpartei, den NEOS."

Die Junos betreiben keinen Wahlkampf im klassischen Sinne: Es werde keine Plakate, jedoch eigene kleine Veranstaltungen geben. So positionieren sie sich beispielsweise am Schwedenplatz in Wien mit Musik und Bier und hoffen auf gute Diskussionen — „um ganz einfach ein jüngeres Publikum zu haben". Bitschnau: „Wir sind innerhalb der NEOS eine gute Unterstützung, weil wir junge Leute motivieren möchten. Man muss natürlich sagen, dass niemand im Sommer so viel Zeit hat wie wir Studierenden."

Auf ein ähnliches Prinzip setzt auch die Sozialistische Jugend (SJ). Julia Herr, SJ-Chefin, erklärt, keinen klassischen Wahlkampf zu machen und auch keine Plakate zu gestalten. Sie machen hingegen eine Festivaltour. Ihnen seien nämlich die Themen wichtig. Das Ziel der SJ sei es, die Anzahl der Mitglieder (derzeit etwa 65.000) zu erhöhen. „Wir wollen Mitglieder werben und mit Leuten ins Gespräch kommen, um sie längerfristig zu gewinnen. Uns geht es nicht nur um dem 15. Oktober, sondern wir wollen auch junge Leute motivieren", erklärt Herr. Dies versuche sie auch mit YouTube-Videos, in denen sie Infos, Fakten und Zusammenhänge erklären wolle, sagt Herr.

Natürlich sei die junge Organisation auf Unterstützung angewiesen: „Wir werden so genannte Unterstützungs-Packages machen, die man kaufen kann, bei denen man dann zum Beispiel ein ­T-Shirt bekommt und somit eine finanzielle Unterstützung für uns ist." Bitschnau von den ­Junos gibt zu: „Die Aktionen, die wir machen, laufen über das NEOS-Wahlkampfbudget." Er bezeichnet die Beziehung mit der Mutterpartei als eine „wechselseitige Unterstützung". Das Ziel für die Nationalratswahlen sei ganz eindeutig: „Die Zweistelligkeit. Ich glaube, dass wir das erreichen können."

SJ-Chefin Herr wünscht sich von ihrer „großen" Partei, dass die SPÖ eine junge Person auf einen Fixplatz setzt. ­Schnöll glaubt den Umfragen nicht. „Das wird ein harter Zweikampf, wenn nicht sogar Dreikampf", sagt der JVP-Obmann. Der Ring Freiheitlicher Jugend und die Jungen Grünen antworteten nicht auf TT-Anfragen.