Tempelberg - Rechte Regierungsmitglieder kritisieren „Kapitulation“

Jerusalem (APA/dpa) - Rechte israelische Regierungsmitglieder haben Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vorgeworfen, in der Tempelberg-Kris...

Jerusalem (APA/dpa) - Rechte israelische Regierungsmitglieder haben Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vorgeworfen, in der Tempelberg-Krise vor palästinensischer Gewalt kapituliert zu haben. „Die Entscheidung, die Metalldetektoren angesichts von Drohungen mit Gewalt wieder abzubauen, war ein Fehler“, sagte Erziehungsminister Naftali Bennett dem Armeesender am Donnerstag.

„Anstatt unsere Souveränität in Jerusalem zu stärken, lautet die Botschaft jetzt, dass man unsere Souveränität schwächen kann“, sagte der Vorsitzende der Siedlerpartei. „Israel ist schwächer aus dieser Krise hervorgegangen.“

Oren Hazan von der Regierungspartei Likud schrieb bei Twitter in Anspielung auf Korruptionsvorwürfe gegen Netanyahu: „Es gibt Leute, die dem Regierungschef die Zigarren und den rosa Champagner verzeihen werden. Aber die Kapitulation und den künftigen Schaden an Israels Sicherheit in der Tempelberg-Affäre, unsere Demütigung und die arabische Schadenfreude - nicht.“

Der ehemalige Verteidigungsminister Moshe Yaalon sagte ebenfalls, Netanyahu habe schwere Fehler begangen. Die Aufstellung der Metalldetektoren hätte er im Voraus mit Jordanien, Saudi-Arabien, Ägypten und den USA abstimmen müssen, sagte er dem Armeesender. Grundsätzlich seien Sicherheitskontrollen am Tempelberg notwendig. Es gebe sie auch in Mekka und Medina (wichtigste Heiligtümer des Islam, Anm.) und an anderen Moscheen. Es sei keine religiöse Frage, „sondern ein politischer Machtkampf um den Tempelberg“. Netanyahus Haupterwägung sei aber sein eigenes politisches Überleben, sagte Yaalon. „So kann man nicht führen - seht, wie viel Blut vergossen wurde.“

Israel hatte den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems, in dem die wichtigsten heiligen Stätten von Judentum und Christentum sowie bedeutende Stätten des Islam liegen, 1967 erobert und später annektiert. Es beansprucht ganz Jerusalem als seine Hauptstadt. International wird dies nicht anerkannt. Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Hüter des Tempelbergs, auf dem die muslimischen Heiligtümer Felsendom und Al-Aqsa-Moschee stehen, ist Jordanien.

Um den Tempelberg gibt es zwischen Israel und den Palästinensern seit Jahrzehnten Streit. Im Jahr 2000 führte ein Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon zum Beginn eines Palästinenseraufstands, der sogenannten Zweiten Intifada.

Auf dem Tempelberg stand einst der Jerusalemer Tempel, das Zentralheiligtum der Juden, der im Jahr 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde. Das Allerheiligste, der zentrale Raum des Tempels, der nur einmal im Jahr vom Hohepriester betreten werden durfte, lag vermutlich an der Stelle des heutigen muslimischen Felsendoms. Heute befinden sich auf der Anhöhe in der Jerusalemer Altstadt ausschließlich Heiligtümer der Muslime, die die Stätte als „Al-Haram al-Sharif“ (Edles Heiligtum) verehren.

Die Juden beten wiederum an einem Mauerabschnitt am Fuß des Berges, der sogenannten Klagemauer - jenem allgemein zugänglichen Ort, der dem früheren Allerheiligsten am nächsten liegt. Nach einer Vorschrift des israelischen Oberrabbinats ist es gläubigen Juden verboten, den Tempelberg selbst zu betreten - „wegen der Heiligkeit des Ortes“. Dennoch versuchen immer wieder religiöse Zionisten, auf die Anhöhe vorzudringen und dort öffentlich zu beten, um den Anspruch des Judentums auf die Stätte zu untermauern. Manche radikalen Gruppen träumen gar von einem Wiederaufbau des Tempels an dieser Stelle.

(Alternative Schreibweise: Al-Aksa-Moschee)