Stichwort: Jerusalemer Tempelberg

Jerusalem (APA/dpa) - Der Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem ist die heiligste Stätte des Judentums und wird auch im Islam hoch verehr...

Jerusalem (APA/dpa) - Der Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem ist die heiligste Stätte des Judentums und wird auch im Islam hoch verehrt. Salomon, König von Israel und Sohn des Königs David, ließ im Jahr 960 vor Christus einen Tempel auf dem Berg errichten, der das Zentralheiligtum der Juden war.

Hier brachte die jüdische Priesterschaft die regelmäßigen Opfer für das Volk dar; die Wallfahrten nach Jerusalem dreimal im Jahr strukturierten das jüdische religiöse Leben. Im Zentrum des Gebäudes stand das Allerheiligste, ein Raum, den nur der Hohepriester einmal im Jahr betreten durfte, und wo nach jüdischem Glauben Gott selbst gegenwärtig war.

Nach der Zerstörung dieses Ersten Tempels durch die Babylonier im Jahr 587 n. Chr. entstand nach Ende der babylonischen Gefangenschaft der Israeliten der Zweite Tempel. Die Römer unter Titus legten ihn im Jahr 70 n. Chr. in Schutt und Asche. Übrig blieben nur die äußeren Stützmauern des Hügels aus der Zeit von König Herodes (73-4 v. Chr.). Ein Abschnitt davon auf der westlichen Seite ist als „Klagemauer“ heute wichtigstes Heiligtum der Juden.

Heute stehen auf der Anhöhe selbst ausschließlich muslimische Heiligtümer. Für die Muslime ist der Tempelberg als „Al-Haram al-Sharif“ (Edles Heiligtum) die drittwichtigste religiöse Stätte nach Mekka und Medina. Nach islamischer Überlieferung stieg dort 632 n. Chr. der Prophet Mohammed auf seinem Pferd „Buraq“ (Blitz) gen Himmel auf. An dieser Stelle steht der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, den der Kalif Omar im 7. Jahrhundert erbauen ließ. In einem Reliquienschrein sollen sich Barthaare des Propheten befinden. Am südlichen Rand des Platzes steht die Al-Aqsa-Moschee. Hier hatte ein islamischer Fanatiker 1951 den ersten jordanischen König Abdullah ermordet, den Urgroßvater des heutigen Königs Abdullah II. Hier betete 1977 Ägyptens Präsident Anwar al-Sadat, bevor er seine Friedensgespräche mit Israels Premier Menachem Begin begann.

Als die Israelis im Sechs-Tage-Krieg 1967 den zu Jordanien gehörenden Ostteil Jerusalems eroberten und später ohne völkerrechtliche Wirksamkeit annektierten, überließen sie den Muslimen die Verwaltung ihrer heiligen Stätten. Offiziell wird der Tempelberg von der islamischen Waqf-Behörde verwaltet, die Gehälter begleicht Jordanien. 1994 hatte Amman die Waqf-Verwaltung an die Palästinenser abgetreten, unbeschadet der Schirmherrschaft der haschemitischen Könige über die Al-Aqsa-Moschee.

Streng gläubigen Juden verbietet ihr Glaube und das israelische Oberrabbinat das Betreten des Tempelbergs „wegen der Heiligkeit des Ortes“. Extremistische jüdische Splittergruppen sind jedoch der Ansicht, die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom müssten zerstört werden, um Platz zu schaffen für den Bau des dritten jüdischen Tempels.

Schwere Konflikte verursachte im September 2000 der Tempelberg-Besuch des damaligen oppositionellen Likud-Politikers und späteren israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon. Die jahrelangen palästinensischen Proteste, die durch den als Provokation empfundenen Besuch ausgelöst wurden, werden als „Al-Aqsa-Intifada“ oder „Zweite Intifada“ bezeichnet.