Micheil Saakaschwili - Vom Staatschef in die Staatenlosigkeit
Kiew (APA/dpa) - Ex-Georgier, Ex-Ukrainer und nun ins Exil? Micheil (Michail) Saakaschwili war einst der Hoffnungsträger in seinem Heimatlan...
Kiew (APA/dpa) - Ex-Georgier, Ex-Ukrainer und nun ins Exil? Micheil (Michail) Saakaschwili war einst der Hoffnungsträger in seinem Heimatland im Kaukasus. Jetzt verstößt ihn auch seine ukrainische Wahlheimat. Warum ist der Politiker staatenlos?
Der einstige georgische Staatschef Michail Saakaschwili gibt sich gerne volksnah, schlagfertig und eloquent. Bevor der Ex-Georgier zu einem Rundumschlag gegen die ukrainische Staatsführung ausholt, wird der 49-Jährige noch sentimental: „Ich bin nur ein einfacher Ukrainer.“ Das war er jedoch nur zwei Jahre in seinem Leben, nun verliert er auch die ukrainische Staatsbürgerschaft. Schuld an seinem unrühmlichen Abstieg sei sein einstiger Studienfreund Petro Poroschenko. Dabei hatte ihn genau dieser nach Kiew geholt.
Saakaschwili selbst bezeichnet sich als einfachen Oppositionellen, der „auf die Straße geht und mit den Oligarchen abrechnen wird“, wie er in einem Video erklärt, das er in einem ruhigen Garten in den USA aufnimmt. Dass er einmal selbst zu den Mächtigsten zählte und in Georgien wegen angeblicher dubioser Geldgeschäfte gesucht wird, ignoriert er dabei. Ein Flüchtling, ein Staatenloser will er nicht werden. Zu eng sei die Verbindung zu Kiew. „Ich liebe die Ukraine von ganzem Herzen“, sagt er.
Seine Verbindung zu diesem Land reicht bis in die Sowjetzeit zurück. Nach seinem Militärdienst studiert er in Kiew an der renommierten Hochschule für internationale Beziehungen. Dort lernt er seinen Kommilitonen Poroschenko kennen, mit dem er nach jahrzehntelanger Freundschaft heute nicht mehr spricht. Vor zwei Jahren setzt Poroschenko auf den einstigen georgischen Staatsmann, der sich als unbestechlicher Reformer sieht. „Wir werden hier die neue Ukraine errichten“, verspricht er damals.
Zunächst als Präsidentenberater soll er dem ebenfalls von Korruption befallenen Land aufhelfen. Dafür bekommt er vom Staatschef persönlich den ukrainischen Pass überreicht. 2015 wird er Gouverneur in der Schwarzmeerregion Odessa, eine Hochburg der Korruption. Hier soll er noch einmal schaffen, wofür er als junger Revolutionsführer in seiner Heimat einst eintrat. Später bezeichnet er Poroschenko als korrupt.
In der sogenannten Rosenrevolution okkupiert er 2003 das Parlament in der georgischen Hauptstadt Tiflis und modernisiert die Ex-Sowjetrepublik im Eiltempo. Der in den USA ausgebildete Jurist wird Staatspräsident, der Westen, allen voran die EU und die NATO, zeigen sich begeistert von dem dynamischen Politiker. Er lässt Straßen neu bauen, nimmt sich die extrem korrupte Verkehrspolizei zur Brust, befreit Ämter von der grassierenden Günstlingswirtschaft. Armut und Arbeitslosigkeit in seinem Land löst er damit jedoch nicht.
Drei Jahre nach seinem Amtsantritt wandelt sich das Bild des einstigen Hoffnungsträgers zu dem eines autokratischen Herrschers. Gegen Regierungskritiker lässt er 2007 Knüppel, Gummigeschoße und Tränengas einsetzen. Viele Georgier werfen Saakaschwili heute vor, dass er durch seine aggressive Politik gegenüber der Atommacht Russland das Land 2008 in einen aussichtslosen Krieg geführt habe. Dabei verliert Georgien die Kontrolle über seine abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien.
2013 gibt Saakaschwili nach zehn Jahren sein Amt auf. Er beteiligte sich daraufhin auch an den Demonstrationen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew gegen den russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch.
Ohne Staatsbürgerschaft poltert Saakaschwili nun in Richtung Kiew. Poroschenko habe eine rote Linie überschritten, wolle ihn mundtot machen. Dennoch werde er nach Kiew zurückkehren, wo am Donnerstag Dutzende Anhänger für ihn demonstrierten. Experten glauben jedoch: Sollte er zurückkommen, werde er an seine einstige Heimat Georgien ausgeliefert.