Identitären-Schiff: Kapitän arbeitete für FPÖ
Das Boot der Rechtsextremen liegt weiterhin im Hafen der nordzypriotischen Stadt Famagusta. Einer der Festgenommen sei Alexander Schleyer, der bis März parlamentarischer Mitarbeiter eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten war.
Wien, Famagusta – Unter den Besatzungsmitgliedern des von der rechten „Identitären Bewegung“ gecharterten Schiffes, das im nordzypriotischen Hafen Famagusta festsitzt, befindet sich Medienberichten zufolge ein ehemaliger Mitarbeiter des FPÖ-Abgeordneten und geschäftsführenden NÖ-Parteiobmanns Christian Höbart. Es handelt sich den Angaben zufolge um den ehemaligen deutschen Marinesoldaten Alexander Schleyer.
Laut Medienberichten sind Schleyer und neun Besatzungsmitglieder inzwischen festgenommen und ein Haftbefehl für einen Tag angeordnet worden, wie die nordzyprische Zeitung Kibris gazetesi am Donnerstag berichtete. Zu den Hintergründen der Festnahme liegen verschiedene Berichte vor. Die nordzyprische Zeitung Yeni Düzen meldete unter anderem, die Besatzung würde der Dokumentenfälschung beschuldigt. Die tageszeitung (taz) berichtete dagegen unter Berufung auf eine Nichtregierungsorganisation, dem Kapitän werde Schlepperei vorgeworfen.
Zu den Hintergründen der Festnahme liegen verschiedene Berichte vor. Yeni Düzen meldete unter anderem, die Besatzung würde der Dokumentenfälschung beschuldigt. Die taz berichtete dagegen unter Berufung auf eine Nichtregierungsorganisation, dem Kapitän werde Schlepperei vorgeworfen.
Nach Meinung der Rechtsextremisten sind die Asylanträge auf eine Intrige von Nichtregierungsorganisationen (NGO) zurückzuführen. „Fünfzehn Mitglieder der Trainingscrew lehnten dieses Bestechungsangebot ab“, heißt es. Die „Identitären“ geben an, es laufe eine Untersuchung gegen den Kapitän und die Crew, die nach ihrer Ansicht auf „urplötzliche Anschuldigen“ der fünf Asylsuchenden zurückgehe.
Die „Identitären“ werfen den NGO vor, den Einsatz der „C-Star“ verhindern zu wollen. Die „Mission“ könne zwar verzögert, aber nicht aufgehalten werden, heißt es.
Die Identitären sagten gegenüber dem Kurier zu dem Vorwurf der Schlepperei: „Das ist absurd.“ Die Tamilen seien zu Trainingszwecken an Bord gewesen, um eine Kapitänsausbildung zu absolvieren. Das sei ein ganz normaler Vorgang, sie hätten natürlich auch dafür bezahlt. Als sie an Land kamen, um einen Crewwechsel durchzuführen, seien sie von NGOs „massiv gedrängt“ worden, einen Asylantrag zu stellen.
„Eselsfickerkulturen“
Höbart bestätigte am Donnerstag gegenüber der APA auf Anfrage, dass Schleyer für ihn als parlamentarischer Mitarbeiter tätig gewesen sei, zwischen April 2016 und März 2017. Seit er seinen Dienstvertrag mit Schleyer gelöst hatte, habe er keine Kenntnis von dessen jetzigen Tätigkeiten und er wolle die Angelegenheit auch nicht weiter kommentieren. „Die Sache ist für mich gegessen, ich will sie nicht wieder aufwärmen“, so der FPÖ-Abgeordnete.
Höbart hatte im März Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung die Auflösung des Dienstverhältnisses mit Schleyer mitgeteilt. Dieser soll auf Facebook einen Holocaustleugner gelobt und etwa von „Eselsfickerkulturen“ geschrieben haben. Er verurteile derartige Hasspostings aus tiefster Überzeugung, hatte Höbart damals betont.
Schleyer, Autor für das neurechte Magazin Blaue Narzisse, hatte zuletzt auf Instagram Bilder von der Brücke eines Schiffes gepostet. Das Schiff namens „C-Star“ versteht sich als Antwort der rechtsextremen „Identitären“ auf die zivilgesellschaftlichen Seenotretter im Mittelmeer, um die „Invasion der Illegalen“ zu stoppen. An Bord waren „Identitäre“ aus Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien zum Start ihres „Defend Europe“ -Projekts im sizilianischen Catania gegangen.
Wie Kibrıs Postasi schrieb, war die „C-Star“ mit einer Crew von 20 Tamilen – entweder aus Indien oder aus Sri Lanka – in Famagusta eingelaufen. Die Crew habe das Schiff im Hafen verlassen, und fünf der Mitglieder haben daraufhin Asyl beantragt. Bei ihrem Verhör gaben die Tamilen an, sie hätten dem Kapitän Geld bezahlt, damit er sie nach Italien bringe.
Die „Identitäre Bewegung“ wird seit 2016 vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet. Die Aktion „Defend Europe“ richtet sich nicht nur gegen Migranten, sondern auch gegen Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot retten wollen. Um die zehn solcher Hilfsorganisationen sind im Mittelmeer im Einsatz.
Schon vergangene Woche hatte die „C-Star“ Probleme beim Durchqueren des Suezkanals. Ägyptische Behörden hatten das Schiff zum Ankern gezwungen, weil der Kapitän laut Medienberichten die erforderlichen Papiere nicht vorlegen konnte.
Seit Dienstag liegt die „C-Star“ nach Angaben der Webseite MarineTraffic im Hafen von Famagusta vor Anker. Die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) wird nur von der Türkei anerkannt. (APA, TT.com)