Diplomatische Akademie: Neuer Leiter will sich stärker vernetzen
Wien/Moskau (APA) - Der österreichische Diplomat Emil Brix, der nach Botschafterposten in London und Moskau am 1. August die Leitung der Dip...
Wien/Moskau (APA) - Der österreichische Diplomat Emil Brix, der nach Botschafterposten in London und Moskau am 1. August die Leitung der Diplomatischen Akademie in Wien übernimmt, möchte mit Hilfe der traditionsreichen Institution Außenpolitik wieder stärker zu einem öffentlichen Thema machen. Das erklärte Brix im Juli noch in Moskau in einem Gespräch mit der APA.
„Diese Akademie ist zahlenmäßig keine große Einrichtung, aber sie ist eine Einrichtung mit großen Möglichkeiten“, betonte Brix, der am 31. Juli aus Moskau nach Wien zurückkehren wird. Abgesehen von einer qualitätsvollen Ausbildung der Studenten brauche man jedoch netzwerkartige Foren und Plattformen, die zur Hereinholung von Expertise verwendet werden könnten, sagte er.
Konkret möchte der künftige Leiter der Diplomatischen Akademie die Interaktion mit den „tausenden internationalen Experten und Beamten“ suchen, die in Wien tätig seien. Zudem gelte es stärker mit Institutionen wie dem Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, dem Forum Alpbach und dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) in Wien zusammenzuarbeiten, dem der Diplomat als Mitglied des Vorstands angehört.
„Es kann der Akademie gelingen, Außenpolitik stärker im öffentlichen Diskurs zu einem Thema zu machen, weil sie mit ihren Mitarbeitern die Voraussetzungen dafür besitzt und auch weil sie außerhalb der parteipolitischen Auseinandersetzungen steht“, erklärte Brix, der selbst lobende Worte für Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) findet: „Vielleicht klingt es nicht ganz objektiv, aber das muss ich sagen: Sebastian Kurz weiß genau, worum es geht und wenn er dafür kritisiert wird, dass er ziemlich klar und offen Dinge ausspricht und gegen eine Mutlosigkeit der österreichischen Politik auftritt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass er etwas daran ändern will“, erklärte der Diplomat, der Mitte der 1980er Jahre als Sekretär im ÖVP-Parlamentsklub tätig war und als ÖVP-nahe gilt.
Inhaltlich will Brix insbesondere auch seine persönliche Erfahrungen einbringen: „Es gibt kaum eine bessere Voraussetzung, so eine Akademie in die Zukunft zu führen, als jeweils in einem der Hotspots im Westen und im Osten als Botschafter tätig gewesen zu sein“, sagte er. Er habe dabei unmissverständlich gesehen und gelernt, dass in den außenpolitischen Konzepten der Briten und Russen „nationales Interesse“ absolut im Zentrum der Außenpolitik stehe. Österreich habe sich manchmal zu wenig bemüht, den eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen tatsächlich zu formulieren, und ließ keinen Zweifel, in seiner neuen Funktion diesbezügliche Beiträge liefern zu wollen.
Als weitere programmatische Schwerpunkte, die er in seiner Institution noch stärker diskutieren wolle, nannte Brix Multilateralismus sowie die Außenpolitik der einflussreichsten Staaten. „Wir brauchen in Österreich etwas mehr Wissen, wie dieses Konzert der Großen funktionieren wird“, sagte der Diplomat.
Spuren hat aber auch Brix‘ Tätigkeit als Direktor des österreichischen Kulturinstituts in London und als Leiter der kulturpolitischen Sektion im Außenministerium hinterlassen. Kulturdiplomatie sei ein Alleinstellungsmerkmal der österreichischen Diplomatie und Außenpolitik und müsse deshalb auch ein zentraler Bereich in der Arbeit der Diplomatischen Akademie sein, erklärte er.
(Das Gespräch führte Herwig G. Höller/APA)